ein Haus wurde mit Farbbeuteln beworfen
Im September wurde das Haus der Identitären Bewegung in Halle mit Farbbeuteln beworfen. Bildrechte: IMAGO

Identitäre Bewegung Halle sucht einen angemessenen Umgang mit den Rechtsextremisten

Mit gezielten Aktionen provoziert die Identitäre Bewegung mittlerweile europaweit - etwa durch eine kurzzeitige Besetzung des Brandenburger Tors. Auch ein Wohnprojekt in Halle - direkt gegenüber vom Steintor Campus - wirft seit diesem Sommer Fragen auf. Wie umgehen mit den neuen Rechtsextremen vor der eigenen Haustür?

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

ein Haus wurde mit Farbbeuteln beworfen
Im September wurde das Haus der Identitären Bewegung in Halle mit Farbbeuteln beworfen. Bildrechte: IMAGO

Der Hörsaal 1 am Steintor-Campus war an diesem Tag gut gesichert: Draußen standen zwei Polizei-Busse, drinnen fünf Männer mit Knopf im Ohr und schwarzen Anzügen. Ein privater Sicherheitsdienst wachte über die 250 Zuhörer, von denen manche auf den Treppen sitzen mussten. Der Andrang war groß.

Sie alle kamen, um an einer Diskussion der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung teilzunehmen. Die Frage: Wie umgehen mit den neuen Rechtsextremen – das ist in Halle ein ganz praktisches Thema. Das Haus der Identitären Bewegung ist nur knapp 20 Meter Luftlinie vom Campus entfernt. Sie sind nicht mehr zu übersehen, sagen Studenten und Professoren. Der Autor hat nach der Veranstaltung mit ihnen gesprochen.

Jung, intellektuell, rechtsextrem

"Letzte Woche Freitag zum Beispiel standen sie vor ihrem Haus und haben dort versucht, mit Flyern neue Mitglieder zu gewinnen. Da werden ausländisch aussehende Personen beleidigt, bis hin zu körperlich angegegangen", sagt einer. Eine andere findet das Auftreten der Identitären "sehr mackerhaft". Da seien ja auch viele Männer dabei, oder fast nur Männer, die versuchten ihre Ideologien hinter hippen Fassaden zu verpacken. Ein Dritter warnt: "Es geht darum, dass in der Medien- und Kommunikationswissenschaft auch Identitäre unter den Studierenden sind, die letztlich wissen wollen, wie sie die Medien optimal einsetzen können für ihre politischen Ziele."

Eine Belastung für Lehrkräfte und Studenten. Denn die Identitäre Bewegung ist schwer zu greifen: Sie gibt sich jung, intellektuell, rechtsextrem. Aber es seien keine klassischen Nazis, sagt Christoph Giesa, Journalist und Blogger.

Alte Ideologie neu verpackt

"Der Rassismus der Identitären heißt Ethnopluralismus", erklärt Giesa. "Das heißt letztendlich, die Rassen sollen schon parallel nebeneinander leben dürfen und die eine steht auch nicht über der anderen. Alle sind grundsätzlich gleichwert, aber nur solange sie sich nicht vermischen. Und dann wird immer das Beispiel genannt, ja man will doch auch nicht, dass sich die Hunderassen sich auflösen, das irgendwann alle Hunde gleich aussehen."

Demonstranten halten Fahnen
Die Flagge mit dem griechischen Buchstaben Lambda ist Erkennungszeichen der Identitären Bewegung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Argumentationsstrategie: betont harmlos. Das Ziel: die Mitte der Gesellschaft erreichen. In ganz Deutschland gibt es etwa 400 Identitäre, 50 leben in Sachsen-Anhalt. In Magdeburg, im Harz und vor allem: in Halle. Hier gilt die Gruppe Kontrakultur als Ideenschmiede.

Beobachtet werden sie von Verfassungsschützer Hilmar Steffen. "Die Kontrakultur in Halle ist auch bei den Identitären Bewegungen im gesamten Bundesgebiet mit Personen präsent", erklärt er. "Sei es die Besetzung des Brandenburger Tors. Oder bei anderen Aktionen, bei der Teilnahme der großen Demonstration am 17. Juni in Berlin."

Schwierige Suche nach Gegenstrategien

Wissen mit wem man es zu tun hat - darum geht es bei der Diskussion um die Identitäre Bewegung an der Uni Halle. Eine angeregte Debatte ohne Zwischenfälle.  Eine Frage brennt dem Publikum besonders unter den Nägeln: "Was kann ich tun, was mich auch nicht selbst gefährdet, aber ein klares Signal setzt?"

