Zeichen setzen für die Zukunft Europas wollen die Teilnehmer einer Kundgebung mit dem Motto Pulse of Europe in Freiburg am 19.3.2017.
Auf regelmäßigen Demonstrationen möchten die Mitglieder von "Pulse of Europe" ein Zeichen für die Zukunft Europas setzen. Bildrechte: IMAGO

"Pulse of Europe" Eine Bewegung professionalisiert sich

Ihre Mitglieder möchten ein Zeichen für Europa setzen: Die Initiative "Pulse of Europe" trifft sich regelmäßig in deutschen Städten. Mittlerweile gibt es auch eine offizielle Internetseite und ein Spendenkonto. Woher kommmt das Geld?

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Zeichen setzen für die Zukunft Europas wollen die Teilnehmer einer Kundgebung mit dem Motto Pulse of Europe in Freiburg am 19.3.2017.
Auf regelmäßigen Demonstrationen möchten die Mitglieder von "Pulse of Europe" ein Zeichen für die Zukunft Europas setzen. Bildrechte: IMAGO

Einmal in der Woche ist die große Küche in der noch größeren Wohnung von Barbara Rucha bis zum Bersten gefüllt. Dann, wenn sich bei der 44-Jährigen die Leipziger Gruppe der Initiative "Pulse of Europe" trifft und ihre Demonstrationen plant. Die Musikerin und vierfache Mutter ist Mitbegründerin der pro-europäischen Gruppe. Eigentlich hat Rucha eine volle Arbeitswoche. Und ihre spärliche Freizeit sei zum Erholen da. Doch die Zeit für "Pulse of Europe" nimmt sie sich dennoch. Denn Barbara Rucha will, dass die Idee eines geeinten Europas weiterlebt. Sie findet es gut, dass es zwischen Deutschland und Frankreich nach Jahrhunderten des Krieges nun Schüleraustausche, Städtepartnerschaften und andere Kooperationen gibt. "Und selbst wenn man sich immer noch streitet und die Leute immer noch übereinander meckern, das gehört ja dazu, man kann ja Witze reißen, aber wir beschießen uns nicht mehr", meint Rucha.

Für ein Europa ohne Grenzen

Kriegserfahrungen seien immer ein Thema in ihrer Familie gewesen. Die Eltern sind aus Ost-Preußen geflüchtet. Barbara Rucha selbst hat in verschiedenen europäischen Ländern studiert und wisse ein friedliches und freies Europa zu schätzen. Mit "Pulse Of Europe" wolle Barbara Rucha bewusst ein Signal aussenden, dass sich die Menschen auch mal wieder für etwas einsetzen statt dagegen. Für ein geeintes Europa ohne Grenzen.

Das sei ein Gedanke, der auch in der Leipziger Gruppe besonders verfängt, so Rucha. Denn in dem 12-köpfigen Team sind viele Bürgerrechtler, die vor 27 Jahren für fallende Grenzen eingetreten sind. Die Weltlage werde aber auch bei ihnen nicht rosarot gesehen. Man diskutiere auch darüber was in der Europäischen Union falsch läuft. Barbara Rucha sagt, dass Europa wieder greifbar werden und vor allem für die Menschen da sein müsse. Für sie sei es nicht in Ordnung, wenn Banken gerettet werden, Menschen aber arbeitslos bleiben.

Für mich persönlich ist die Europäische Kommission eine Institution, die ich nicht so ganz durchschauen kann, ich kann die nicht wählen und es ist nicht demokratisch. Ich denke, dass sich das ändern muss.

Barbara Rucha, Mitglied von "Pulse of Europe"

Kein Geld aus Brüssel

Auch dafür stehen Barbara Rucha und ihre Mitstreiter jeden Sonntag um 14 Uhr auf dem Nikolaikirchhof. Und 300 Leipziger waren vor einer Woche mit dabei. Diese Demonstration auf die Beine zu stellen, koste viel Kraft, auch Mut und verursache natürlich Kosten. Diese könnten die Organisatoren aber bislang decken. Bisher trugen sie das Risiko privat und legten zusammen. Der Rest käme über Spenden zusammen, sagt Rucha."Wir zählen das aus und dann zahlen wir davon den Strom, die Bühne, die Lautsprecher und die Flyer und was so alles so anliegt. Und den Rest machen wir natürlich ehrenamtlich, völlig klar."   

Skeptiker könnten vermuten, dass Brüssel hinter "Pulse of Europe" stecke und das Ganze finanziere. Das weißt Barbara Rucha klar zurück. Ein Ehepaar aus Frankfurt am Main habe die Initiative ins Leben gerufen. Völlig privat, ohne staatliche Unterstützung. So sei das auch natürlich in Leipzig. Mittlerweile professionalisiere sich die Gruppierung, auf ein Konto in Frankfurt könne man jetzt Spenden einzahlen. Auch eine Internetseite gibt es bereits.

Aber es ist eine reine Bürgerbewegung. Keiner von uns hat ein finanzielles Interesse daran, das zu machen.

Barbara Rucha, "Pulse of Europe"-Mitglied

Wie lange die pro-europäischen Demonstrationen noch stattfinden werden, weiß Barbara Rucha nicht. Im April wollen sich aber alle beteiligten Städte in Frankfurt am Main treffen, um zu beraten wie es weitergeht.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 26.03.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2017, 14:16 Uhr

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23 Kommentare

05.05.2017 19:30 Belesener 23

@ 26.03.2017, 01:12 | Libero 21,

Deine Aufzählung an Phrasen kennt jeder schon zur Genüge, die Nachteile überwiegen tausendfach.

"Niederlassungsfreiheit: jeder Bürger darf sich innerhalb der EU ohne Zulassungsschranken Arbeit suchen."

