Eine Frau macht mit dem Smartphone ein Bild von einem Verkehrsunfall mit leichtem Blechschaden, daneben eine junge Frau
Unfälle genau zu dokumentieren, kann hilfreich sein. Bildrechte: IMAGO

Versicherungsbetrug Warnung vor fingierten Auto-Unfällen

Ein Unfall ist für die meisten Menschen sehr ärgerlich. Doch sogenannte Autobumser freuen sich über die Versicherungssumme, denn sie haben es absichtlich krachen lassen - kriminelle Banden, die Unfälle provozieren.

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Eine Frau macht mit dem Smartphone ein Bild von einem Verkehrsunfall mit leichtem Blechschaden, daneben eine junge Frau
Unfälle genau zu dokumentieren, kann hilfreich sein. Bildrechte: IMAGO

Wer auf ein anderes Auto auffährt, hat in aller Regel die Schuld am Unfall. Das nutzen Betrüger aus. An einer Ampel bremsen sie zum Beispiel abrupt und ohne ersichtlichen Grund und provozieren so einen Crash.

Auch beim Einparken schlagen die Kriminellen zu, erklärt Kathrin Jarosch, Sprecherin des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft: "Die Situation ist relativ eindeutig. Ihnen wird angezeigt, dass Sie in die Parklücke hineinkönnen. Und in dem Moment, in dem sie einfahren wollen, gibt derjenige Gas und rammt ihr Auto."

Jeder zehnte Unfall fingiert

Autos stehen auf einem Parkplatz.
Auch auf Parkplätzen ist Vorsicht geboten. Bildrechte: Colourbox.de

Das gleiche könne geschehen bei Spurwechseln oder auch mit einer Rechts-vor-Links-Situation. Das seien beliebte Maschen, um Autounfälle zu provozieren, sagt die Expertin.

Jeder zehnte Unfall gehe auf das Konto der sogenannten Autobumser, schätzt Jarosch. Rund zwei Milliarden Euro Schaden würden so den Kfz-Versicherungen entstehen. Mit dem Geld von der Versicherung werde das Auto aber nicht repariert. "Das fließt in andere Kanäle", sagt Jarosch. Das Auto werde nicht repariert und könne den nächsten Unfall verursachen.

Genaue Fallzahlen aus Mitteldeutschland waren bei der Polizei nicht zu bekommen. Das sei statistisch nicht zu erheben, hieß es. Die Geschädigten müssten einen Verdacht äußern, dass sie dem Unfallhergang nicht trauten. Das mache aber nicht jeder, vielleicht aus Unkenntnis, aber auch weil die Täter oft massiv Druck ausübten. Zudem seien die Beweis-Verfahren langwierig.

Man kann etwas tun - Polizei holen und dokumentieren

Wer glaube, dass ein Unfall provoziert gewesen sei, solle aber aktiv werden, empfiehlt Jarosch: "Ganz wichtig ist auf jeden Fall, die Polizei zu rufen." Dann müsse natürlich der Unfallort aus verschiedenen Perspektiven fotografiert werden. Man müsse natürlich die Identität des Unfallgegners feststellen, sich Kennzeichen, Name und Adresse geben lassen. Auch solle man keine Schuld anerkennen, sondern Polizei und Versicherung auf den Verdacht hinweisen.

Filmszene: PKW nötigt LKW
Eine Kamera im Pkw kann unter Umständen einen fingierten Unfall aufklären. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um den Unfallhergang zu dokumentieren, setzen immer mehr Autofahrer auf Dash-Cams. Diese kleinen Kameras hängen im Auto und zeichnen den Verkehr auf. Im Zweifelsfall kann die Polizei die Aufnahmen anfordern. Wichtig sei aber auch, sich nach einem solchen Unfall nicht einschüchtern zu lassen, rät Jarosch. Auch wenn die Täter sehr bestimmt auftreten.

