Ein Mann hält sich eine Mobiltelefon an sein Ohr
Können Handytelefonate Krebs erregen? Ein italienisches Gericht glaubt ja. Bildrechte: dpa

Krebsrisiko Handystrahlung Erstmals Hirntumor als Berufskrankheit anerkannt

Seit es Handys gibt, wird darüber diskutiert, ob ihre elektromagnetische Strahlung krebserregend ist. Verschiedene Studien geben Hinweise darauf, andere widerlegen die Tumorgefahr. Nun hat es in Italien erstmals ein wegweisendes Urteil in Sachen Handystrahlung gegeben: Der Hirntumor eines 57-Jährigen wurde von einem Gericht als Berufskrankheit anerkannt.

Ein Mann hält sich eine Mobiltelefon an sein Ohr
Können Handytelefonate Krebs erregen? Ein italienisches Gericht glaubt ja. Bildrechte: dpa

Kann das Telefonieren mit Handys Hirntumore auslösen? Diese Frage ist so alt wie die Handytelefonie selbst. Jetzt hat es in Italien ein aufsehenerregendes Urteil gegeben. Dort hat ein Gericht einen Gehirntumor als Folge häufigen beruflichen Telefonierens anerkannt. Der 57-jährige Kläger, Roberto Romeo, soll nun von seiner Unfallversicherung monatlich 500 Euro bekommen.

2010 war bei Romeo ein gutartiger Gehirntumor festgestellt worden. Bei der Entfernung wurde auch sein Hörnerv entfernt. Ein Fachmann bewertete die Minderung seiner Körperfunktionen mit 23 Prozent. Nach eigenen Angaben telefonierte er 15 Jahre lang aus beruflichen Gründen täglich drei bis vier Stunden mit seinem Handy.  "Ich hatte keine Wahl und musste ständig telefonieren, von zu Hause aus, vom Auto aus", sagte Romeo über seinen Arbeitsalltag.

Romeo fügte hinzu, er wolle das Telefonieren mit mobilen Telefonen nicht verteufeln, die Nutzer sollten sich aber über die Risiken mehr Gedanken machen. Nach dem Urteil sprachen die Anwälte des Klägers von einer Weltpremiere. "Weltweit zum ersten Mal hat ein Gericht die unsachgemäße Verwendung eines Handys als Ursache für einen Gehirntumor anerkannt", erklärten Stefano Bertone und Renato Ambrosio.

Mehrere Studien bestätigen Krebsgefahr

Gesundheitsstudien zur Nutzung von Mobiltelefonen hatten bislang ergeben, dass bei einem durchschnittlichen Gebrauch kein ernsthaftes Gesundheitsrisiko besteht. Es gibt aber immer wieder Hinweise auf Risiken durch die übermäßige Nutzung von Handys.

So hatte eine Studie der US-Regierung aus dem Jahr 2016 zuletzt einen schwachen Zusammenhang zwischen Handy-Strahlen und dem Entstehen von zwei Tumorarten festgestellt. Im Jahr davor hatte eine Studie der Jacobs Universität in Bremen bereits festgestellt, dass elektromagnetische Strahlung - wie sie auch beim Telefonieren mit Handys entsteht - das Wachstum bereits vorhandener oder entstehender Tumore verstärkt.

3D Illustration, Menschliches Gehirn
Bildrechte: Colourbox.de

Beiden Studien zufolge wirkt sich die Handystrahlung nicht nur auf Tumoren im Hirn aus, sondern auch auf Krebs im Herz, an der Lunge, der Leber und an Lymphknoten. Entscheidend ist allerdings, wie viel man mit dem Handy telefoniert. Eine Studie der Universität Bordeaux erkannte bereits 2014 einen Zusammenhang zwischen einem Risiko von Tumorbildung und ausgiebiger Handynutzung von mehr als 15 Stunden im Monat.

Telefonieren über Freisprecheinrichtung

Die Chefin des Krebsinformationsdienstes, Dr. Susanne Weg-Remers, empfiehlt daher, wenn man auf Nummer sicher gehen wolle, "sollte man mit dem Handy nicht dauertelefonieren und besser Freisprechanlagen, Mikrofone oder Kopfhörer benutzen". Die Weltgesundheitsorganisation WHO nahm Handys bereits 2011 in die Liste der Krebsverursacher auf. Demnach sei Handystrahlung "möglicherweise krebserregend", sie könne unter Umständen Krebs erzeugen oder fördern.

Experten zufolge ist es für endgültige Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen der vergleichsweise jungen Technologie allerdings noch zu früh. Erst die Langzeitnutzung wird belastbare Zahlen zu den Auswirkungen von Handystrahlung auf die Gesundheit bringen. Da weltweit fast jeder Handys zum Telefonieren benutzt, sind Forscher überzeugt, dass selbst schwächste Auswirkungen auf die Gesundheit statistisch deutliche Auswirkungen hätten.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 21.04.2017 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. April 2017, 18:42 Uhr

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12 Kommentare

23.04.2017 14:24 Atze 12

Dank allen bestens für die Aufklärungsfakten, Hans, Rasselbock, NRW -Wessi...!