Dann such dir doch in Portugal, Griechenland ,Rumänien Arbeit.

Einwanderung in die Sozialsysteme der Nordländer, bevorzugt Deutschland ist das , weiter nichts, der halbe Orient hockt nun auch schon hier.
Du kannst ja Deine künftige Rente schon mal spenden - armer Mensch.

04.05.2017 19:08 gwm 22

Völlig privat, ohne staatliche Unterstützung. So sei das auch natürlich in Leipzig. Mittlerweile professionalisiere sich die Gruppierung, auf ein Konto in Frankfurt könne man jetzt Spenden einzahlen. Auch eine Internetseite gibt es bereits.
Wer es glaubt. Eine Massenbewegung wird es nicht !

26.03.2017 01:12 Libero 21

Wichtig ist, dass es mit PULSE OF EUROPE endlich mal eine Bürgerbewegung gibt, die FÜR etwas ist, nicht immer nur DAGEGEN, wie bei so vielen anderen...
Es gibt 1000 Gründe, sich für EUROPA, für die Gemeinsamkeit der europäischen Völker und Staaten im Rahmen der EU einzusetzen, hier mal ein paar Stichworte:
- Überwindung von nationalen Egoismen und Überheblichkeiten, die es leider in so vielen Ländern gibt...
- Niederlassungsfreiheit: jeder Bürger darf sich innerhalb der EU ohne Zulassungsschranken Arbeit suchen. Das bietet auch uns Deutschen sehr viele Möglichkeiten, nicht "nur" den Bürgern der anderen Länder
- Austausch, Verständigung, internationale Zusammenarbeit
- und natürlich auch so Dinge wie der Euro und die Reisefreiheit innerhalb der Schengen-Zone.
Wüsste nicht, was in diesen Punkten besser wäre, wenn es die EU nicht gäbe...
Solche praktischen Vorteile für jeden Einzelnen sind viel wichtiger als die berühmt-berüchtigten Verordnungen über die Krümmung von Gurken...

26.03.2017 22:13 Sandra Bertram 20

Ich bin dafür, die EU und das geeinte Europa unbedingt zu erhalten. Aber Veränderungen sind unerlässlich: mehr Rechte an die Staaten zurück, Verträge einhalten, Außengrenzen sichern - falls das nicht gemacht wird, wird EU zerfallen.

26.03.2017 18:35 aus Sachsen und denkt weiter 19

Mal sehen, ob die solange durchhalten, wie (die doch ebenfalls Bürgerbewegung) Pegida.
Medial geht's den Leipziger schonmal besser, da ihnen wöchentlich wohlwollende Artikel wie dieser hier gespendet werden und sicher auch heute wieder ein kurzes Video im abendlichen Fernsehen drin ist.

26.03.2017 18:25 I. Maier 18

@ 14 007: Das Aufrechnen der Zahlen bringt nichts. Ich gehe zurzeit zu keiner Demo, gehöre aber zu denen, die sich keine Auflösung der EU wünschen. Ich sehe hier, wie viele andere die Vorteile überwiegen. Nun zähle ich in keiner Statistik. Aber im Saarland wird gerade gewählt. Die AfD kommt gerade einmal auf 6%. Sehen Sie sich die Niederlande an, wie viele Wilders wollten. Und nun sage ich Ihnen, aus diesen Zahlen sehen Sie einen überwiegenden Zuspruch zur EU. Warum? Ganz einfach, warum wählen die ganzen EU-Gegner nicht die AfD oder Wilders-Partei? Warum wohl. Rechte und Austritt aus der EU ist den meisten suspekt. Das ganze nationale Gesülze und "Grenzen zu" holt keinen auf die Wählerliste. Terror kommt auch durch geschlossene Grenzen. Das beste Beispiel ist die USA! Auch GB sichert Grenzen und ist nicht geschützt. Jetzt ist der Brexit garnicht mehr so sicher. Wenige Prozent Vorsprung der Befürworter rächt sich dann in der Ausführung. Also abwarten, was passiert?

26.03.2017 17:19 Peter 17

@12: Sie verstehen angesichts Ihrer Scheuklappen überhaupt nichts. Die Menschen gehen aus freien Stücken auf die Straße, weil sie ein starkes und demokratisches Europa wollen. Und sie gehen aus freien Stücken auf die Straße, weil sie den medial präsenten Europa-Gegnern entgegentreten wollen.

26.03.2017 17:09 Ludwig 16

@ esSKaa
Vor der Zersplitterung in so viele klein- und Kleinststaaten hatte die Deutsche Nation bereits bessere Epochen erlebt. Starke Nationalstaaten, die im fairen Handel miteinander verbunden sind, garantieren eher Frieden als Vielvölker-Gebilde, die irgendwann im Chaos versinken oder in Gewaltexzessen enden. Schauen Sie sich die ehemalige Sowjetunion an oder Ex-Jugoslawien. Werden die politischen Gebilde zu komplex, geht die Kontrolle verloren, Anarchie vernichtet jegliche Strukturen, die ein Staat nun mal braucht, um seine Funktionen für seine Bürger zu erfüllen.

26.03.2017 16:20 Peter 15

@9 Blumenfreund: Fake News.
Ich war heute in Leipzig dabei. Gelöste Stimmung. Viel Optimismus.
Habe kein Geld bekommen, aber für Pulse of Europe gespendet.

26.03.2017 16:01 007 14

@ gwm 11 ... ("Für ein Europa ohne Grenzen, 300 Leipziger waren vor einer Woche mit dabei. Welch gewaltige Macht !")

Hahaha richtig Kollege, da muss man schmunzelnd den Kopfschütteln. Da waren nämlich 579.230 Leipscher Bürger nicht dabei. Hahahaha (und Peterle?) ...