Danko Handrick testet E-Auto
Danko Handrick beim "Tanken" Bildrechte: MDR/Danko Handrick

Langstreckentest Im Elektroauto durch Deutschland

Aktuell sind 25.000 sogenannte Plug-in-Hybriden und reine Stromer auf Deutschlands Straßen unterwegs. Bis 2020 sollen es eine Million sein - das klingt utopisch. Die Autobauer haben mittlerweile viele Modelle im Angebot. Doch neben dem hohen Preis gibt es auch viele Vorbehalte gegen die Technik. Wie alltagstauglich sind E-Mobile? MDR-Reporter Danko Handrick macht den Härtetest. Er wagt sich im Nissan Leaf auf die Autobahn - von Dresden nach Köln, dann nach München und Leipzig. Hier sein Bericht:

Danko Handrick testet E-Auto
Danko Handrick beim "Tanken" Bildrechte: MDR/Danko Handrick

Von Dresden nach Köln dauert es zwei Tage

Die Tour sollte eigentlich in Leipzig starten, doch es gibt ein Problem: Wir bekommen keinen elektrischen Mietwagen. Zwar werben die großen Autovermietungen mit E-Autos, doch in Leipzig gibt es keins. Die Fahrt beginnt daher in Dresden. Doch schon nach knapp 100 Kilometern ist die Batterie runter - und weit und breit keine Schnellladestation erreichbar.

Um weiter zu kommen, muss ich mitten in einem Gewerbegebiet halten, doch dort würde eine Ladung acht Stunden dauern - an einer modernen Stromtankstelle hingegen nur eine Viertelstunde. Im Internet entdecke ich eine Schnellladestation, 50 Kilometer entfernt. Nach einer Stunde habe ich genug Saft, um dorthin zu gelangen.

Fahrzeugdaten von Nissan für das Kompaktmodell Leaf 30 kWh Vollwertiger Fünfsitzer mit 370-Liter-Kofferraum
Reichweite: bis zu 250 km
Schnellladezeit auf 80 Prozent Leistung: 15 Minuten
Höchstgeschwindigkeit: 144 km/h
Beschleunigung auf 50 km/h: 3,7 Sekunden
Maximales Drehmoment: 254 Nm

Danko Handrick - mit leicht angestrengtem Blick - fährt E-Auto
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Doch wir müssen mit dem E-Nissan langsam fahren, um Strom zu sparen. Mit Tempo 90 schaffen wir es nicht einmal, im Windschatten der Lkw mitzuschwimmen, selbst die sind schneller. Die Klimaanlage haben wir auch ausgeschaltet, sie frisst zuviel Energie. Alle meine Termine für heute Abend in Köln musste ich absagen, weil ich länger brauche als gedacht. Es ist 20 Uhr und wir sind noch immer noch 350 Kilometer von Köln entfernt.

Danko Handrick testet E-Auto
Beim Elektromobilitäts-Pionier Jan Eisenberg in Thüringen gibt es kostenlos Strom. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei Eisenach hat unsere Batterie nur noch Energie für 20 Kilometer. In Unterellen soll es noch eine offene Stromtankstelle geben. An den großen Tankstellen an der Autobahn gibt es hier nirgends Ladegeräte. Willkommen im Elektromobilätsentwicklungsland! Noch zwölf Kilometer - es wird spannend. Hat die Tankstelle offen? Sie hat!

Im tiefsten Thüringer Wald lerne ich Jan Eisenberg kennen. Der Elektromechaniker ist Elektromobilitäts-Pionier. Auf eigene Kosten hat er eine Stromtankstelle eröffnet. Bei ihm kann ich umsonst tanken. Er will kein Geld verdienen. Für ihn ist die Elektromobilität Herzenssache - einfach mal machen. Gut den halben Weg haben wir an einem Tag von Dresden nach Köln geschafft!

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12 Kommentare

22.09.2016 11:50 H.Wolfgang 12

Es freut mich, dass sich der MDR Aktuell des Themas Elektroauto annimmt und dabei mit den TV Programmen zusammenarbeitet.
Über die Testfahrt wird praxisnah berichtet und man erhält viele Informationen. Ich denke es gibt eine Grenze, ab der in unserem Programm die Radio und Fernsehteilnehmer nicht mit tiefer gehenden technisch - physikalischen Zusammenhängen und Formeln konfrontiert werden möchten. Es wäre aber dennoch interessant zu erfahren, wie viel Energie kann die Batterie des Testautos speichern und wie hoch ist der Energieverbrauch in Kwh auf einer definierten Strecke von zum Beispiel 100 Kilometern. Die Genauigkeit der Angaben reicht dabei fürs Grobe mit plus/minus 10% aus.

