Ein Mann zündet ein Holzfeuer in einem Ofen an.
Heizen mit Holz: Ein Problem für die Umwelt? Bildrechte: dpa

Richtiges Heizen mit Holz Nachhaltige Kaminfreuden

Manche haben den Kamin eher als Wohlfühlmittel zur Adventszeit an, andere wärmen ihr gesamtes Haus mit Holz. Für viele Deutsche ist das die geeignete Wahl, immerhin handelt es sich dabei um einen nachhaltigen Rohstoff. Doch das treffe nicht immer zu, warnen Experten. Könnte der Kaminofen bald zum Problem für die Umwelt werden?

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Ein Mann zündet ein Holzfeuer in einem Ofen an.
Heizen mit Holz: Ein Problem für die Umwelt? Bildrechte: dpa

Fast jeder fünfte Deutsche verbrennt in irgendeiner Weise Holz zum Heizen. Laut Bundesumweltamt gab es im Jahr 2016 allein 11,6 Millionen Einzelraumfeuerungsanlagen. Also Kamine, Kachelöfen oder Ähnliches, das zusätzlich zur normalen Heizung läuft. Was die wenigsten wissen, dabei wird eine Menge Feinstaub produizert.

Das Probefeuer

Christian Liesegang, Experte beim Umweltbundesamt, sagt: "Grundsätzlich liegen die Feinstaubemissionen aus Kleinfeuerungsanlagen auf einem ähnlichen Niveau wie die Emissionen aus dem Verkehr, wenn man sich das komplette Jahr ansieht." Aber allmählich sinken die Werte. Denn im Jahr 2010 wurde eine Verordnung eingeführt, die strengere Grenzwerte für Kachelöfen und dergleichen vorschreibt.

Alte Anlagen mussten nachgerüstet oder ausgetauscht werden. Um seinen alten oder neuen Kamin zu überprüfen, empfiehlt Liesegang jedem Kaminbesitzer, ein Probefeuer zu machen. Der Umweltexperte rät dem Kaminbesitzer: "Wenn er feststellt, dass er eine Rußfahne hat, dass die Asche schwarz ist oder das halt Rußanhaftungen an der Kaminwand sind, dann kann es daran liegen, dass er falsche Brennstoffe einsetzt, beziehungsweise dass die Brennstofffeuchte zu hoch ist."

Nur wirklich trockenes Holz verwenden

In dem Fall sollte man sein Holz dann lieber nochmal länger trocknen lassen. Ein bis zwei Jahre muss es ungefähr draußen liegen. Auch ein Blick in die Bedienungsanleitung ist durchaus sinnvoll. Grundsätzlich sei Heizen mit Holz eine gute Idee, findet auch der Waldexperte beim deutschen Naturschutzbund, Stefan Adler. Er sagt jedoch: "Man kann nicht einfach unbegrenzt Holz aus dem deutschen Wald jedes Jahr holen. Wir nutzen heute schon ungefähr 76 Millionen Restmeter Holz Jahr für Jahr. Wichtig ist aber, wie gehen wir mit dieser Holzmenge um."

Der Naturschutzbund würde den Großteil dieser Holzmenge deshalb lieber in langlebigen Möbeln sehen oder als Dichtung von Häusern, sodass man generell weniger heizen müsse. Aber übermäßige Sorgen um den deutschen Wald, müsse man sich als Kaminbesitzer nicht machen, so Adler. Er betont: "Wir haben in Deutschland tatsächliche keine Holzknappheit."

Regionale Anfahrtswege beachten

Als die Ölpreise vor gut zehn Jahren in die Höhe schossen, stieg die Nachfrage nach Brennholz rasant. Inzwischen habe sie sich auf hohem Niveau stabilisiert, erklärt Professor Udo Mantau von der Universität Hamburg. Er ist Spezialist für Holzwirtschaft. In Deutschland komme ein Drittel des Scheitholzes für Kamin & Co noch vom Waldbesitzer, Forstamt oder Landwirt, so Mantau. Der Anteil von Brennstoffhandel und Baumarkt liege inzwischen bei zehn bis zwölf Prozent.

Stellt sich die Frage: Wie viel ist bei dieser hohen Nachfrage bereits aus anderen Ländern importiert? Dazu erklärt Udo Mantau: "Gemessen an dem Gesamtvolumen, das in Deutschland verbraucht wird, würde ich das eher als geringeren Teil ansehen. Aber da gibt es eine gewisse Grauzone, auch in der Statistik, die wir auch mit unseren Instrumenten bisher noch nicht so gut fassen können."