Am Ende haben Verfassungsschützer, Blogger und Politikwissenschaftler vor allem einen Ratschlag: Solidarität organisieren. Sprich, sobald zwei bis drei Identitäre für ihre Ideen trommeln, mindestens fünf Leute finden, die dagegen argumentieren können. Ein schwieriger Weg, der an der Uni Halle gerade erst beginnt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.10.2017 | 05:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2017, 14:58 Uhr

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71 Kommentare

20.10.2017 20:05 Kritischer Bürger 71

@Ullrich 69: +...Die missglückte Erstürmung des Bundesjustizministeriums...+ so viel zur Einleitung des betreffenden Artikels auf den Sie sich beziehen im rbb (24.05.2017)*** und ein paar Zeilen später ziemlich am Ende steht dann +...Von 49 weiteren Personen wurden die Personalien aufgenommen, insgesamt wurden 50 Platzverweise ausgesprochen....+ *** Weiterhin Ihnen sicherlich nicht unbedingt zusagend dann das Amateurvideo "Jannik Brämer im Gespräch zu AfD/JA und Identitäre Bewegung" ist für meine Erwartungen ein wenig sehr amateurhaft aber beinhaltet doch einiges in diesen 1:18:27 Länge. Muss man sich aber mal selbst anschauen und alles nicht nur das was einem passen würde!

20.10.2017 19:35 Kritischer Bürger 70

@@psteffen 68: Und nun mal als GANZ loyaler Bürger: Die Rechten haben Hassprobaganda und wollen diesen unter die Menschen=Bürger bringen. Wer sich das annimmt ist selbst schuld! (Meine ich persönlich) Geht ja auch hier allein bei den IB nur um dieses Thema, (Hassprobaganda-mehr geht nicht weil schlecht greifbar) wo sich Linke daran hochziehen, weil diese Mitbürger so menschenfreundlich(?) sind. Nur anscheinend reicht diese Menschenfreundlichkeit nicht bei den Angriffen auf Polizei und das (meine persönliche Meinung) ist weitaus Schlimmer als Probaganda, meinetwegen auch mit Vorsilbe Hass. Wenn nun der Fokus jetzt auf die angezündeten Unterkünfte aus der Sicht (als Argument) der Linken gelegt wird, dazu schreibe ich nur Brandstiftungen an Autos (gar die der Polizei und Eingriffe in den Schienenverkehr mit entsprechenden Folgen sind NICHT BESSER!

20.10.2017 18:01 Ullrich 69

Einfach einmal beim rbb suchen. Der MDR hat den Link leider nicht freigegeben - obwohl das ja ein Angebot der ARD ist.

20.10.2017 17:57 psteffen 68

@Ullrich 57
Ziat „Auf diesen Teil wollen sie nicht antworten oder? „

Die Rechten, die besorgten Kommentatoren und AfD distanzieren sich genau so wenig bzw. viel von Gewalt wie es die Linken tun.
Wer sind denn nun die Linken die sich von der Gewaltorgie in HH ganz klar distanziert haben ?? Die Linken die ich genannt ( und andere) habe offensichtlich nicht. Gewalt ist für diese Leute ein legitimes Mittel. Es wird zu offen zu Gewalt aufgerufen und Gewalt wird ausgeübt.
Und weil sich diese Linken für so Menschlich halten und glauben die guten Menschen zu sein trägt man auf Demos ein „Refugees Welcome“ Transparent, während man im selben Augenblick andere Menschen entmenschlicht . Da werden aus Menschen aus Familienvätern und Müttern die bei der Polizei arbeiten „Bullenschweine“ gemacht . Es sind Schweine keine Menschen , da fliegen die Steine und Mollis doch gleich viel leichter. Der polit. Gegner wird auch nicht anders behandelt.
Wo ist der Unterschied zu Rechts ?

20.10.2017 16:42 Fragender Rentner 67

Wie hatte mein Vater Früher immer gesagt, in Halle gibt es 3 verschiedene Menschentypen, die Hallenser, die Halloren und die Ha... .

Hatte er bestimmt nicht so ernst gemeint nur als Spaß.

20.10.2017 16:09 ralf meier 66

@Ullrich Nr. 56: Hallo, mir ist gerade aufgefallen, daß ich an einer Stelle tatsächlich nicht korrekt formuliert habe. Darauf bezog sich wohl Ihr Kommentar. Im Kommentar 52 zitierte ich noch wörtlich aus dem Neuen Deutschland Artikel : 'ein Haftbefehl gegen ihn wurde außer Vollzug gesetzt' .
Im Kommentar Nr. 56 zitierte ich nicht mehr sondern formulierte aus dem Gedächtnis heraus
und vielleicht falsch, das 'das Verfahren gegen ihn mittlerweile eingestellt wurde' (Auf einen Verweis zu Ihrer gegenteiligen Behauptung warte ich noch).
Es lag also nicht an der 'Vergesslichkeit meiner Qualitätsmedien', sondern an meiner eigenen.
Davon unbeschadet läßt sich der Fall Brämer kaum dazu instrumentalisieren, den Identitären eine gewalttätige Grundhaltung zu attestieren.
Nur noch peinlich ist es, wenn einen sir-charles diesen Vorfall 'fast einen Polizisten umgefahren'
mit dem Fall des Massenmörders Anri ' Gezielt 19 Menschen getötet' vergleicht. Würden sie mir da zustimmen?

