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Treffen der Gesundheitsminister : Praxisgebühr vor dem Aus?

Beim Treffen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern in Saarbrücken steht die Praxisgebühr auf dem Prüfstand. Hamburg will einen entsprechenden Beschluss erreichen. Wenn 13 Länder mitmachen, kommt das Thema wieder bei Bundesregierung und Bundestag auf den Tisch. In der Koalition ist man sich in der Frage aber uneins. Zehn Bundesländer wollen sich für die Abschaffung der Abgabe von zehn Euro pro Quartal einsetzen, darunter Thüringen. Sozialministerin Heike Taubert sagte MDR INFO, die Gebühr habe sich nicht bewährt. Die erhoffte Steuerwirkung sei ausgeblieben. Trotz der Abgabe gingen die Menschen sogar häufiger zum Arzt. Außerdem halte der bürokratische Aufwand Ärzte und Schwestern von der Arbeit ab. Taubert zufolge gibt es einen Beschlussvorschlag, die Praxisgebühr ersatzlos zu streichen.

Dagegen sprach sich Sachsen-Anhalt gegen eine Streichung der 10-Euro-Gebühr zum jetzigen Zeitpunkt aus. Das Gesundheitsministerium in Magdeburg teilte mit, vor einer Abschaffung sei ein Gesamtkonzept nötig. Es dürfe nicht sein, dass die Kassen dann in einem Jahr neue Finanzprobleme bekämen.

In der Praxis nicht bewährt

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist trotz Praxisgebühr die Zahl der Behandlungsfälle von rund 473 Millionen im Jahr 2004 auf etwa 564 Millionen im Jahr 2009 gestiegen. Seit acht Jahren müssen gesetzlich Versicherte bei Arztbesuchen einmal im Quartal zehn Euro entrichten. Die Gebühr ist eine Zusatzeinnahme für die Kassen. Zugleich sollte erreicht werden, dass überflüssige Arztbesuche vermieden werden. Da dieses Ziel verfehlt wurde und angesichts von Milliardenüberschüssen der Krankenkassen waren zuletzt die Forderungen nach einem Stopp lauter geworden. Auch Bundesminister Daniel Bahr, die Opposition und die Ärzteschaft sind für eine Abschaffung.

Außerdem geht es bei dem zweitägigen Treffen in Saarbrücken um Strategien gegen den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen, um die Akademisierung von Pflegeberufen sowie um den Vorschlag, das Thema Organspende in den Schulunterricht aufzunehmen. Das Saarland hat in diesem Jahr den Vorsitz in der Gesundheitsministerkonferenz.

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Zuletzt aktualisiert: 27. Juni 2012, 18:09 Uhr

