Etwa zwölf Jahre alte Kinder sitzen vor Computern.
Bildrechte: IMAGO

Acht Tipps für erfolgreiches Lernen Schüler lernen am besten voneinander

Kommende Woche treffen sich Schulleiter aus ganz Deutschland zum Deutschen Schulleiterkongress. Im Fokus der inzwischen fünften Veranstaltung dieser Art steht die Frage, wie Kinder am besten zum Lernen gebracht werden. Dafür braucht es unter Umständen gar nicht viel, verraten der Hirnforscher Gerhard Roth und der Erziehungswissenschaftler Peter Struck vorab - und die Eltern können schon zeitig anfangen.

Etwa zwölf Jahre alte Kinder sitzen vor Computern.
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  • Motivation, Belohnung und Sinn helfen beim Lernen
  • Frontalunterricht und 45-Minuten-Takt haben ausgedient
  • Spaß statt Noten
  • Nach Mathe am besten Sport

Tipp 1: Motivieren und Belohnen

In der Schule lernen Kinder am besten mit Belohnung. Kinder müssten erfahren, dass Lernen schön und nützlich ist, sagen die beiden Wissenschaftler. Würde den Kindern vermittelt, dass Schule und Lernen lästig sind, verlören sie die Motivation.

Tipp 2: Etwas Stress tut gut - und das schon ab vier Jahren

Ist die Lernatmosphäre zu kuschlig, dann lernen Kinder nicht, warnt Hirnforscher Roth. Leichter und anregender Stress hingegen förderten das Lernen. Zu entspanntes Lernen, ohne Antstrengung und auf niedrigem Niveau sei nachteilig. Schon ab dem vierten Lebensjahr sollte Lernen als posititive Herausforderung empfunden werden. Das Gegenteil hingegen bewirke zu starker Stress. Auch wenn vom Lehrer das Gefühl der Bedrohung ausgehe, hemme das stark den Lernerfolg.

Tipp 3: Lernstoff muss Sinn machen

Wichtig für die Motivation von Schülern ist auch, dass ihnen der Lernstoff wichtig erscheint. Erziehungswissenschaftler Struck fordert, den Stoff deshalb für die Schüler mit Wichtigem und Positiven zu verbinden. Aus Sicht der Wissenschaftler sind das unter anderem Faktoren wie Zukunftsperspektive, Humor, Bewegung, Musik oder ein Rollenspiel.

Tipp 4: Kein Frontalunterricht

Viele Bildungsforscher sehen Frontalunterricht nach Auswertung internationaler Vergleichsstudien nach wie vor als wirksamste Unterrichtsform. Der Befund sei kein Wunder, da die meisten verglichenen Länder vorwiegend Frontalunterricht praktizierten, meint Struck. Viele Lernpsychologen und Hirnforscher kämen zu anderen Ergebnissen. Demnach sind jahrgangsübergreifende Lernfamilien, Partnerarbeit, Lernen in eigenem Tempo sowie Spielen und Arbeiten am Computer vielversprechender. Schüler würden von anderen Schülern etwa doppelt so viel lernen wie von Lehrern.

Tipp 5: Nicht nur für Noten lernen

Ähnlich umstritten wie der Frontalunterricht ist der Nutzen von Zensuren. Das Alter der Kinder spielt dabei für viele Lernforscher eine entscheidende Rolle. "Wenn man Siebenjährigen bereits Noten gibt, lernen sie, ausschließlich für Noten zu lernen", erklärt Struck. 14-Jährige hingegen könnten Noten und ihr Lernverhalten besser einschätzen und verknüpfen.

Tipp 6: Der 45-Minuten-Takt ist out

Auch die Einteilung des Unterrichts in 45-Minuten-Einheiten ist mit den neuen Forschungsergebnissen der Hirn- und Lernforschung nicht mehr vereinbar. Einzelheiten wie Vokabeln, Geschichtszahlen, Merksätze oder Multiplikationstabellen werden demnach am besten in Zehn-Minuten-Einheiten gelernt - vernetzte naturwissenschaftliche Zusammenhänge hingegen am besten in dreistündigen Portionen.

