AirBNB
Laut Airbnb schafft ein eingescannter Personalausweis mehr Vertrauen. Doch nach deutschem Recht wäre diese Praxis verboten. Bildrechte: IMAGO

Datenschutz Fragwürdige Praxis bei Airbnb

Auf der Seite von Airbnb können Urlaubswillige Ferienapartements mieten. Vor dem Vertragsabschluss verlangt der Betreiber eine "Verifizierung", zum Beispiel eine Kopie des Personalausweises. Datenschutzrechtlich ist das schwierig – eine neue EU-Richtlinie könnte Klarheit verschaffen.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL

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Laut Airbnb schafft ein eingescannter Personalausweis mehr Vertrauen. Doch nach deutschem Recht wäre diese Praxis verboten. Bildrechte: IMAGO

Schwarz auf Weiß prangt es auf dem Bildschirm. Airbnb will den Personalausweis sehen und fordert auf der Website auf: 

"Wir müssen einen virtuellen ID-Check vornehmen. Durch die Verifizierung deines Ausweises zeigst du anderen Airbnb-Mitgliedern, wie vertrauensvoll du bist. Wir glauben, dass Anonymität das Vertrauen innerhalb der Community verringert. Darum verifizieren wir die Ausweise unserer Gäste und Gastgeber, um für mehr Vertrauen und Sicherheit zu sorgen."

Der Nutzer soll also seinen Personalausweis oder Führerschein in die Kamera halten oder eine Kopie schicken. Im Datenschutzland Deutschland eine ungewöhnliche Forderung.

Verbraucherzentrale rät vom Persoscannen ab

Ralph Walther, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Thüringen, sieht das problematisch: "Wir raten eigentlich davon ab. Das ist aber für uns auch nicht ganz einfach, denn wir wissen natürlich: Wenn man das vehement ablehnt und sich weigert, wird man oft mit dem Anbieter nicht weiterkommen", so Walther. Das sei das Problem.

Da muss man selbst entscheiden: Was ist wichtiger? Dass man Mitglied wird, den Vertrag abschließen kann, also weiterkommt mit dem Unternehmen, oder, dass man die Hoheit über seine persönlichen Daten behält.

Ralph Walther, Geschäftsführer Verbraucherzentrale Thüringen

Nur in Ausnahmefällen

Bis 2011 waren Kopien vom Personalausweis verboten, seitdem sind sie in Ausnahmefällen erlaubt. So teilt das Bundesinnenministerium auf Nachfrage von MDR AKTUELL mit:

  • "Die Erstellung einer Kopie muss erforderlich sein. Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob nicht die Vorlage des Personalausweises und ggf. die Anfertigung eines entsprechenden Vermerks (z.B.: 'Personalausweis hat vorgelegen') ausreichend ist.
  • Die Kopie darf ausschließlich zu Identifizierungszwecken verwendet werden.
  • Die Kopie ist vom Empfänger unverzüglich zu vernichten, sobald der mit der Kopie verfolgte Zweck erreicht ist."

Außerdem ist die automatisierte Speicherung der Daten verboten.

Verboten nach deutschem Recht

Die Server von Airbnb stehen allerdings in Irland und damit gilt irisches Recht. Airbnb sagt zum Verifizierungsorgang: "Wenn wir Informationen über deinen Führerschein oder Reisepass erhalten, speichern wir die Nummer des Dokuments in verschlüsselter Form. So musst du deine Identität nur einmal verifizieren." Nach deutschem Recht wäre eine Speicherung, wie sie hier angedeutet ist, verboten.

Einen Hoffnungsschimmer bietet die europäische Datnschutzgrundverordnung. Sie gilt ab Mai 2018 und vereinheitlicht den europäischen Datenschutz. Lutz Hasse, Datenschutzbeauftragter von Thüringen, hofft: "Da ist das Recht auf Vergessen statuiert, das könnte weiterhelfen." Die Frage sei nur, wer kontrolliert das? "Nur weil etwas im Gesetz steht, wird es nicht notwendigerweise umgesetzt. Deswegen gibt es ja Behörden wie meine, die dann entsprechend ausgestattet werden müssen. Ohne Kontrolle kein vollständiger Gesetzesvollzug."

Eine weitere Hilfe wäre der elektronische Personalausweis. Hier werden nur die Daten freigegeben, die wirklich unbedingt zur Verifizierung gebraucht werden. Weil der Ausweis aber recht umständlich zu beantragen ist, wird er kaum genutzt.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Radio | 21.04.2017 | 9.50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

21.04.2017 01:54 Holger Halfmann 4

Die werten Verbraucherschützer, die such allies bezahlen lassen kümmern sich um Probleme die keine sind. Problem bei Airbnb ist das eine bezahlte Buchung noch lange nicht bedeutet, das man einen Schlafplatz sicher hat: Gern wird vollkommen unlogischer Weise nämlich nach der Bezahlung der Account gecancelt - selbstverständlich ohne Angabe irgendeines "Grundes" - und man darf auf der Straße schlafen. Wäre je nach Witterung nicht mal ein Problem. Aber da wird man ja gern vertrieben und hat vieleicht gerade deswegen eine Unterkunft gebucht. Somit ist Airbnb ein absoltutes Unsinn-Unternehmen und reine Zeitverschwendung.

21.04.2017 16:11 Fragender Rentner 3

Da dürften wir auch keine Handys haben und mit der Karte bezahlen!

Da werden wir auch kontrolliert und ausspioniert!

21.04.2017 12:07 Anna 2

Bei Airbnb mietet man ganz oft von privat zu privat. Da ist Sicherheit nun mal das oberste Gebot!

Außerdem muss man nicht seinen Perso scannen, es muss nur ein offizieller Lichtbildausweis sein.
Wenn ich Gäste bei mir zuhause empfange, will ich schon wissen, dass das auch die sind, die gebucht haben.

21.04.2017 11:41 Eberhard Blocher 1

Vor ein paar Jahren habe ich mich auf all den Portalen als Gastgeber angemeldet. An Airbnb habe ich damals einen Scan meines Personalausweises geschickt hatte (der mir zum damaligen Zeitpunkt allerdings schon gestohlen worden war, den ich also faktisch gar nicht mehr besaß, nur noch das Foto), an Wimdu beispielsweise aber nicht.

Wahrscheinlich, weil sich Wimdu an deutsches Datenschutzrecht halten mußte, Airbnb nicht. In der Folge hat Wimdu mit einem halbstündigen, nervigen Telefonat versucht, mich mündlich als Gastgeber zu "verifizieren", was bei Airbnb mit einem einfachen Foto erledigt war. Und dann wundert sich noch jemand, warum fast alle hippen IT-Firmen aus Kalifornien kommen und nur selten aus Deutschland?