ein Wahlplakat der CDU
Klassisches konservatives Thema, auch für die Werte-Union: die innere Sicherheit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen Werte-Union will mit konservativerer CDU AfD-Wähler zurückgewinnen

Die Thüringer CDU hat eine Gallionsfigur: Mike Mohring ist Landeschef, Fraktionsvorsitzender, Oppositionsführer und ungekrönter Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2019. Ganz so monolithisch, wie Mohring die Thüringer CDU erscheinen lässt, ist die Partei aber nicht. Neuerdings wünscht sich ein konservativer Zusammenschluss von CDU-Lokalpolitikern mehr Einfluss im Land und das Ende von Kanzlerin Merkel. Die sogenannte Werte-Union hat es sich zur Aufgabe gemacht AfD-Wähler zurück zur Union zu holen.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL Landeskorrespondent für Thüringen

ein Wahlplakat der CDU
Klassisches konservatives Thema, auch für die Werte-Union: die innere Sicherheit. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Christian Sitter ist ein kämpferischer Typ. Er ist Anwalt, Mitglied im Thüringer Boxverband und katholischer Tempelritter. Seit rund einem Monat kämpft Sitter zusätzlich für das Konservative in der CDU. Nach 30 Jahren Parteimitgliedschaft ist er jetzt neu gewählter Thüringenchef der Werte-Union – einer Initiative für CDU-Mitglieder, die ihre Partei reformieren wollen. "Die CDU, das steht ja auch in der Präambel ihres Grundsatzprogramms, hat drei Säulen; das ist die christlich-soziale, die liberale und die konservative. Deswegen halten wir es für legitim, dass wir das alte konservative Tafelsilber mal rausholen und putzen. Und das durchaus auch als Vereinigung, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen", sagt Sitter.

Wenig Verständnis beim Parteivorstand

Thüriner CDU-Landtagsabgeordneter Raymond Walk.
Raymond Walk ist Generalsekretär der CDU in Thüringen. Bildrechte: Raymond Walk

Die Werte-Union will als offizielle CDU-Vereinigung anerkannt werden. Dass die Werte-Union aber bald neben Junger-Union, Frauen-Union oder Mittelstandsvereinigung steht, lehnt der Thüringer CDU-Landesverband ab. Das Parteigefüge der CDU soll bleiben wie es ist, das sei die einhellige Meinung des Landesvorstands, erklärt Generalsekretär Raymond Walk: "Also wir sind ja dankbar für konstruktive Kritik, aber etwas außerhalb dieses Rahmens zu machen, dafür haben wir wenig Verständnis. Zumal die Dinge, die vorgebracht werden, was das ureigene der Werte-Union sein soll, das sind im ureigensten Sinne die Werte und das Wertegerüst, wie wir es auch nach außen tragen."

Bei Flüchtlingen und Energiewende 100 Milliarden Euro sparen

Das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Denn inhaltliche Forderungen der Werte-Union könnte der CDU-Landesverband kaum übernehmen. Ein Beispiel: Christian Sitter fordert ein Ende der Energiewende und ein Ende der Integrations- und Sozialleistungen für Flüchtlinge – das könne 100 Milliarden Euro sparen, rechnet Sitter Pi mal Daumen vor. "Wenn man sich diese Zahlen anguckt und dann sieht, dass Polizei und Justiz in Thüringen vor dem Kollaps stehen, dass Schulen verrotten, dass die Renten irgendwann nur für die Mieten reichen… und wenn man dann 100 Milliarden Euro auf der anderen Seite einfach verbrät, dann haben wir Handlungsbedarf."

Höhere Ausgaben für Polizei und Militär

Weniger EU, mehr Geld für Polizei und Militär, Obergrenze, Migranten zurück an die Küste von der sie kamen – der Forderungskatalog der Werte-Union erinnert nicht nur ein bisschen an die AfD. Für die Werte-Union sind das aber in erster Linie alte CDU-Themen: "Ja, leider besetzen die die AfD. Die AfD ist Konkurrenz, wie jede andere Partei auch. Ich will von der AfD einfach die Wählerstimmen zurück und die guten Leute, die uns verlassen haben", sagt Christian Sitter. Und weiter:

Ich behaupte mal, dass 50 Prozent in der AfD Fleisch vom Fleische der CDU ist. Das müssen wir ganz klar sehen.

Christian Sitter, Thüringenchef der Werte-Union
Mike Mohring
Mike Mohring, Chef der CDU in Thüringen, gilt bereits als konservativer Vertreter seiner Partei. Bildrechte: dpa

Worte, die CDU-Landeschef Mike Mohring so nicht sagen würde – dennoch unterstützt ihn die Werte-Union. Denn Mohring sei ja auch ein konservativer CDUler. Um sicher zu gehen, dass die ganze Thüringer CDU etwas konservativer wird, will die Werte-Union nächsten Herbst einen Kandidaten in den Landesvorstand hieven. Mit den bisher 35 Mitgliedern wird das kaum gelingen – allerdings gebe es einen Monat nach Gründung hunderte Interessenten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 07.12.2017 | 05:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2017, 08:18 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

30 Kommentare

08.12.2017 11:00 Fragender Rentner 30

Ach so?

Was wollen sie mit Fr. Merkel denn an ihrer Politik ändern?

07.12.2017 23:12 Horst 29

Also was hier im Artikel an Ideen dieser 'Werte Union' zu lesen ist, dass kann man ja wohl kaum als Rezepte für die Zukunft bezeichnen. Energiewende: Kohle und Öl zu verfeuern weil das Jahrzehnte so gut geklappt hat ist keine Antwort auf die Probleme des Klimawandels, der Umweltverschmutzung und sich verknappender fossiler Brennstoffe. Asylpolitik: Wem zu dieser grundgesetzlichen Verpflichtung nur einfällt, dass man dafür Geld aufbringen muss, mit dessen Werten ist es nicht weit her. Dass man daraus Wahlgeschenke basteln könnte um die Gunst verlorener Wähler zu kaufen, ist auch nicht besonders innovativ.

