Eine Radfahrerin trägt eine Atemschutzmaske gegen den Smog.
In vielen Ländern sind Atemschutzmasken gegen den Feinstaub schon gang und gäbe. Bildrechte: dpa

Faktencheck Tote durch Diesel-Abgase

38.000 Todesfälle sollen Dieselabgase weltweit auf dem Gewissen haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern aus Washington. Speziell geht es um Stickoxide, die durch Verbrennungsprozesse im Dieselmotor entstehen. Ist die Zahl realistisch? Wir machen den Faktencheck.

von Karolin Dörner, MDR AKTUELL

Eine Radfahrerin trägt eine Atemschutzmaske gegen den Smog.
In vielen Ländern sind Atemschutzmasken gegen den Feinstaub schon gang und gäbe. Bildrechte: dpa

38.000 - eine Zahl, wie in Stein gemeißelt. Das ist sie nun aber gerade nicht. Die Studie eines Forscherteams rund um die Organisation Environmental Health Analytics (LLC) in Washington gibt diese Zahl als Mittelwert an.

Diesel-Abgase sorgen für mehr Feinstaub

Der Studie zufolge hat der Überschuss an Diesel-Stickstoffmonoxid die Zahl der Feinstaubpartikel vor allem in Europa, China und Indien und den Ozonwert in der nördlichen Hemisphäre erhöht. Daraus resultierten 38.000 frühzeitige Todesfälle (Mittelwert von 23-47.000) weltweit im Jahr 2015.

Indirekter Zusammenhang

Wie kommt die Studie zu diesen Ergebnissen? In der Regel steht auf Totenscheinen nicht: "Dieser Mensch starb an einer zu hohen Stickoxid-Belastung." Die Forscher gehen daher statistisch vor und untersuchen gesellschaftliche Phänomene, wie die Schadstoffbelastung im Zusammenhang zu Todesfällen. Und das in den elf größten Absatzmärkten des Dieselmotors. Solche "epidemiologischen" Studien erbringen allerdings keine Beweise.

Ulrich Franck vom Helmholtz-Institut für Umweltforschung in Leipzig erklärt, ein direkter Zusammenhang zwischen Stickstoffdioxid, kurz NO2, und den Toten könne nicht nachgewiesen werden. Trotzdem sieht er eine eindeutige Verbindung: "Da diese Studien im Allgemeinen sehr sorgfältig durchgeführt werden und man eine große Zahl anderer Parameter, wie beispielsweise das Alter der Probanden, die Außenlufttemperatur, andere Luftschadstoffe und ähnliches mit einrechnet, kann man trotzdem sagen: Ja, das ist ein gesundheitsschädigender Effekt, der auf NO2-Belastung in der Luft zurückzuführen ist."

Toxikologische Studien beweisen entzündliche Wirkung

Um eindeutig nachzuweisen, welche Wirkung Stickoxide auf den Organismus haben, gibt es toxikologische Studien. Darin verabreicht man Tieren oder Menschen Stickoxid-Präparate und beobachtet, wie sie im Körper wirken. Auch zu NO2 gibt es solche Studien bereits, mit eindeutigen Ergebnissen.

Forscher Franck erkläutert: "NO2 ist ein deutlich entzündlich wirkender Schadstoff." Diese Entzündungsreaktion könne anhand verschiedener Laborparameter auch aufgezeigt und in ihrer Stärke bewertet werden.

Besonders gesundheitlich Vorbelastete gefährdet

Stickoxid wirkt sich vor allem auf Schleimhäute aus. Die Atemwege sind daher besonders anfällig, NO2 kann Husten und Atembeschwerden hervorrufen. Gefährlich ist das vor allem für gesundheitlich Vorbelastete, sagt Ulrich Franck. Und das spiegele sich dann auch in den Zahlen der US-Forscher wieder. Deren Statistik bedeute nicht, dass 38.000 eigentlich gesunde Menschen sterben würden.

"Das heißt nicht, dass diese Zahl an sich unseriös ist. Aber häufig ist es durchaus eine sinnvolle Sache, bei solchen Zahlen darauf hinzuweisen, dass das eben nicht alle Menschen gleichmäßig betrifft, sondern Vorerkrankte stärker, Alte stärker, vielleicht Kinder, die dann eher unter verschiedenen Krankheiten leiden."

In Panik sollte man daher nicht verfallen, rät Franck. Vielmehr symbolisiere die Zahl eines: Stickstoffoxide sollten in der Atemluft gering gehalten werden.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.07.2017 | 07:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2017, 05:00 Uhr

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