22.04.2017 12:12 NRW-Wessi 11

@ Rasselbock 9
Sie schreiben von grünen Ideologen, von denen ich sicherlich auch nicht begeistert bin.
Bisher gab es viele Berichte zum Thema Strahlung, allerdings sollte man wie immer bei der Quelle aufpassen. Wer mit Alutapeten, EMV-Farbe oder Kunststoff-Stückchen auf Basis von Piko- anstatt Nanotechnologie wirbt, hat sicherlich ein bestimmtes Interesse.
Wenn aber glaubwürdige Mediziner sagen, die bisherigen Grenzwerte in D seien zu hoch, so ist das natürlich auch einem Wirtschaftszweig im Weg. In CH, BG und RUS sind die Grenzwerte übrigens sehr viel geringer als bei uns.
Daher bin ich froh, dass dieses Thema jetzt endlich den Weg in die ÖR-Medien gefunden hat und hoffentlich wie aluhaltige Deos, Nichtraucherschutz und belastete Lebensmittel publiziert wird.

22.04.2017 11:15 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 10

@ Rasselbock:
Schick zu lesende Infos! Danke dafür von meiner Seite!

Du schriebst leider nicht, ob Bluetooth und WLAN auch 'gepulste Strahlung' absendet. Aus dem Bauch heraus und Deiner Formulierung würde ich nicht davon ausgehen. Da ist der Ansatz für die eigene Recherche. Allerdings ist wohl der Mikrowellen-Bereich an sich problematisch.

WLAN-Netze sind zwar fürs Handy schick, bringen aber auch keine 'richtige Performance' wie 'richtige Kabel', über die Datensicherheitsaspekte gar nicht zu reden.
Bleibt noch DECT! Schon lustig ohne Leine, aber ick lade das Ding öfter nach als daß ich damit telefoniere. Außerdem findet man die Dinger schneller, wenn sie eine Leine dran haben!

Es ist nicht verkehrt, sich ab und zu zu vergewissern, was für lebensfeindliche Gerätschaft sich zu Hause angesammelt hat.

21.04.2017 01:07 Rasselbock 9

@Atze Teil3: Bleibt noch DECT, Bluetooth und WLAN. DECT ist ein gepulstes Verfahren, Schnurlostelefon, Bereich ca 900 Mhz, 10mW, Bluetooth und WLAN, beide arbeiten im Bereich 2,45Ghz, die Mikrowelle auch. Diese Frequenz bringt Wassermoleküle zum Schwingen, sie Reiben sich, die Wärme erhitzt wasserhaltige Speisen. Schirmungen verhindern Schäden. Bei WLAN ist die Sendeleistung begrenzt.(100mW) Lesitungsverstärker mit Gewinnantennen bringen Nutzer ernsthaft in Gefahr. Nun zu den Studien: Nichts Genaues ist bisher bewíesen, grüne Ideologen haben Konjunktur. Wer mit EMV Tapeten sein Haus abschirmt schädigt sich selbst. Die Abschirmwirkung zwingt das Mobiltelefon zu höherer Sendeleistung, damit erhöht sich die Strahlenbelastung des Nutzers. Es gibt mindstens soviel Studien für Schäden als auch solche gegen Schäden. Man weiss eigentlich nichts genaues, die Datenlagen sind meist subjektiv verzerrt um das gewünschte Resultat zu beweisen. Daher sind Grenzwerte definiert, rein vorsorglich.

21.04.2017 00:50 Rasselbock 8

@Atze, Teil2: Oft hängt noch eine Richtfunkteil am Mast, ca 40 Ghz Bereich. Er dient als Link zum Kabelpunkt oder zur nächsten Funkzelle. Manche Zellen tragen noch Antennen zur Rundfunk- oder Fernsehversorgung im Digitalfunkbereich, DAB+, DVB-T2. Dab+ ist im Ex Fernsehband 3 angsiedelt(ca 175...230Mhz), DVB T2 im Ex Fernsehband 4, ab 470Mhz. Das Signal ist eine Orthogonalmodulation, ein sogenannter Frequenzbesen,viele Träger werden mit nur wenigen Nachrichtenteilen, mehrfach moduliert, als Paket ausgesendet. Allen ist gemeinsam: Die nutzbaren Frequenezen sind begrenzt, mit Antennensektorierung schafft man begrenzte Bereiche, damit die Frequenz woanders wieder benutzt werden kann. Auch hier gilt: Grenzwerte sind einzuhalten, das wird auch gemessen und kontrolliert. Jeder Standort hat eine EMV Bescheinigung der BNA.

