Eier-Produktion in den Niederlanden
Eier-Produktion in den Niederlanden. Dort müssen mehrere Millionen mit Fipronil verseuchte Eier vernichtet werden (Themenbild). Bildrechte: IMAGO

Fragen und Antworten Wie gefährlich sind Fipronil-Eier?

Millionen Hühnereier aus den Niederlanden waren mit dem Insektizid Fipronil belastet. Sie wurden auch in Deutschland verkauft. Verbraucher sind besorgt: Wie schädlich ist das Insektizid? Gibt es Risiken für die Gesundheit? Kann man belastete Eier und belastetes Hühnerfleisch essen? Und was ist mit anderen Produkten, die Eier enthalten?

Eier-Produktion in den Niederlanden
Eier-Produktion in den Niederlanden. Dort müssen mehrere Millionen mit Fipronil verseuchte Eier vernichtet werden (Themenbild). Bildrechte: IMAGO

Was ist Fipronil?

Fipronil ist ein Kontaktgift. Es wird unter anderem als Pflanzenschutzmittel und in der Tiermedizin gegen Hautparasiten wie Flöhe und Zecken bei Katzen und Hunden, aber auch zur Bekämpfung von Läusen, Schaben und Milben eingesetzt. Es gibt verschiedene Produkte mit Fipronil, die frei in der Tierapotheke verkauft werden. Tierarzt Jörg Mewes erklärte MDR AKTUELL: "In der Regel ist es ein Produkt, das nach dem Auftragen in die Haut einzieht und dann in der Haut verbleibt (...). Allerdings sollte man in der Zeit der Anwendung auf die Anwendungshinweise achten, weil ja dann das Tier doch mit dem Wirkstoff benässt wurde und man da aufpassen muss, dass keine Kinder oder Menschen direkt mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen." Die Anwendung bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist grundsätzlich verboten.

Ist Fipronil für den Menschen gefährlich?

Wie Fipronil auf Menschen wirkt, ist nicht genau bekannt. Im Tierversuch hat sich der Stoff zumindest als akut giftig erwiesen. In Experimenten mit Ratten schädigte er nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) das Nervensystem und die Leber. Außerdem kann Fipronil demnach Schäden an Nieren und Schilddrüse verursachen. Beim Menschen kann der Stoff in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Als krebserregend oder erbgutschädigend gilt Fipronil nach derzeitigem Kenntnisstand des BfR allerdings nicht. Laut dem Institut reizt Fipronil auch nicht die Augen oder Haut. Es löst auch keine allergischen Hautreaktionen aus.

Wie erkennt man verseuchte Eier und was macht man mit ihnen?

Anhand der Stempel-Nummern kann man selbst überprüfen, ob Eier im Kühlschrank mit dem Insektizid Fipronil belastet sind. Alle Prüfnummern findet man auf dem Internet-Portal www.lebensmittelwarnung.de. Die belasteten Eier kann man ganz regulär über die Restmülltonne entsorgen. Wer will, kann sie auch zum Händler zurückbringen. Der Ernährungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Bernhard Burdick, sagte MDR AKTUELL, Kunden sollten Ersatz oder ihr Geld für die zurückgebrachten Eier einfordern.

Sind auch andere Lebensmittel mit Eier-Anteil belastet?

Fipronil wird nicht abgebaut, wenn die Eier gekocht oder gebacken werden. Das heißt, dass Lebensmittel, in denen belastete Eier stecken, prinzipiell genauso viel Fipronil enthalten wie die verarbeiteten Eier selbst. Doch wie viel etwa in einer Portion Eiernudeln steckt, hängt von der Menge Eier ab, die verarbeitet wurden. Woher verarbeitete Eier in Lebensmitteln stammen, ist für Verbraucher allerdings in der Regel nicht nachvollziehbar. Die niederländische Lebensmittelkontrollbehörde NVWA kontrolliert bereits Nahrungsmittel, die Eier enthalten.  

