Ein Kleiner Waffenschein liegt 2015 zwischen einer Schreckschuss-Pistole «Walther P22», einem Magazin und einer Knallpatrone.
Die Zahl der kleinen Waffenscheine und Schreckschusspistolen ist stark gestiegen. Bildrechte: dpa

Verstöße gegen Waffenrecht Sachsen plant Verbotszonen

Bundesweit hat die Zahl der kleinen Waffenscheine von 2015 auf 2016 um fast zwei Drittel zugenommen. In manchen Bundesländern gab es in der Zeit auch mehr Verstöße gegen das Waffengesetz. In Sachsen will man darauf nun mit einem neuen Gesetz reagieren.

von Jennifer Stange, MDR AKTUELL

Ein Kleiner Waffenschein liegt 2015 zwischen einer Schreckschuss-Pistole «Walther P22», einem Magazin und einer Knallpatrone.
Die Zahl der kleinen Waffenscheine und Schreckschusspistolen ist stark gestiegen. Bildrechte: dpa

Ein ruhiger Abend in der Bar von Ali D. in Weißenfels. Als er den Raum betritt, begrüßt der 24-Jährige das Personal und ein paar Gäste persönlich. Freundlich, souverän, selbstsicher. Trotzdem hat er eine Schreckschusspistole.

Warum? Wegen meiner Sicherheit. Wir haben in unserem Geschäft mit Alkohol und Besoffenen zu tun.

Ali D., Barbesitzer

Vergangenes Jahr im Sommer drohte die Situation außer Kontrolle zu geraten, erzählt er. Eines Abends hätten sich etwa 20 Gäste hemmungslos betrunken, Schlägereien untereinander angezettelt und die Einrichtung demoliert. "Ich hab die rausgeschmissen und dann haben sie angefangen, uns zu schlagen. Da habe ich meine Waffe gezogen, ein paar mal in die Luft geschossen und dann sind alle stehen geblieben." Die alarmierten Polizisten zogen die Schreckschusswaffe vorübergehend ein und erstatteten Anzeige wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Waffengesetz - obwohl Ali D. einen kleinen Waffenschein hat.

Sachsen-Anhalt: Mehr Waffen, mehr Konflikte

Schießen in der Öffentlichkeit darf man nur in gesetzlich sehr eng gesteckten Grenzen: bei Notwehr. Doch immer häufiger spielen in Sachsen-Anhalt Schreckschusswaffen eine Rolle in Konfliktsituationen. Für 2016 zählt das Innenministerium einen Anstieg von 973 auf 1.179 Straftaten gegen das Waffengesetz. Gleichzeitig stiegen die Anträge auf einen kleinen Waffenschein weiter an.

Uwe Petermann, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen-Anhalt, sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: "Wer einen kleinen Waffenschein haben will, der sollte über einen Sachkunde-Nachweis verfügen - dass er also einen kurzen Lehrgang besucht hat, wo er auf die Gefahren hingewiesen wurde." Hauptgefahr sei, dass die Situation weiter eskaliert und Menschen verletzt würden. Doch das Innenministerium in Sachsen-Anhalt will das Waffengesetz vorerst nicht antasten.

Sachsen: Waffenverbotszonen für mehr Sicherheit

Das sächsische Innenministerium hingegen sieht Handlungsbedarf. Auch hier sind die Anträge auf einen kleinen Waffenschein in den vergangenen Jahren gestiegen, die Verstöße gegen das Waffenrecht bis 2015 allerdings nicht signifikant. Jährlich sind es etwa 1.300 bis 1.500 Straftaten. Andreas Kunze-Gubsch, der Sprecher des Innenministeriums erklärt:

Je mehr Waffen in Umlauf sind, umso schwieriger wird die Situation auch für Polizeibeamte. Es gibt immer wieder Situationen, wo nicht klar ist: Handelt es sich um eine scharfe Waffe oder eine Schreckschusspistole?

Andreas Kunze-Gubsch, Sächsisches Innenministerium

Nach Hamburger Vorbild hat das Innenministerium deshalb eine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht: "Es soll ermöglichen, Plätze und Straßen zu Waffenverbotszonen zu erklären. Dort werden häufiger Durchsuchungen von Bürgern möglich sein. Und sollten dann Waffen gefunden werden, ist das eine Ordnungswidrigkeit." Welche Orte das sein können, wird nicht im Gesetz nicht festgelegt. So will man vorsorglich die rechtliche Grundlage dafür schaffen, Kriminalitätsschwerpunkte zu Waffenverbotszonen zu erklären.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12. Februar 2017 | ab 5 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2017, 11:10 Uhr

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22 Kommentare

14.02.2017 03:18 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 22

@ 21:

Is' ja kein Thema! Wenn Du Dich bewaffnet wohler fühlst, dann bewaffne Dich!

Ich halte mich halt lieber in 'demilitarisierten Zonen' auf. Da werde ich vor Waffenträgern beschützt.

13.02.2017 18:47 Kritischer Bürger 21

@ Krause.....-5: +...Wer keine Waffe trägt, kann sie auch nicht einsetzen! Das ist immer noch der beste Schutz für 'uns Bürger'....+ Wer soll aber dafür Sorge tragen das dieser Schutz so groß wie möglich sein möchte?Die Verbrecher halten sich nicht dran und diese Spezis nehmen im Gegensatz zu der Polizei eher zu. Also kaum Sicherheit.Waffenfreie Zone versehen mit einem Warnschild ist ja"niedlich" aber bekämpft nicht das Grundübel warum die Verbrechen zunehmen und Bürger damit immer mehr ein Problem bekommen sich noch sicher zu fühlen. Verbrecher folgen keiner politischen Richtung sofern es sich um Beschaffungskriminalität handelt! Man sieht es doch gerade in Halle/ Saale Sachsen-Anhalt. Da bekommen Verbrecher ihre bestellte Pizzas und dazu noch das Geld des Pizzaboten.Früher war es umgekehrt das bezahlte man seine Pizza an den Boten.Witzlos die zusätzlichen Polizeistreifen genau so wird es auch mit waffenfreie Zonen werden. Wer will bei dem Personalmangel in diese Zonen kontrollieren?

