Milch im Regal.
Lebensmittelverpackungen sind ein Dschungel an Informationen. Einige sind sehr genau, andere eher vage gehalten oder sogar verwirrend. Bildrechte: MDR/Mark Michel

Ahnungslose Verbraucher Milchprodukte tragen winzige Herstellerkennzeichnung

Wer mehr über Lebensmittel wissen will, ist auf die Verpackungsinformation angewiesen. Manche Kennzeichen sind verpflichtend, andere nur für bestimmte Lebensmittel vorgeschrieben. Will man gezielt Produkte aus der Region kaufen, ist das keine einfache Angelegenheit, wie Christian Hulsch aus Chemnitz feststellt. Er fragt am Beispiel von Milch, ob man erfahren kann, wer das Produkt hergestellt hat.

von Mark Michel, MDR AKTUELL

Milch im Regal.
Lebensmittelverpackungen sind ein Dschungel an Informationen. Einige sind sehr genau, andere eher vage gehalten oder sogar verwirrend. Bildrechte: MDR/Mark Michel

Mit einem Tetra-Pack Milch in der Hand steht Christian Hulsch vor einem Supermarkt in Chemnitz. "Ich habe lange Zeit die Sachsenmilch gekauft: Irgendwann merkte ich, dass auf der Verpackung ein kleines Logo ist, das sagt, dass die Sachsenmilch aus Bayern kommt."

Eine Person hält zwei Milchpackungen in der Hand.
Wer regional kaufen will, muss schon genau hinsehen. Bildrechte: MDR/Mark Michel

Nicole Wege von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt erklärt: "Das kleine, ovale Logo unten auf der Verpackung ist ein sogenanntes Identitätskennzeichen. Es gibt an, wo die Milch zuletzt verarbeitet wurde. Doch es sind Buchstabenkürzel und Zahlen. Erst wenn man im Internet nachschlägt, kann ein Verbraucher herausfinden, aus welcher Molkerei die Milch stammt." Es sei nicht für die Verbraucher gemacht, sondern diene der Rückverfolgbarkeit für die Lebensmittelüberwachungsbehörden.

Begriff "Region" nicht geschützt

Über die eigentliche Herkunft der Milch aber gibt das Kennzeichen keine Auskunft. Der Begriff "Region" ist gesetzlich nicht geschützt. Oft bleibt bei Regionalwerbung unklar, ob nur die Verarbeitung der Rohstoffe in der Gegend stattfindet und wie die "Region" definiert ist. Nicole Wege noch einmal: "Bei Milch ist es ganz schwierig. Im Supermarkt haben wir meist Milch aus Großmolkereien und die beziehen ihre Milch aus mehreren Erzeugerbetrieben in verschiedenen Bundesländern. Dadurch ist es schwierig, das zurückzuverfolgen."

Milchindustrie ist größte der Lebensmittelbranche

So wurden allein im letzten Jahr 31,4 Millionen Tonnen Milch an die Molkereien geliefert. Die deutsche Milchindustrie setzte damit rund 21,9 Milliarden Euro um und ist damit die mit Abstand größte Lebensmittelbranche in Deutschland. Will man wirklich regional erzeugte Milch kaufen, sollten Verbraucher auf sogenannte Regionalfenster auf den Verpackungen achten. Nicole Wege erklärt: "Es gibt das sogenannte freiwillige Regionalfenster, ein Deklarationsfeld, wo der Hersteller angeben kann, wo die Rohstoffe herstammen und wo das Produkt verarbeitet wurde."

Doch verpflichtend ist diese Herkunftskennzeichnung in Deutschland nicht. Deshalb kann zum Beispiel Sachsenmilch darauf verzichten und als Markenname dem Verbraucher suggerieren, er kaufe Milch aus Sachsen, auch wenn sie eigentlich aus Bayern oder anderen Bundesländern stammt.

Clevere Idee: Milchautomat vom Bauern

Zwei Frauen stehen vor einem Milchautomat.
Milch zum Selberzapfen - von der Milchtankstelle im Supermarkt. Bildrechte: MDR/Mark Michel

Will man wirklich sicher gehen, sollte man die Verpackungen genau studieren oder direkt beim Bauern kaufen. Oder aber man geht zu einem Milchautomaten, wie bei Edeka in Halle. Dort gibt es frische Milch direkt vom Bauernhof, wie Karsten Scheffler erklärt, Milchbauer aus dem Mansfelder Land und Betreiber von sechs Milchautomaten. "Die Milch kommt direkt von meinem Hof. Sie wird kurz auf 72°C erhitzt und gleich wieder abgekühlt. Sie ist somit verzehrfertig. Kunden können sie in einer von mir verkauften Flasche frisch abfüllen." Am gesamten Milchmarkt hat die regionale Direktvermarktung nur einen kleinen Anteil. Es ist ein Nische, doch eine, die wächst. So gibt es in Sachsen-Anhalt mittlerweile schon 13 Milchtankstellen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.05.2017 | ab 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2017, 06:59 Uhr

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2 Kommentare

18.05.2017 19:31 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 2

@ 2. H.E.:
Zitat "Warum schreiben sie diese Dinge nicht ganz fett und feuerrot gleich unter den Namen des Produktes, so daß es niemand übersehen kann?"

Bei Zigaretten ist das Word 'Light' u.ä. schon verboten. Bei Milchprodukten hat man gewisse 'Fettstufen', die durchaus Sinn machen. Aber Deine Idee finde ich wirklich hervorragend:
'Achtung: Zuckerzusatz!'

Man muß einfach heutzutage auf die Inhaltsstoffe achten, weil einem jeder mögliche Scheiß untergeschoben wird.

Letztens bemerkt, daß sie in Whisky auch als 'einfache Farbstoffe' namens 'Zuckerkulör' oder gleich 'Caramel' benutzen...
Jungs, ick sauf' dat Zeugs nich' wegen der Farbe, sondern wegen dem Geschmack!

17.05.2017 05:43 H.E. 1

Überhaupt ist immer alles bei den Angaben zu klein geschrieben, so daß jemand, der nicht mehr so gut sieht, immer eine Lupe benötigt.
Wahrscheinlich wollen die Hersteller verhindern, daß man sofort erkennen kann, wieviel Zucker etc. in ihren Produkten vorhanden ist. Warum schreiben sie diese Dinge nicht ganz fett und feuerrot gleich unter den Namen des Produktes, so daß es niemand übersehen kann?

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