"Aus dem Nichts tauchen plötzlich Zeugen auf, die das  bestätigen genauso wie der Unfallhergang gewesen sein soll und nicht zuletzt suchen sich diese Banden gern besonders junge Autofahrer, Alleinfahrer oder auch besonders ältere Autofahrer heraus."

Betroffen sind also Menschen, mit denen die Kriminellen vermeintlich leichtes Spiel haben. Doch sich zu wehren, kann sich lohnen, nicht nur um für sich selbst Kosten zu sparen. Man kann so auch der Polizei wichtige Hinweise auf mögliche Täter liefern. In Sachsen etwa war vor acht Jahren der Kopf der sogenannten Vogtland-Bande zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Seine Bande hatte 200 Unfälle fingiert und rund eine Million Euro damit ergaunert.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.05.2017 | 06:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2017, 09:10 Uhr

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12 Kommentare

19.05.2017 21:26 Markus 12

@Brennabor - Wenn 2-spurige Autobahn an der Grenze ihrer Kapazität ist, entsteht Stau. Macht man an dieser Stelle 3 Spuren - so wird Stau viel weniger wahrscheinlich. Wenn drei Spuren nicht reichen, dann vier. Es gibt grundsätzlich Unterschied zwischen 2- und 3-Spur. Wenn nur 2 Spur-Autobahn, dann blockieren LKW alles anderes bei jeder Überholung. Mit 3 Spuren kommt so etwas selten vor, bei 4 Spuren so gut wie nie. Also: mehr Autobahn! Und mehr Spuren auf den vorhandenen Straßen. Dann wird Verkehr gut und sicher.

19.05.2017 16:33 Brennabor 11

@ Markus. Emil ist von Saarbrücken nach Stuttgart
auch mal 200 gefahren, dann Stau,Stau,Stau...
Am Ende hatte er eine Reisegeschwindigkeit von
68 km/h. Selbst eine 8 spurige Autobahn würde
daran nichts ändern.

19.05.2017 14:59 Markus 10

@7 NRW-Wessi - Geschwindigkeit ist kein Problem, wenn Autobahn nicht überlastet ist. So muss man Autobahn verbessern, statt Geschwindigkeit zu drosseln. Sonst gibt es kein Ende: heute wird das 130, morgen 110; dann schon mal 80 und am Ende schon keine Arbeit mehr möglich, man wird gezwungen, dort (billig) zu arbeiten, wo man wohnt... Ich hoffe, die Politiker, die auf eine so absurde Idee kommen, Geschwindigkeit auf dänische Niveau zu drosseln, die wählt man nie. Das wäre Tod für unsere Wirtschaft.

19.05.2017 12:00 tetyei jános 9

Sehr schreckliche Daten. Aber was macht das Amt. Umblättern sie zufällig die Akten ob vielleicht dieselbe Namen unten derselben Aressen vorkäme?
Wenn nicht, kein Problem. Alles ist richtig!
Aber wenn, ja dann muß man genauer hinschauen!!!
Tun Sie das?

19.05.2017 11:31 NRW-Wessi 8

@ Wolpertinger 7

Sehe ich auch so.
Auch wenn es vielen Autofahrern nicht schmeckt, aber wäre es wirklich so schlimm, wenn man unsere Richtgeschwindigkeit zur Höchstgeschwindigkeit machen würde, wie es fast überall auf diesem Globus der Fall ist? Aus meiner Sicht würde der Verkehr gleichmäßier und damit flüssiger werden und vor allem viel sicherer.
Bei einem Unfall mit 200 km/h und mehr, bleibt von Auto und Insassen oft nicht viel übrig.
(Ich habe übrigens noch nie die Grünen gewählt. ;-)

In der Türkei gibt es auf Autobahnauffahrten Krallen, die gegen die Fahrtrichtung die Reifen zerstören. Gefahr erkannt - Gefahr gebannt. Die Schilder bei uns sind zwar gut gemeint, aber leider oft nicht wirksam.