21.09.2016 00:33 Ted Striker 11

War vor nicht mal zwei Wochen auf der A14 mit meinem 'Spritfresser' Ford Ka in Richtung Dresden unterwegs und habe einen Tesla kaltgemacht, der schön mit 100 km/h im Windschatten gefahren ist, um wahrscheinlich überhaupt bis zur nächsten E-Tanke zu kommen. Schöne neue Welt ...

21.09.2016 10:48 Wahrwolf 10

Zur Zeit ist nur der Tesler ein relativ gutes E Auto, viel Reichweite, grosser Akku aber um die 100 000€ kann sich Sofas keiner leisten.
Deutschland hat in Sachen E Auto geschlafen, was da auf dem Markt ist ist uninteressant und ein alter Hut.
Es muss noch viel getan werden, das ich mir ein E Auto zulege.
Die Nachteile überwiegen:
Wenig Ladestationen
Lange Ladezeit (ausser Tesla)
Geringe Reichweite
Hohe Auto-Kosten
Akku ist teuer
Geringe Geschwindigkeit auf der Autobahn
Wenig Modelle
VORTEILE:
Leiser Motor
Steuerfrei
Geringe Stromkosten pro KM
Umweltbewusstsein
Schnelle Beschleunigung
Prämie von 4000€

Es ist einfach nicht rentabel ein E Auto zu Kaufen, es dauert noch ein paar Jahre bis es in Deutschland bessere günstigere E Autos gibt.

21.09.2016 10:24 Fragender Rentner 9

@Matthias..... zu 6

Wo hast Du schon eine Strasse mit 100 Steckdosen gesehen?

20.09.2016 17:59 ascanier 8

Mit das Teuerste an diesen Gefährten sind die Akkus. Quasie kauft man die "Tankfüllungen" schon mit, ähnlich wie beim Elektrostapler. Nur Firmen können Akkusätze abschreiben. Beim Privatmann kommt ein neuer Akkusatz schon fast einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich. Mit 6 Euro 500 Klilometer fahren, was für eine Milchmädchenrechnung! Das einzig Wahre wäre die Brennstoffzelle. Batterien/Akkus die sich beim Fahren/Bremsen wieder fast föllig aufladen ist Mumpitz und gehört ins Reich der Märchen. Ich sage nur Energieerhaltungssatz. Oder wurde das Perpetum Mobile schon erfunden?

20.09.2016 17:16 Fragender Rentner 7

Wie weit kommt man im Winter unter 0 Grad oder bei Minus 10 Grad wenn man nicht frieren will?

Läßt die Leistung des Akkus nicht auch unter 0 Grad nach und dann noch Heizung an?

20.09.2016 14:39 Matthias - E-Autos sind traumhaft mit einem Minus 6

Eine spitze Bemerkung oder Frage von mir dazu. Hat irgend ein MDR-Zuschauer schon einmal eine Straße mit 100 Steckdosen gesehen?

Ich hatte die Gelegenheit einen Tesla zu fahren. Das war ein Traum vom Fahren, denn die Ruhe und die positive und negative Beschleunigung waren einfach Spitzenklasse.

Hinweis: Die Zukunft wird es bringen, das E-Autos schon während der Fahrt den Akku wieder lasen. Ich weis auch wie, aber man darf darüber nicht sprechen. Es hat aber mit den Rädern zu tun. Am Ende stehen in Zukunft eine maximale Ladedifferenz von ca. 15 Prozent, die physikalisch bedingt übrig bleiben.

20.09.2016 14:03 Matthias 5

Was ich in diesem Bericht vermisse ist, das man bei Elektro-Autos das Beschleunigungspedal nach der Beschleunigung nur noch im Intervall betätigt um die Erreichte Geschwindigkeit zu halten. Wer ein E-Auto wie ein herkömmliches fährt, der kommt nicht weit!

20.09.2016 14:01 Sindy 4

Männer sind doch effektiv nur dagegen, weil sie damit nicht rasen oder Frauen beeindrucken können.

Für den Arbeitsweg der meisten Leute reicht das E-Auto. Nicht jeder wohnt in der ostdeutschen Pampa.

20.09.2016 11:20 Fragender Rentner 3

Die E-Autos sind zu teuer und was geschied mit den Akkus?

Kann es bei denen auch so geschehen wie bei dem Note 7 von Samsung?

Wie werden die Akkus Umweltgerecht entsorgt oder können diese aufgearbeitet werden?

Über die Herstellung und deren Folgen wird auch nicht gesprochen oder hat schon jemand was darüber gehört?

Danko Handrick fährt E-Auto (MiMa)
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