21.04.2017 00:39 Rasselbock 7

@Atze: ES gibt gesetzliche Grenzwerte für EMV Exposition, Frequenzen, Leistungen, Modulationsarten etc sind da definiert. Grundsätzlich gilt: Je näher der mast, desto geringer die Stahlenbelastung für den Nutzer, das Smartphone regelt seinen Sendeleistung nach der Empfngsfeldstärke. Ist die hoch muss das Mobilphone nur mit geringer Leistung senden, der Akku hält da auch viel länger. Bleibt ein Punkt: GSM Standard, damit wird telefoniert. 217 mal in der Sekunde werden Pulse mit dem Nachrichteninhalt abgesendet, es wird somit auch 217 mal der Sender ein und ausgeschaltet. Es wird vermutet, Beweise gibt es nicht, dass diese Pulsation Zellmembranen zum Schwingen bringt und damit schädigen könnte. Bei UMTS wird ständig gesendet und empfangen, Pulsationen gibt es nicht. Dann ist noch LTE am werkeln, im ehemaligen Fernsehbreich UHF Band 5 angesiedelt. Auch da pulst es nicht. Bei GSM gibt es die Bereiche 900Mhz, D1, O2, GSM1800MHz ex Eplus, jetzt Telefonica etc. All das hängt an den Masten.

21.04.2017 19:33 heribert54 6

Über dieses Thema brauche ich mir nicht den Kopf zerbrechen, bei mir ist Handyfunkloch.

21.04.2017 19:07 NRW-Wessi 5

@ Atze 2
Die Funkzellen haben eine Richt-Charakteristik. Meistens haben die Masten drei oder vier keulenförmig strahlende, im Kunststoffkasten gefasste Sendeantennen und man sollte darauf achten, dass man nicht von einer dieser Zellen „angeschaut“ wird, also die breite Fläche auf einen gerichtet ist. Im Zweifelsfall bei nur 150m Entfernung würde ich einen Umzug in Betracht ziehen. Das Problem ist die Dauerbestrahlung der gepulsten Hochfrequenz, der man auch beim Schlafen ausgesetzt ist. Die gesundheitlichen Auswirkungen können vielfältig sein. Viel schlimmer noch ist aber das Smartphone am/im Bett, aber auch der WLan-Router oder das Dect-Telefon, besonders im Schlafzimmer.
Natürlich schreit fast jeder nach einem immer besseren Netz, WLAN möglichst überall, permanenter Erreichbarkeit und immer mehr Komfort. Die Nebenwirkungen sollte man auch nicht vergessen. Ich glaube nicht, dass die permanente Erreichbarkeit oder die Bequemlichkeit eine mögliche Krebserkrankung rechtfertigt.

21.04.2017 18:33 Krause - "ich bin ja ein Nazi, aber" 4

"Eine Studie der Universität Bordeaux erkannte bereits 2014 einen Zusammenhang zwischen einem Risiko von Tumorbildung und ausgiebiger Handynutzung von mehr als 15 Stunden im Monat."

Oha! 15 Stunden pro Monat wird dort schon als 'ausgiebig' beschrieben? Das wären 30 Minuten pro Tag...

Ich telefoniere nicht viel mit meinem Handy, habe es aber sehr oft dabei und daher auch in Körpernähe. In U-Bahnen etc. kommt man auch mal Telefonierenden näher als man will: da sind die 30 Minuten pro Tag schnell voll.

Dafür hat man nun ein weiteres Argument für taktvolle Beendigungen von Telefongesprächen:
"Ick muß Schluß machen... der Krebs!"

21.04.2017 17:38 Hans 3

Die Funkmasten sind weniger das Problem als die Strahler in einem reflektierenden Metallkäfig (z.B. Auto, Bus, Zug) zu betreiben. Die Strahlung sinkt mit dem Quadrat zur Entfernung. D.h. doppelter Abstand 4-fach geringere Strahlung, 4-facher Abstand -> 16-fach geringere Strahlung.

Ein hoher Sendemast außerorts sendet im Allgemeinen mit maximal 30 Watt. Handys liegen je nach Funkstandart bei bis zu 2 Watt (wenn schlechter Empfang herrscht und die Sendeleistung voll aufgedreht wird).

Rechnen Sie nach und vergleichen: 2 Watt und 1 cm vs. 20 Watt und 15.000 cm.

Hinweis: Bei diesem Beispiel wurden starke Vereinfachungen angenommen (sowohl bei den Begriffen, als auch in der Rechnung) - aber grob sollte dies hinkommen. In der Praxis sinkt die Strahlenleistung im Nahfeld sogar nicht mit dem Quadrat sondern ^3 zum Abstand. Eventuelle Gebäude und Pflanzen können weiter abschirmend wirken. Andersherum sendet ein Handy selten bei voller Leistung.