13.02.2017 16:51 glod 20

Waffen FREIE Zonen hab noch nie was für Sicherheit gebracht! NUR bewaffnet ist nützlich! oder hat schon mal wer gehört das auf einer Waffenmesse wer amok gelaufen ist??

13.02.2017 16:03 Greenhawker 19

Fragt mal in Hamburg und Bremen nach den Waffenverbotszonen, außer den rechtstreuen Bürgern hält sich da keiner dran, das Gesindel hat da nach wie vor seine Waffen dabei.
Somit ist der einzigste der entwaffnet und wieder ein Stück wehrloser gemacht wird, der rechtstreu Bürger, der eh nicht das Problem ist.
Blinder Aktionismus ohne Sinn und Verstand.
Mehr erwarte ich auch nicht mehr von den Parteien.

13.02.2017 15:14 Dr. David Th. Schiller 18

Wie dumm und merkbefreit ist das denn ?
Hier sieht man deutlich, in welch seltsamen Schemata deutsche Politiker und ihre Ministerialbürokratie denken. Als ob Waffenverbotszonen irgendetwas bewirken würden - wie sich beispielsweise in Hamburgs Reeperbahn-Verbotsgebiet seit Jahren zeigt: Dort gibt es eine solche Waffenverbotszone schon lange. Sie half nicht gegen die Ausbreitung der Gewaltkriminalität und schon gar nicht gegen das zunehmende Gefühl der Unsicherheit der Bevölkerung Hamburgs. Solche Verbote sind symptomatisch bei einem Gemeinwesen, in dem systemisches und strukturelles Staatsversagen mittlerweile ab der Tagesordnung ist.

13.02.2017 14:18 Rolf 17

Der Alptraum - besoffene Nazis mit Waffen! Bisher kamen sie mit abgeschlagenen Bierflaschen über den Plan, jetzt wollen sie mit Waffen anständige Bürger bedrohen. Das ist wohl das Letzte, was die Gesellschaft ertragen kann - deshalb schnellstens diese "Waffenfreie Zonen" schaffen - im Gegensatz zu den menschenverachtenden "Auländerfreien Zonen" der gewaltbereiten Rechtsextremen.

13.02.2017 13:21 Mediator 16

Schöne Neue Welt:

Wie soll man sich wohl verhalten, wenn man in der Öffentlichkeit (Schule, Kaufhaus, Theater) unterwegs ist und plötzlich entdeckt man unter dem sich öffnenden Sakko eines anderen Menschen eine Waffe hervorblitzt?

Panisch wegrennen, seine Mitmenschen warnen, den vermuteten Amokläufer überwältigen oder mit einem Anruf bei der Polizei einen SEK Einsatz auslösen?

Mal ehrlich, es ist doch ziemlich entspannend, dass man sich über solche Situationen in unserem Land nicht wirklich Gedanken machen muss.

Mir persönlich fallen keine wirklich sinnvollen Situationen ein, die ich durch das tragen einer Schreckschusswaffe entschärfen könnte. Viele Situationen werden durch die Anwesenheit solch eines Teils wohl eher eskaliert.

Manche Mitbürger werden sogar Situationen suchen, um die sie ohne Waffe früher wohl vernünftigerweise einen Bogen gemacht haben.

13.02.2017 12:19 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 15

"Es soll ermöglichen, Plätze und Straßen zu Waffenverbotszonen zu erklären. Dort werden häufiger Durchsuchungen von Bürgern möglich sein. Und sollten dann Waffen gefunden werden, ist das eine Ordnungswidrigkeit."

Da nun manche Besorgte den Kriminellen keine Bürgerrechte zugestehen, haben sie natürlich Angst, daß Kriminelle nicht kontrolliert werden...
Aber nein, meine besorgten Freunde: auch Kriminelle laufen noch nicht mit einem 'Kriminellen-Aufnehmer' herum... und werden daher von der Polizei bei Kontrollen NICHT AUSGESPART.

Wer keine Waffe trägt, kann sie auch nicht einsetzen! Das ist immer noch der beste Schutz für 'uns Bürger'.

13.02.2017 02:27 oliver 14

Oje ..Nach der Wende hatte jeder 16 jährige eine Schreckschusswafe am Gürtel . Und es gab damit keine Probleme.Nu braucht jetzt jeder de ein soches Gerät Führen möchte eine kleinen Waffenschein. Ja kein Wunder das die Anzahl der kleine Waffenscheine ansteigt.Mal davon abgeshen das es sinnfrei ist ein solches Gerät zu führen.Hat sich den schon mal jemand mit dem Thema "Kleiner Waffenschein " beschäftigt ?? Ich Glaube nicht.Kann es sein, das einge den einfach zur Absichrung beantragen??? Da ist stehe ich ja ohne kleinen Waffenschein schon beim Transport mit einem Bein im Knast. Eine Kontrolle vorauusgesetzt. Von daher ... ist das Thema mal als belanglos anzusehen.

12.02.2017 23:16 frank 13

Wer glaubt sich in Sicherheit zu wiegen, wenn er eine Waffe trägt, macht sich etwas vor, es stresst noch mehr als viele glauben. Und was ist , wenn man nicht dazu kommt sich zu verteidigen?