Was ist mit Hühnerfleisch?

Im Fleisch von Legehennen wurde Fipronil nachgewiesen. Eine akute gesundheitliche Gefährdung für Menschen besteht nach Angaben des BfR aber nicht. Zum einen liege der ermittelte Wert lediglich bei rund einem Viertel des zulässigen Grenzwertes von 0,77 Milligramm pro Kilogramm Hühnerfleisch. Zudem werden Legehennen nicht für den menschlichen Verzehr gezüchtet. Ihr Fleisch könnte allerdings in Dosensuppen landen. Um das zu verhindern, werden in den Niederlanden mit Fipronil verseuchte Legehennen getötet und das Fleisch entsorgt.

Wie viel Fipronil ist für den Menschen eventuell schädlich?

Auf Grundlage von Tierversuchen wurde eine Dosis für Menschen berechnet. Sie gibt die Menge eines Stoffs pro Kilo Körpergewicht an, die man innerhalb von 24 Stunden ohne erkennbares gesundheitliches Risiko verzehren kann. Für die Berechnung wurde der Wert, der im Tierexperiment noch keine gesundheitliche Folgen hatte, durch 100 geteilt. Die errechnete Dosis liegt nach Angaben des BfR bei 0,009 Milligramm Fipronil pro Kilo menschlichem Körpergewicht.

Wie viele belastete Eier müsste man essen, um die Dosis zu überschreiten?

Ei mit Totenkopf
Der Verzehr von mit Fipronil belasteten Eiern ist nicht automatisch gesundheitsschädlich. Es kommt auch auf die Menge an. Bildrechte: IMAGO

Die aktuell gemessenen Fipronil-Werte in den belasteten Eiern überschreiten nach Angaben des BfR nicht die Referenzwerte, bis zu denen Lebensmittel ohne erkennbares Risiko aufgenommen werden können. Bislang lagen die höchsten Fipronil-Werte bei 1,2 Milligramm pro Kilogramm Ei. Auf der Basis kann nach der Berechnung des BfR ein Erwachsener mit 65 Kilo Körpergewicht 7 Eier innerhalb von 24 Stunden essen, ohne den Wert zu überschreiten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als drei Eier pro Woche zu essen - verarbeitete Eier bereits eingerechnet.

Sind Kinder gefährdeter als Erwachsene?

Für Kinder gilt derselbe Richtwert wie für Erwachsene. Sie haben aufgrund ihres geringeren Körpergewichts aber natürlich die Dosis schon erreicht, wenn sie deutlich weniger Eier gegessen haben. Deshalb warnte das BfR vor einem grundsätzlich möglichen gesundheitlichen Risiko für Kinder beim Verzehr belasteter Hühnereier. Die Behörde gibt ein Rechenbeispiel: Bei einem Kind mit einem Gewicht von 16,15 Kilo wären es 1,7 Eier mit der höchsten Fipronil-Belastung innerhalb von 24 Stunden.

Was geschieht mit den Fipronil-Hühnern?

Allein in den Niederlanden wurden kurz nach Bekanntwerden des Skandals täglich rund 5,5 Millionen mit Fipronil verseuchte Eier vernichtet. Bei den Legehennen gibt es drei Möglichkeiten: Ältere und schwerer belastete Hühner werden geschlachtet und entsorgt. Jüngere Legehennen können auf Diät gesetzt werden. Dabei verlieren sie Fett und Federn und damit auch die Reste des Insektizids. Das dauert aber mindestens sechs Wochen. Bei Legehennen, in deren Eiern nur sehr geringe Spuren von Fipronil gefunden wurden, kann man auch einfach abwarten. Experten gehen davon aus, dass die Hühner in etwa zwei Wochen wieder schadstofffrei sind.

(Quellen: dpa, AFP und MDR AKTUELL)

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Fernsehen | 04.08.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2017, 16:34 Uhr