Klinikpersonal, aufgenommen in der Notaufnahme.
Krankenpfleger können sich nicht mehr ausreichend um Patienten kümmern. Bildrechte: dpa

Gesundheitskrise Krankenhauspfleger an Belastungsgrenze

Das Verhältnis von Ärzten zu Pflegern im Krankenhaus hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschoben - zugunsten der Ärzte. Dabei liegen immer mehr Ältere auf Station, die viel Zuwendung brauchen, aber nicht mehr kriegen können. In Mitteldeutschland hat sich die Arbeitsbelastung für Pfleger im Schnitt mehr als verdoppelt.

Klinikpersonal, aufgenommen in der Notaufnahme.
Krankenpfleger können sich nicht mehr ausreichend um Patienten kümmern. Bildrechte: dpa

In deutschen Kliniken sind die Pflegekräfte immer höheren Belastungen ausgesetzt. Grund sind kontinuierlich steigende Patientenzahlen, während der Personalbestand stagniert. Auch die Schere zwischen der Anzahl an Ärzten und der Anzahl an Pflegekräften geht immer weiter auseinander.

Die Zahl der Krankenhausärzte ist in den vergangenen 25 Jahren um 66 Prozent auf rund 158.100 gestiegen. Bei den Pflegekräften gab es in diesem Zeitraum bis 2016 hingegen eine leichte Abnahme auf rund 325.100, rund 1.000 weniger als 1991. Auf diese aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts macht die Deutsche Stiftung Patientenschutz aufmerksam.

Die Zahl der Patienten pro Jahr in den Kliniken steigt hingegen seit 1991 kontinuierlich an - von 14,6 Millionen auf 19,5 Millionen im vergangenen Jahr. Ein Krankenhausaufenthalt dauert durschnittlich eine Woche. Somit müssen immer mehr Patienten von einer Pflegekraft betreut werden.

"Auf der letzten Rille"

"Die Schere zwischen Ärzten und Pflegekräften in Kliniken muss endlich kleiner werden", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. "Die Pflege fährt auf der letzten Rille." Immer mehr Patienten seien alt, chronisch krank und pflegebedürftig. Jeder Sechste sei mit über 80 hochbetagt und die Hälfte der Patienten sei über 60 Jahre alt.

Laut Krankenhausstatistik gab es die größten Zuwachsraten in der Altersgruppe ab 65. Obwohl viele Menschen mehr Hilfe, Zuwendung und Pflege bräuchten, würden diese Patienten immer schneller entlassen.

Forderung nach Personaluntergrenze

Die neue Bundesregierung müsse eine deutschlandweit verbindliche Personaluntergrenze für Pflegekräfte auf allen Stationen in Krankenhäusern einführen. Bisher hätten die Kliniken und die Gesundheitsminister von Bund und Ländern den demografischen Wandel ignoriert. Die Zahl der Pflegekräfte sei über Jahrzehnte systematisch abgebaut worden. Damit sei die Arbeitsbelastung pro Pflegekraft in den letzten 25 Jahren rechnerisch um ein Drittel gestiegen.

Alarmierende Zahlen in Mitteldeutschland

Auch die Arbeitsbelastung von Pflegekräften in den mitteldeutschen Kliniken ist enorm angestiegen. In Sachsen kamen im vergangenen Jahr auf eine Krankenschwester oder einen Krankenpfleger 58 Patienten, rund 58 Prozent mehr als 1991. In Sachsen-Anhalt sieht es der Statistik zufolge noch düsterer aus. Hier hat sich die Belastung um 62 Prozent erhöht. In Thüringen hat sie um 44 Prozent zugelegt.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 05.10.2017 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Oktober 2017, 10:23 Uhr

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9 Kommentare

05.10.2017 20:02 Caroline 9

SPD und CDU hatten die Pflege ganz oben auf der Liste beider letzten Wahl und nun, nichts!!!

Da kann man nur hoffen das es die Niedersachsen nicht vergessen von wem die Wahllügen kommen!

05.10.2017 17:45 W. Merseburger 8

Was macht das angeblich so wohlhabende Deutschland? Es spart an einer Stelle, wo Sparsamkeit nicht angebracht ist. Wer bei kranken und pflegebedürftigen Menschen wie in dem im Artikel beschrieben Ausmaß spart und das Pflegepersonal dermaßen belastet, trägt eben auch zu einem großen Unmut und Unbehagen gegenüber den verantwortlichen Politikern usw. bei. Und nun noch zur farbigen Graphik "Patienten pro Pflegekraft": Sie vermittelt einfach ein total falsches Bild. Zwischen 58 und 63 zu Pflegenden ist der Unterschied sehr gering. Die Farben täuschen nicht vorhandene Unterschiede vor. In allen Bundesländern liegen ähnliche Verhältnisse mit sehr kleinen Abweichungen vor. Die enorme Ausbeutung der Pflegekräfte ist also ein bundesweites Problem. Mehr möchte ich als gelernter DDR-Bürger nicht sagen!

05.10.2017 17:32 Atze 7

Jede " Elite" wird " übermütig", egal welcher Strömung oder Partei sie angehört. Macht und Geld, Reichtum irrlichtert und verführt.
Deshalb ist es wichtig, dass ein Bundeskanzler oder ein Ministerpräsident höchstens 2 mal gewählt werden darf. Dann würde ich alle mal ins Pflegeheim zum Praktikum schicken und in die Schule, um die Probleme am zu erleben. Allen Ärzten und Pflegern
ein grosses Dankeschön, allen die am Menschen Arbeit tun. Keinen Keil zwischen ihnen zulassen!

05.10.2017 15:57 Fragender Rentner 6

Die Ärzte haben eine Lobby und haben die Pfleger auch eine?

05.10.2017 14:22 Vorschlag! 5

Die vielen Nichtgewählten, die gern "etwas für die Allgemeinheit tun wollten" können sich hier und jetzt profilieren. Nur Mut - Krankenpflegerinnen und -pfleger schaffen es auch. Und lernen kann man fast alles

05.10.2017 13:16 Maria A. 4

Wie lange ist dieses Problem denn schon bekannt in Politikerkreisen? Sicherlich schon länger, als 10 Jahre, oder? Da hier ist doch ein deutliches Anzeichen dafür, dass die
Bürger zurecht unzufrieden sind mit der Arbeit der GroKo.

05.10.2017 10:50 Norbert 3

@1 Völlige Übereinstimmung, wir hatten fast 15 Jahre meine Mutter als Pflegefall zu versorgen. In den letzten Jahren war Sie auch des Öfteren in stationärer Behandlung, also trotz wirklich aufopferndem Personal war gab es gar keine Möglichkeit sich länger mit einem Kranken als unbedingt nötig zu beschäftigen. Da waren die Pfleger ohne Scherz auf Nachtschicht mit einem Tretroller unterwegs da Sie 3 Stationen versorgen mussten.

05.10.2017 10:30 Fragender Rentner 2

Wurde nicht gesagt, es lebt sich gut in unserem Land?

Was wollen da die Bürger noch?

05.10.2017 10:21 Lisa 1

Wie lange wollt ihr das den deutschen Wähler noch vermitteln, das für Bildung und Pflege kein Geld da ist und für Migranten aus der ganzen Welt Mrd ausgegeben werden?

Wie lange denkt ihr in Berlin wird das noch gut gehen.

Die BT Wahl war wohl noch nicht eindeutig genug?