Mit totaler Überwachung lassen sich nunmal keine Unfälle verhindern.

19.05.2017 10:57 Wolpertinger 7

@19.05.2017 09:29 Wer hat Interesse?
Nunja, Datenschutz ist schon ein hohes Gut, das ich nicht so einfach abtun würde. Ansonsten würde ich Sie bitten mit Klarnamen zu schreiben und nicht unter einem Alias.
Zu überlegen wären Ihre Vorschläge allemal. Besonders das Einbremsen der Raser, erscheint mir sinnvoll. Oder zB das Verhindern von Geisterfahrern an Autobahnauffahrten.
Dennoch denke ich, man sollte hiergenau abwägen, ob solch eine "Dauerüberwachung" nicht unverhältnismäßig zum verfolgten Zweck erscheint.

19.05.2017 10:46 Brennabor 6

Sehr oft erlebt: Autofahrer vor mir bremsen ohne
erkennbaren Grund, und viele Autofahrer benutzen
Ihre Blinker überhaupt nie. Und noch schlimmer,
viele sitzen im wartendem Auto und merken nicht,
daß der Motor läuft. Unsitten die die Polizei
leider nicht ahndet.

19.05.2017 10:42 NRW-Wessi 5

@ Wer hat ein Interesse? 3

Plötzlich gibt es angeblich wieder hohe Zahlen von fingierten Unfällen, obwohl Versicherungen mit Hilfe von moderner Software einen Datenabgleich durchführen und ihre "üblichen Verdächtigen" ausfindig machen und auch Polizeibeamte ihre Pappenheimer kennen.
Ich habe eher das Gefühl, dass man diese Dash-Cams wie in Russland bei uns etablieren will. Als jemand, der Datenschutz GROSS schreibt, bin ich strikt dagegen und würde dem, der mein Kennzeichen etwa auf youtube veröffentlicht, Ärger einhandeln.
Aus Ihrem letzten Satz lese ich, dass Sie sich mit der Durchsichtigkeit des Bürgers irgendwie abgefunden haben. Ich nicht, denn ich will kein Smartphone, zahle bis auf Überweisungen und Daueraufträge alles bar, habe keine Payback-Karte, will keinen Smart-Fernseher, mein neuer Ausweis ist für nichts freigeschaltet - ansonsten käme er kurz in die Mikrowelle :). Datenschutz kann jeder für sich betreiben, sofern er nicht vor wem auch immer einknickt

19.05.2017 10:21 HeWe 4

@ 19.05.2017, 08:22 | S : Sie können die Polizei zu JEDEM Unfall rufen - müssen es aber nicht, wenn Sie sich zum Beispiel mit dem Unfallgegner über die Schadensregulierung einig sind. Die Polizei bitte vor Ort nicht selbst zur Kasse. Wenn es zu einem Unfall gekommen ist, dann hat ja offensichtlich ein Verkehrsteilnehmer etwas falsch gemacht. Und dafür KANN die Polizei ein Verwarngeld erheben.

19.05.2017 09:29 Wer hat Interesse? 3

Bei den heutigen technischen Möglichkeiten ist es doch ein Kinderspiel Kameras als feste Dash-Cams in den Mittelspiegel einzubauen, Aufzeichnung für 48h? in eine Blackbox inkl. Aufzeichnung aller Fahrdaten dieser (Fahr)Zeit. Da wäre m.E. schon mal ein großer Teil der fingierten Unfälle vom Tisch. Ein Zusatzeffekt: Durch die automatische Verkehrszeichenerfassung könnten auch Raser automatisch eingebremst werden wenn die Daten automatisch nach Flensburg übertragen und ausgewertet werden. Aber nein, das kommen dann die Datenschützer wegen Persönlichkeitsrechten usw. gerannt. Datenschutz existiert mit Smartphone und Co. doch schon lange nicht mehr! Wenn die Menschen gläsern sind und permanent überwacht werden warum nicht auch im Auto?