Hintergrund 550 Gefährder in Deutschland

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundeskriminalamts 550 sogenannte Gefährder. Vor einem halben Jahr waren es noch knapp 500. Bei einem "Gefährder" geht die Polizei davon aus, dass er eine politisch motivierte Straftat, z. B. einen Terroranschlag, begehen könnte. Deshalb stehen Gefährder unter Beobachtung, allerdings nicht rund um die Uhr. Einige von ihnen sitzen im Gefängnis. Andere sind in Deutschland gemeldet, befinden sich aber im Ausland.

Betonsperren nach Berlin-Anschlag
Zum Schutz vor Anschlägen werden immer mehr öffentliche Veranstaltungen mit Betonsperren gesichert. Bildrechte: dpa

In Sachsen liegt die Zahl dieser Personengruppe im unteren einstelligen Bereich. In Thüringen wird sie ähnlich unpräzise angegeben. Auch dort gehen die Sicherheitsbehörden davon aus, dass die Zahl der islamistischen Gefährder im einstelligen Bereich liegt, erklärte ein Sprecher vom Landesinnenministerium. In Sachsen-Anhalt gebe es weniger als 5 Gefährder.

Mehr als 1.000 haben islamistisch-terroristisches Potenzial

Darüber hinaus gibt es die Kategorie der sogenannten relevanten Personen. Auch sie gelten als islamistisch, stehen im Gegensatz zu den Gefährdern aber nicht im Verdacht, irgendwann selbst einen Anschlag oder einen Mord auszuführen. Das gesamte "islamistisch-terroristische" Personenpotenzial in Deutschland oder mit deutscher Staatsangehörigkeit wird von der Regierung mit rund 1.100 Personen angegeben.

Die Zahl der Salafisten wird derzeit mit 8.650 angegeben. Der Salafismus gilt als ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams. Die Zahl der IS-Kämpfer, die aus Deutschland in Kriegsgebiete gezogen sind, liege bei 810. Ein Drittel sei zurückgekehrt, sagte eine Sprecherin des Bundesverfassungsschutzes. Sie würden beobachtet. 140 Islamisten seien im Konfliktgebiet getötet worden.

Zahl der Islamisten in Mitteldeutschland gestiegen

In Sachsen hat es im Jahr 2015 laut Landesamt für Verfassungsschutz 300 Personen mit islamistischem Potenzial gegeben. 2014 waren es noch 210. Laut Landesamt wurden 170 Salafisten in Sachsen verortet, das sind 40 mehr als noch im Jahr zuvor. "In den kommenden Jahren dürfte sich der Trend der starken Zunahme islamistischer Bestrebungen fortsetzen", erklärte das Amt.

Der islamistischen Szene Thüringens wurden nach Angaben des Thüringer Innenministeriums zuletzt etwa 125 Personen zugerechnet, der salafistischen Szene etwa 75 Personen. Die Zahl der aus Thüringen in die Krisenregionen Syrien und Irak ausgereisten Personen bewege sich im einstelligen Bereich, die der Rückkehrer ebenso: "Belastbare Erkenntnisse, wonach es zur Beteiligung an Kampfhandlungen des IS oder anderer islamistischer Organisationen kam oder diese in anderer Weise unterstützt wurden, liegen nicht vor."

Zuletzt aktualisiert: 23. Dezember 2016, 10:12 Uhr