Fluggäste beim Einsteigen in ein Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin
Reisende müssen auf das Kleingedruckte achten. Manche Klausel lässt es Reiseveranstalter & Co. offen, ob sie den Flug verschieben können. Bildrechte: IMAGO

Reiserecht Dürfen Reisedaten einfach so geändert werden?

Die Urlaubszeit hat begonnen. Und wahrscheinlich haben viele schon ihre Reise gebucht und freuen sich. Doch mitunter gibt es auch Ärger, etwa wenn vor Ort das Hotel nicht der Beschreibung entspricht oder wenn die Reisezeit sich ändert. So erging es auch MDR-AKTUELL-Hörerin Jutta Koch aus Magdeburg, die über check24 eine Reise bei einem Anbieter gebucht hatte und dabei bewusst auf die Abflugszeit geachtet hatte.

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Fluggäste beim Einsteigen in ein Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin
Reisende müssen auf das Kleingedruckte achten. Manche Klausel lässt es Reiseveranstalter & Co. offen, ob sie den Flug verschieben können. Bildrechte: IMAGO

In der Regel behalten sich Reiseveranstalter oder Fluggesellschaften das Recht vor, Flugdaten auch zu ändern, erklärt die Juristin Simone Meisel von der Verbraucherschutzzentrale Sachsen-Anhalt. Der Teufel steckt mal wieder im Kleingedruckten.

Simone Meisel sagt: "Hat man eine derartige Klausel in den Reisebedingungen drin, kann man in der Regel nichts dagegen tun. Man muss eindeutig, und so war auch die Rechtsprechung vor vielen Jahren, zur Kenntnis nehmen, dass der erste und letzte Tag einer Reise, tatsächlich dann Reisezeit ist. Sprich: Hier habe ich dann keine Ansprüche, sondern ich muss das dann bei einer Verschiebung als bloße Unannehmlichkeit hinnehmen."

Unterschiede zwischen Reiseportal und Pauschalreise

Allerdings muss genau unterschieden werden: Kauft man nur den Flug auf einem Reiseportal – mit einer fest vereinbarten Zeit – könnte es sich um einen Vertragsbruch handeln und man hätte Anspruch auf eine Entschädigung.

Ganz anders bei einer Pauschalreise: Hier zählt der gesamte An- und Abreisetag als Reisezeit. Innerhalb von 0 Uhr bis 23:59 Uhr können sich also die Flugzeiten ändern. Doch der Reiseveranstalter kann das nicht willkürlich tun: Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs von 2013 müssen triftige Gründe dafür vorliegen. Wie zum Beispiel ein Streik, Naturkatastrophen oder schweres Unwetter.

Geld zurückfordern

Verschiebt sich dann ein Flug um mehr als acht Stunden, sodass noch ein zweiter Urlaubstag in Mitleidenschaft gezogen wird, dann kann man laut der Verbraucherschützerin Meisel eine Preisminderung einfordern. Allerdings müsse dies auf den Tagesreisepreis gerechnet werden. "Sprich ich muss dann meinen Gesamtreisepreis teilen durch die Anzahl der Reisetage. Und von diesem einen Reisetag dann 30, 40 oder 50 Prozent abziehen. Das heißt, wir reden hier nicht von Unsummen, dennoch sollte es den Verbraucher nicht abhalten, hier entsprechende Ansprüche dann gegenüber dem Reiseveranstalter auch geltend zu machen."

Genau einen Monat nach der Reise hat man dafür Zeit. Simone Meisel empfiehlt, sich in diesen Fällen an einen Anwalt oder eine Rechtsberatung zu wenden. Aber man sollte Kosten und Nutzen abwägen.

Kulanz des Reiseveranstalters

Piloten im Cockpit eines Airbus A380
Flüge ändern sich, weil zum Zeitpunkt der Reisebuchung meist noch keine verbindlichen Flugzeiten gibt. Bildrechte: dpa

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass sich Flüge bei bereits gebuchten Reisen ändern können? Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband erklärt das so: "Reisekataloge werden bereits mehr als ein Jahr im Voraus geplant und veröffentlicht. Und zu diesem Zeitpunkt gibt es in der Regel noch keine verbindlichen Flugzeiten."

Die müssten nämlich noch von den Flugsicherheitsbehörden geprüft und bestätigt werden. So gesehen reservieren sich die Reiseveranstalter erst gewisse Flug-Kontingente für ihre Pauschalreisen und Angebote. Ob das dann auch exakt so klappt, entscheidet sich später.

Übrigens: Preislich gesehen macht es laut Schäfer gar keinen Unterschied, ob diese Reise dann im Internet oder im Reisebüro gebucht wird. Das sei wirklich ein Irrglaube. Diese Reise müsse überall, in allen Vertriebskanälen den gleichen Preis haben. MDR-AKTUELL-Hörerin Jutta Koch hatte – nach vielen mühseligen Telefonaten – Glück: Der Reiseveranstalter willigte ein, ihre Reise kostenlos zu stornieren. Aus Kulanz. Rechtlich verpflichtet wären sie dazu nicht gewesen.

Diesen Beitrag sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 19.06.2017 | 05:23 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 08:10 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

19.06.2017 11:34 Markus 1

Dann am besten gar nicht fliegen. In Deutschland gibt es auch viele schöne Ecken, und alles mit PKW erreichbar.

Mehr Hörer-Themen

Radio

Radio