Heizen mit Holz ist also nicht automatisch nachhaltig und gut für die Umwelt. Doch wenn man einige Dinge bedenkt, das richtige Holz verwendet und regionale Anfahrtswege beachtet, dann steht dem gewissensreinen Feuer in den eigenen vier Wänden nichts im Wege.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 23.10.2017 | 06:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2017, 07:31 Uhr

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10 Kommentare

23.10.2017 18:44 augu 10

Wieviel Feinstaub entsteht hängt nicht nur vom Ofen/ Holzkessel ab, sondern entscheidend auch von der Art des Heizens. Ich decke das Feuer in meinem Holzkessel nachdem ich ca. 45-65 kWh Heizwert aufgelegt habe mit einem Brett +Sägespäne ab und habe mit dieser Methode fast vollständige Verbrennung ohne Schwelgase und Feinstaub im Rauchgas, was durch die Feinstaubmessung des Schornsteinfegers (125,-€ !) bestätigt wurde. Allerdings ist ein Nachlegen dann nicht mehr möglich. Die in 2,5 Std Brenndauer erzeugten 40-55 kWh Heizwärme z.T. im 750 Liter -Puffer gespeichert, reichen aber für einen Tag (Heizung +Wrmwsr.), solange die Temperaturen > 0 C.

23.10.2017 17:44 Sammi Hunnis 9

@ Atheist aus Mangel an Beweisen: Nein, ist es nicht!

23.10.2017 17:00 Frank Kühne 8

Ja die Experten wissen alles besser
und was ist mit den Millionen von Flugzeugen am Himmel ? die noch Treibstoff in die Luft ablassen und die Umwelt verpessten
und tausende Kreuzfahrtschiffe auf den Ozeanen ?
ach ja die sind ja alle Unbedenklich
ein Kohleofen ist da Klinisch sauber

23.10.2017 14:51 Markus 7

Atomanlagen arbeiten ohne Feinstaub und ohne CO2, werden trotzdem verboten... Ich glaube, das Problem liegt nicht in Feinstaub. Das Problem ist, dass der Staat und EU uns alles vorschreiben wollen, um einfach ihre Macht deutlicher zu machen.

23.10.2017 14:23 Graf von Henneberg 6

Holz ist ein einheimischer, wertvoller und klimaneutraler, Brennstoff. Und - wer Öfen oder Holzheizungen hat, ist unabhängig vom russischem Erdgas oder dem Öl aus dem nahen Osten.
Wenn man auf jegliche Elektronik verzichtet, beim Ofen, ist man für den kältesten Winter gut gerüstet - weil störfrei. Ich weiß, gerade diese Erkenntnis mach den Nachbarn ohne derartige Heizvorrichtungen nervös - und er holt mit der Feinstaubkeule aus - aus Mißgunst.
Weiterhin gibt es das Recht auf eine warme Stube. Das kann kein Gesetz verbieten.

23.10.2017 10:52 Bernd 5

Da hat BenutztWiki wohl nur Wiki benutzt. Fast dreißig Jahre nach der Festbrennstoffepoche sind die Luftwerte doch deutlich besser geworden.
Und das Lustige an der Geschichte ist noch, dass diejenigen am meisten meckern nicht über den Luxus eines Kamins verfügen und gar noch Diesel ohne Partikelfilter fahren.

23.10.2017 08:58 Blumenfreund 4

Könnte der Kaminofen bald zum Problem für die Umwelt werden? Ja, na klar. Jeden Tag verhungern 15000 Kinder weil sie nichts zu essen haben. Und hier regen sich manche über Feinstaubemissionen auf. Irgendwann leben wir wieder im Mittelalter. Verrückt.

23.10.2017 08:55 BenutztWiki 3

Nachtrag: Ich meinte natürlich mit einem Kamin zu heizen ist schlecht. Holzvergaserkessel oder Holzpelletkessel sind sehr viel besser für die Umwelt.

23.10.2017 08:48 BenutztWiki 2

Heizen mit Holz ist generell nicht gut für die Umwelt/Luft. Holzöfen erzeugen sehr viel Feinstaub, PAK's und Kohlenmonoxid. Wer mit Holz heizt verpesstet die Luft in seiner Nachbarschaft. Grüße an meinen Nachbarn gehen raus wegen dem ich abends nicht mehr das Fenster aufmachen kann.

23.10.2017 08:27 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Ich heize so wie ich es will, ich heize weder für die Grünen noch für die Umwelt - weil diese Umwelt mir im Grunde ganz egal ist - ich hoffe das dies noch erlaubt ist zu sagen.