@sh(22): Sie glauben wirklich, dass 90% der Bevölkerung zu irgendeinem Thema eine übereinstimmende Meinung besitzen? Warum spiegeln das die Wahlen nicht wieder? Politik und das Leben ist wohl doch etwas komplexer als es in ihrer populistischen Vereinfachung rüber kommt. Sie können ja nicht einmal erklären, was diese 90% Blitzmerker angeblich durchschaut haben.

07.12.2017 22:43 Mediator 28

@Isa(27): Was ist den bitte besser? Merkel und Schröder, die die wirtschaftliche Spitzenposition Deutschlands durch ihre Politik maßgeblich mit zu verantworten haben jedoch vom Wähler für notwendige aber unbeliebte Entscheidungen abgestraft werden, oder eine Partei die noch nichts für unser Land geleistet hat, alles besser zu wissen glaubt und lediglich populistische Luftblasen absondert?

@walter(26): Europa setzt 17 KPz Typen und 20 Kampfflugzeugtypen ein. Im Vergleich die USA 1 KPz / 6 Kpf Flugzeuge.
Was glauben sie was Neuentwicklungen in dieser Varianz kosten. Da hilft auch der Export kleiner Stückzahlen wenig. Ohne massive Kooperation kann kein Land der EU die Probleme von Ausrüstung, Ausbildung, Logistik, Aufklärung, Kommunikation und Durchhaltefähigkeit von Streitkräften zufriedenstellend lösen. Dieses Problem trifft auch auf große EU Staaten wie Deutschland zu.

07.12.2017 20:13 ISA 27

solange Merkel regiert wird das ins leere laufen!
Diese Frau ist der Untergang der CDU ähnlich wie Schröder bei der SPD.

07.12.2017 17:31 walter 26

@25 Sehen Sie, deshalb muss man Panzer verkaufen.

Es werden sowieso Panzer verkauft, warum soll also Deutschland das Geschäft nicht machen und Arbeitsplätze sichern.

07.12.2017 16:18 Jana 25

Eine "Werte Union" die lediglich platte Stammtischparolen von der AfD abkupfert ist doch keinen Pfifferling wert. Von einer AfD erwartet niemand eine konstruktive an der Realität ausgerichtete Politik von einer CDU die im Bund und den Ländern in Regierungsverantwortung steht jedoch schon.
Welchen Sinn macht es weniger EU und mehr nationale Alleingänge zu fordern, wenn man damit gegenüber Blöcken wie den China, Indien, USA und Russland immer mehr marginalisiert wird. Internationales Gewicht hat Deutschland vor allem durch seine Wirtschaft und den Wirtschaftsraum der EU.
Welchen Sinn macht es Verteidigung zwar stärken zu wollen, aber dabei national zu denken. Rüstungsprojekte sind längst so komplex und teuer, dass man diese international planen, bauen und beschaffen muss. Wer kann es sich heute leisten bei einer maximalen Abnahmemenge von 250 Stück noch einen neuen Kampfpanzer zu vertretbaren Preisen alleine zu entwickeln. Ebenso verhält es sich mit weiteren benötigten Fähigkeiten.

07.12.2017 15:19 gerd 24

Desweiteren bin ich überzeugt das es zwischen AFD Leuten und CDU Leuten von der Basis aus einem Ort
welche Teilweise bekannt und Geschäftspartner sind
eine Zusammenarbeit geben da inhaltlich sie ja sehr oft gleicher Meinung sind und die AFD aus einem Ortschaftsrat zu ignorieren welche wie in unserem Ort 30 % Wahlstimmen hat macht auch keinen Sinn da kann Kauder und Merkel und Kretschmer tuten was sie wollen es wird eine Zusammenarbeit der konservativen Kräfte geben.

07.12.2017 14:47 walter 23

Erstaunlich Herr Sitter, bei der AFD sind also gute Leute!?

Und wenn ich auf der anderen Seite heute in den MDR Nachrichten höre, Herr Schulz will in 8 Jahren einen vereinten Staat Europa. Wie machen dann Verhandlungen über eine deutsche Regierung Sinn? Oder schafft sich Deutschland wirklich ab? Hatte Sarazin recht?

07.12.2017 14:29 sh 22

Wer sich gerade heute hier im mdr durch die verschiedensten Foren klickt, dem wird auf Anhieb klar, wie das VOLK denkt. Ich sage bewusst Volk, weil sich über 90%, welche diese Politik durchschauen, nicht irren können. Und, es gibt hier durchaus sehr schlagkräftige Argumente. Nur leider kommt das bei den hohen Damen und Herren nicht an, sie leben in ihrer selbstherrlichen Blase. Und selbst wenn das nun CDU-ler angeblich erkennen, es wird sich nichts ändern, wenn man nicht endlich ernst macht. Dazu dann noch die Realitätsverweigerer, die nur Phrasen daher reden.

07.12.2017 13:59 gerd 21

Es gibt diese Konservativen hatte gerade vor ein paar Tagen ein Gespräch mit unseren Orts cdulern alles vernünftige Bodenständige Leute die sehr unglücklich über Merkels nicht Abschied als Kanzlerin sind und wie sie mir auch sagten fast schon ausgetreten waren wegen der Flüchtlings und Islampolitik der derzeitigen Regierung und sollte der Familiennachzug gewährt werden wären Sie weg von der CDU.

Mehr zum Thema