7. Cathy:
gibt es eigentlich auch Zahlen darüber, wie viele Personen *vorher* "unnötig" zum Arzt gegangen sind? Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass die Zahl derartig hoch war, als dass ein solches Instrument mit dieser Begründung notwendig gewesen wäre. In meinem Umfeld (hauptsächlich Studierende) hat die Steuerung hervorragend funktioniert. Lieber erst gehen, wenn es gar nicht mehr geht, als 10 Euro, die nicht über sind, zu bezahlen. Sprich: statt einer leicht durch 3 Tage Bett + Tee zu kurierenden Krankheit darf der Arzt dann eine verschleppte Bronchitis behandeln
28.06.2012
07:42 Uhr
6. Peter Bock:
Richtige Entscheidung,es gibt eh zuviele Krankenkassen in Deutschland.Keiner braucht sich wundern,warum es Patienten gibt,die ihre Behandlung im Freundesland ausüben lassen.Es braucht sich auch keiner zu wundern,das immer Leute einen Weg suchen,um woanders glücklich zu werden.Leider in Deutschland nicht mehr möglich.Abzocke ohne ende,scheiße.
27.06.2012
19:51 Uhr
5. beauty:
Wenn ich meine Verordnung für 12 Monate erhalten würde, würde ich auch nur alle 12 Monate in die Praxis gehen. Z.Z. muss ich jedes Quartal in die Praxis meines Hausarztes, um mein Rezept und die Überweisung zum nächsten Arzt für mein nächstes Rezept zu bekommen. Kontrolluntersuchungen finden aber jeweils nur 1x im Jahr statt. Von den 8 "abgerechneten Arztbesuchen" sind also nur 2 Besuche mit ärztlicher Untersuchung. Quartalsweise Verschreibung muss laut Auskunft meines Hausarztes auf Weisung der Kasse erfolgen. Hier sollte eine Änderung erfolgen und schon siehen die Kosten und die Statistik anders aus.
27.06.2012
15:44 Uhr
4. Ilka Brix:
Steuerungswirkung - wohin? Dass wir seltener zum Arzt gehen? Ich kenne eigentlich niemanden, der ohne Not ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Selbst wenn ich krank bin, suche ich den Arzt nur auf, wenn ich mir nicht selbst helfen kann oder eine Krankschreibung brauche. Schon das umständliche Anmelden, Warten und nochmal Warten - da bin ich im eigenen Bett besser aufgehoben.
27.06.2012
14:22 Uhr
3. Volk:
Warum dauert das acht Jahre um festzustellen, dass die Praxisgebühr nicht die Wirkung erreicht hat? Und WARUM muss man jetzt erst einmal darüber Reden und vielleicht erst kommendes Jahr abschaffen. Sofort und jetzt!
27.06.2012
14:21 Uhr
2. matze:
Die Praxisgebühr hätte nie eingeführt werden dürfen. Sie verstößt von Anfang an gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Hier ist ja so, daß nur gesetzlich Versicherte die Gebühr zu zahlen haben, privat Versicherte hingegen nicht. Da nicht einmal die erhoffte Steuerungswirkung eingetreten ist - eher das Gegenteil ist eingetreten - gehört diese Gebühr SOFORT abgeschafft! Eigentlich sollte man gleich die privaten Krankenkassen mit abschaffen, diese habe aus meiner Sicht überhaupt erst zu der Misere der gesetzlichen Vericherungen geführt! Das ganze Gesundheitssystem gehört NICHT in Privathände, da hat Profitstreben von Privatfirmen und Konzernen NICHTS zu suchen! Das Gleiche trifft auch auf die Rentenversicherer zu...
27.06.2012
11:40 Uhr
1. Hans:
Das stimmt. Wenn ich im Quartal schon bei dem Arzt war und 10 Euro bezahlt, dann denke ich in Zweifelsfall: ich habe sowieso schon bezahlt, ich gehe lieber noch mal zum Arzt, vielleicht brauche ich das.
27.06.2012
10:01 Uhr

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Die Praxisgebühr

Seit 2004 müssen gesetzlich Versicherte in Deutschland pro Quartal bei jedem ersten Gang zum Arzt zehn Euro bezahlen. Ausnahmen sind Vorsorgeuntersuchungen. Nach der Zahlung können sich Patienten für den Rest des Quartals in der Regel kostenlos zu anderen Ärzten überweisen lassen. Zahnärzte erheben die Gebühr noch einmal extra.

Die Einnahmen aus der Praxisgebühr von rund eine Milliarde Euro pro Jahr fließen den Krankenkassen zu. Wie die Zuzahlung bei Arzneimitteln sind diese Einnahmen eine Eigenbeteiligung der Versicherten an den Gesundheitskosten. Befreit davon sind Kinder und Jugendliche sowie Menschen mit sehr geringem Einkommen.

Ursprünglich sollte die Praxisgebühr verhindern, dass Patienten bei jedem Schnupfen zum Arzt gehen. Doch nach einer Studie der Krankenkasse Barmer GEK von 2010 kamen auf jeden Bundesbürger im Schnitt 18 Arztbesuche. Das ist weltweit ein Spitzenwert.

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