Tipp 7: Die richtige Haltung

Eine wichtige Rolle für den Lernerfolg spielt auch die richtige Haltung. Neurobiologen vom Zentrum für neurowissenschaftliches Lernen der Universität Ulm fanden heraus, das Kinder bis zum 13. Lebensjahr messbar am besten lernen, wenn sie dabei bäuchlings auf dem Teppich liegen oder ihre Position beim Lernen frei variieren dürfen. Schüler über 14 lernen besonders gut an einem Stehpult oder wenn sie auf einem Stuhl sitzen.

Tipp 8: Mit Bewegung Gelerntes merken

Nicht nur die richtige Haltung, auch Sport und Bewegung hat positiven Einfluss auf den Lernerfolg. "Wenn Schüler eine Stunde Mathe hatten, sollten sie sich danach 20 Minuten bewegen", empfiehlt Struck. Die Forschung zeige: Wenn direkt vor einer Mathe-Stunde eine weiteres kopflastiges Fach unterrichtet wurde, bleibt der neue Mathe-Stoff nur halb so gut im Kopf haften als nach einem Bewegungs- oder Kunstangebot.

Noch extremer ist dieser Effekt, wenn auf Mathematik Chemie oder Latein folgt. Dann bleibt nur ein Drittel so viel vom Mathe-Stoff hängen, als wenn auf Mathe Sport oder künstlerisches Arbeiten folgt. Neben dem Schulsport ist auch Bewegung in der Freizeit wichtig: Wer stundenlang für eine schwere Klausur lernt und abends noch ein wenig Rad fährt oder Fußball spielt, hat demnach bessere Karten als ein Kind, das den Abend vor dem Fernseher verbringt.

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2016, 16:33 Uhr

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3 Kommentare

28.02.2016 11:18 Hanna Hardeland 3

Das Bewegung hilfreich ist, ist nicht neu ... Für Tipp 8 bin ich dennoch dankbar: "Wenn Schüler eine Stunde Mathe hatten, sollten sie sich danach 20 Minuten bewegen". Das sollten Lernende auch beim Lernen zu Hause beherzigen. Ob das wohl die Mathelehrer/innen wissen? ;)

27.02.2016 21:44 Gärtner 2

Für diese Weisheiten braucht man nur mal Kindern beim Spielen zuzuschauen und ein klein wenig nach zu denken. Wenn 6jährige 1.klässler und 18jährige 12klässler beide 45 min still sitzen müssen sollte jeder Depp doch merken dass das irgendwie komisch ist. Bewegung tut gut ist ja ganz was neues - wir haben uns ja die letzten 500 000 Jahre auch gar nicht bewegt. Sinnvoller Lernstoff - na sowas. Was für kluge Wissenschaftler wir haben. Einfach mal nach Finnland fahren und hospitieren hätte gereicht. Geht auch im Internet.

27.02.2016 17:03 rolf piper 1

Wenn ich die Erlebnisse des Schreibenden so lese, fällt mir immer eine Eulenspiegelkarrikatur ein: da sitzen viele Bauern auf großen Kartoffeln und lauschen dem Vortrag eines Redners, der auf einer ganz kleinen Kratoffel sitzt: Überschrift- Erfahrungsaustausch!
Frontalunterricht ist out!
sagt er, wie sollen die Kinder sitzen? Im Kreis oder an Vierertischen?
Also typisch, es geht, wie so immer, in dieser Bundesrepublik um die Verpackung und nicht um den Inhalt. Er hat vergessen, dass er in einem Teil eines Landes ist, dessen Bildungssystem zum Weltbesten gehörte!
Fangen sie mit ihrer witzigen Kombination aus Mathe und Sport an. Abgesehen davon, dass Mathe zu den Lieblingsfächern der Schüler gehörte, kann darauf auch Chemie folgen, da im BW der DDR die nat. Fächer verzahnt waren, und das eine Fach auf dem anderen aufbaut! Wo ist da das Problem für sie? Dass sie es nicht kennen?