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Neue Spuren aufgetaucht : Bundesanwaltschaft ermittelt im Polizistenmord

Die mutmaßlichen Mörder einer Heilbronner Polizistin sind möglicherweise auch für die sogenannten Dönerbuden-Morde verantwortlich. Nach den Angaben der Bundesanwaltschaft, die am Freitag die Ermittlungen übernommen hat, liegen ausreichende Anhaltspunkte dafür vor, dass auch diese Taten der vermutlich rechtsextremistischen Gruppe zuzurechnen sind.

Den Angaben zufolge wurde in dem kürzlich nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Eisenach in der Nähe der Stadt ausgebrannten Wohnmobil die Dienstwaffe der ermordeten Polizistin gefunden. In der Zwickauer Wohnung der in dem Wohnmobil tot aufgefundenen beiden Männer sei zudem noch die Pistole aufgetaucht, mit der in den Jahren 2000 bis 2006 die sogenannten Dönerbuden-Morde verübt worden sein sollen.

Nach bisherigen Erkenntnissen verfügten Uwe B. und Uwe M. wie auch ihre mittlerweile verhaftete Gefährtin Beate Z. bereits Ende der 1990er-Jahre über Verbindungen zur rechtsextremen Szene. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Trios in Zwickau sei Beweismaterial sichergestellt worden, das auf eine rechtsextremistische Motivation der Mordtaten hindeutet. Es bestehe deshalb gegen die Beschuldigte Beate Z. der Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung in Tateinheit mit Mord, versuchtem Mord und schwerer Brandstiftung. Ermittelt wird demnach auch zur möglichen Verstrickung weiterer Rechtsextremisten.

Mögliche Schlüsselfigur stellte sich nach Explosion in Zwickau

Mit den polizeilichen Ermittlungen hat die Bundesanwaltschaft das Bundeskriminalamt in Zusammenarbeit mit den Landeskriminalämtern Baden-Württemberg, Sachsen und Thüringen beauftragt. Bei der Mordserie zwischen 2000 und 2006 waren neun Griechen und Türken, die alle Betreiber von Blumen, Gemüse- und Dönerläden waren, durch Schüsse ins Gesicht getötet worden. Dabei war immer eine Waffe tschechischen Fabrikats zum Einsatz gekommen.

Beate Z., die seit 2008 zusammen mit den beiden Männern in Zwickau wohnte, hatte sich selbst der Polizei gestellt. Sie gilt als Schlüsselfigur für die Ereignisse auch in Eisenach und in Heilbronn. Sie soll das Haus in Zwickau am 4. November in Brand gesteckt haben, um Spuren zu verwischen. Ihre mutmaßlichen Komplizen, die nach ersten Erkenntnissen nach dem Banküberfall in Eisenach in dem Wohnmobil Selbstmord begangen haben, werden seit 1999 mindestens 14 Banküberfälle zur Last gelegt. Alle drei sollen aus der Thüringer Neonazi-Szene stammen, in Jena bereits 1997 Anschläge versucht haben und 1998 abgetaucht sein.

Wie der MDR Thüringen aus den Kreisen der Ermittlung erfuhr, wird inzwischen davon ausgegangen, dass einer der beiden mutmaßlichen Bankräuber seinen Komplizen erschoss, als sich Polizisten dem Wohnwagen näherten. Dann habe er sich selbst gerichtet. Es sei wahrscheinlich, dass das Vorgehen abgesprochen gewesen sei. Beate Z. habe unmittelbar nach dem Tod der Männer deren Familien telefonisch informiert.

Mögliche Panne bei Ermittlungen in Jena

Der Berliner "Tagesspiegel" berichtet unterdessen, die Verdächtigen hätten bereits 1998 festgenommen werden können. Damals seien in einer Garage mehrere Rohrbomben entdeckt worden, eine mögliche Festnahme von Beate Z. habe es aber nicht gegeben. Danach sei sie mit den Männern untergetaucht. Von der Polizei in Jena und dem Lagezentrum des Thüringer Innenministeriums war noch keine Stellungnahme zu erhalten. Innenminister Jörg Geibert (CDU) hatte vor zwei Tagen gesagt, dass das Trio unter den bisher bekannten Namen nach 1998 in Thüringen nicht mehr aufgefallen sei. Es sei bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Gera 1998 aber wohl "nicht alles optimal gelaufen".

Zuletzt aktualisiert: 11. November 2011, 22:19 Uhr

4. Citizen:
@Dresdner5 In Sachsen ist man halt mehr damit beschäftigt, gegen Blockaden zu kämpfen, die Nazis aufhalten wollen. Das Land hat dieses Ziel offenbar schon aufgegeben.
12.11.2011
08:22 Uhr
3. woodwardy:
Was wusste der Thüringer Verfassungsschutz über den Aufenthalt der Rechtsterroristen? Was wusste der sächsische Verfassungsschutz über die Aktivitäten in Zwickau?
11.11.2011
19:18 Uhr
2. Pille:
Wie kommt ein Thüringer Innenminister dazu, sich umfänglich in Justizangelegenheiten der Bundesanwaltschaft zu äußern? Ist das Unerfahrenheit?
11.11.2011
17:02 Uhr
1. Dresdner5:
Sachsen als Rückzugsgebiet. Wie sagte Kurt Biedenkopf: Sachsen sind "völlig immun gegenüber den rechtsradikalen Versuchungen. In Sachsen haben noch keine Häuser gebrannt, es ist auch noch nie jemand umgekommen" (Sächsische Zeitung, 28.9.2000)
11.11.2011
16:51 Uhr

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