Hintergrund : Der Heilbronner Polizistenmord
Am 25. April 2007 wurde die Polizistin Michèle K. am Heilbronner Festgelände Theresienwiese aus nächster Nähe mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet. Sie hatte zusammen mit ihrem Kollegen vom Dienstwagen aus den Festplatz, auf dem das Maifest aufgebaut wurde, beobachtet. Die 22-Jährige stammte aus Oberweißbach in Thüringen. Ihr Streifenkollege überlebte mehrere Schüsse in den Kopf. Bei dem Überfall wurden die beiden Heckler&Koch-Dienstwaffen der Polizisten, drei Magazine sowie die Handschellen entwendet. Seitdem fehlte von den Waffen jede Spur.
Fahndung lief auf Hochtouren
Nachdem ein Radfahrer die beiden leblosen Körper neben ihrem Dienstwagen entdeckt hatte, lief die Fahndung nach dem Täter oder den Tätern auf Hochtouren. Doch diese blieb über Jahre erfolglos, obwohl der Fall bundesweit Aufsehen erregte. Zeugen der Tat gab es nicht. Auch das Motiv für die Tat blieb im Dunkeln. Es wurde vermutet, dass es sich um zwei Täter gehandelt haben könnte. Aber eine heiße Spur hatte die Soko "Parkplatz" nicht. Zeitweise wurde nach einer "Frau ohne Gesicht" gefahndet. Diese mutmaßliche Täterin hatte an zahlreichen Tatorten DNA-Spuren hinterlassen - auch in Heilbronn. Der genetische Fingerabdruck der Unbekannten wurde seit 1993 rund 40 Mal in Deutschland, Österreich und Frankreich gefunden. 2009 stellte sich heraus, dass es diese "äußerst brutale" Täterin niemals gab. Die Wattestäbchen der Beamten der Spurensicherung waren beim Verpacken verunreinigt worden - von einer unbescholtenen Frau.
Die Ermittler gingen auch Hinweisen nach, dass die Täter möglicherweise im Drogenmilieu zu finden seien. Darauf deuteten auch die Tatwaffen hin, bei denen es sich um russische Pistolen handeln sollte. Michele K. hatte unter anderem als verdeckte Ermittlerin gearbeitet und mit ihrer Aussage zur Verurteilung eines Dealerpärchens beigetragen. Später kritisierte die Polizeigewerkschaft, dass die Polizeibeamtin nach einem solchen zivilen Einsatz nicht mehr im Streifendienst in der gleichen Stadt hätte eingesetzt werden dürfen.
Dramatische Wende vier Jahre später
Eine dramatische Wende nahmen die Ermittlungen im November 2011, als die Polizei in einem ausgebrannten Wohnmobil in Eisenach die Dienstwaffen von Michèle K. und ihrem Kollegen fand. In dem Wohnmobil hatten sich die mutmaßlichen Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt am 4. November 2011 umgebracht. Der Verdacht, dass die beiden Männer etwas mit der Tat von Heilbronn zu haben könnten, wurde später dadurch erhärtet, das in den Trümmern der Wohnung in Zwickau, die Mundlos und Böhnhardt gemeinsam mit ihrer Komplizin Beate Zschäpe Schusswaffen gefunden wurden, mit denen laut Polizei die Schüsse auf die beiden Polizeibeamten in Heilbronn abgegeben worden sind.