20.10.2017 15:21 Kritischer Bürger 65

@63: Vergleiche kann man schon einfordern=erwarten und dann aber auch entsprechende Antworten darauf akzeptieren=zur Kenntnis nehmen, die je nach poli. Sichtweise eben böse (schlecht radikal etc.) oder gut (menschlich, hilfsbereit etc) sind. Das nenne ich Meinungsfreiheit. Nur wie ich schon in einem anderen Forum schrieb: Man darf, muss oder sollte NIEMALS DIE EIGENE MEINUNG ANDEREN "ÜBERSTÜLPEN" WOLLEN! Jeder Bürger darf seine eigene Meinung haben nur es ist auch bei Jeden (Bürger, Politiker etc) ein großer Fehler NUR DIE GUTEN (positiven) SACHEN, ERGEBNISSE etc. zu proklamieren und die schlechten (negativen) unter den Tisch fallen lassen. DORT SETZTEN dann jene an, die zwar nicht besser sind doch erst einmal etwas zu melden haben. Daran ihre Politik oder gesellschaftliche Einstellung fest machen! Das sehe ich persönlich bei jeder (rechten oder linken) Partei, die deswegen hochkommen+aus Protest von Bürger gewählt werden (AfD) & bei jeden entsprechend poli. eingestellten Menschen!

20.10.2017 14:59 Kritischer Bürger 64

Also sollte man hier in D und in gewissen Gruppierungen sich dieser vorab angeführten Punkte bedienen und diese als Argumente (aber nicht nur allein) anführen. WICHTIG WÄRE DA AUCH MIT EINZUFÜGEN: Das was man sich nicht allein als D sondern als EU mit dem zBsp. Türkeivertrag in eine gewissen Abhängigkeit begeben musste. DAS WÄRE EHRLICH und nicht NUR >> mit diesem Vertrag sind ja die Zahl der Asylsuchenden zurückgegangen.<< Ist ja im Grunde richtig, NUR UM WELCHEN PREIS! Genau so wird es ggf. mit Libyen werden. Wie viel wird die an Geld kosten? Da das ja nun so gut klappt, (mit Geldvergabe) wer soll da sicher sein das nicht als nächstes die Schleuser-Rute nach Tunesien verlagert wird. Liegt sogar noch näher an Italien. Da sehe auch ich INVESTITIONEN IN SICHERE EU GRENZEN als weitaus preiswerter an und denke auch das da viele Länder mitmachen würden. Man sollte sich im klaren werden: Menschlichkeit und Hilfen sind auf dieser ganzen Welt lange schon ein Fremdwort geworden.

20.10.2017 14:53 @ sir-charles 48 63

Ihr Vergleich ist unpassend.
Sie versuchen krampfhaft, an einem einzigen Beispiel zu beweisen, dass die IB grundsätzlich gewaltbereit sind.
Sie winden sich wie ein Aal, weil Sie eben keine Beispiele von Gewalttaten nennen können.
Bisher nur Beschuldigungen, aber keine Beweise!

20.10.2017 14:44 Kritischer Bürger 62

Sind also solche "Fassadenverschönerungen" dann auch "Suboptimal"? Eher wie ich schon anführte, wohl keine Argumente mehr. Schaue man zu EU & Muttis Handeln. Vertrag mit der Türkei (finanziell für die Flüchtlinge) Nur darf oder kann man es kontrollieren? Neuste: Beitrittsverhandlungen abbrechen? Große Worte in der Talk-Show und NICHTS DAHINTER! Warum? Mutti wie EU =nehme ich an wissen oder ahnen genau wie ich was dann kommen wird und nun zu den IB. Die fordern sichere Grenzen. Als Bürger (unpolitisch) finde ich das richtig! Man kann kontrollieren wer einreisen möchte und nun wieder zur dt. Politik. Kommt da nicht gerade in Richtung Fachkräfte eine Wende die ungezügelte Zuwanderung ein wenig einzuschränken? Man müsste noch die Überzeugung vielen ggf. Analphabeten nahe bringen Dt. ist kein soziales Ruheplaster mit dauernden finanz. Geschenken (Sozial oder ALG Gelder) für Menschen deren Schicksal man zwar bedauert aber das Schicksal (Armut) der eigenen Bevölkerung nicht beschleunigen darf