Eine Frau füllt einen Organspendeausweis aus
Jeder Bürger sollte seinen Organspendeausweis ständig bei sich tragen. Bildrechte: ddp

Fragen und Antworten Wie ist die Organspende geregelt?

Nach dem Göttinger Organspende-Skandal von 2012 ist die Spendenbereitschaft in Deutschland eingebrochen. Medizin, Politik und Initiativen werben seit Jahren um mehr Spender. Wie ist die Organspende in Deutschland geregelt? Wer kann spenden? Welche Organe können gespendet werden? Wie kommt man an einen Spenderausweis?

Eine Frau füllt einen Organspendeausweis aus
Jeder Bürger sollte seinen Organspendeausweis ständig bei sich tragen. Bildrechte: ddp

Gibt es Altersgrenzen für die Organspende?

In Deutschland gilt seit Ende 2012 die sogenannte Entscheidungslösung. Dabei schreiben alle gesetzlichen und privaten Krankenkassen ihre Mitglieder ab 16 Jahren an und fragen, ob diese im Todesfall zur Organspende bereit wären. Auch die Minderjährigen zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr können ihre Bereitschaft zur Organspende auf einem Ausweis dokumentieren. Der Widerspruch kann bereits ab dem 14. Lebensjahr erklärt werden. Nach oben hin gibt es keine Altersgrenze. Diese Anfrage wird alle zwei  Jahre wiederholt. Die direkte Ansprache, kombiniert mit Informationsmaterial, soll zur Debatte über eine mögliche Organspende anregen und die Bereitschaft steigern. 

Was steht auf dem Organspendeausweis?

Neben Namen, Geburtsjahr und Adresse kann auf der Rückseite angekreuzt werden:

  • Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden.
  • Ja, ich gestatte dies, mit Ausnahme folgender Organe/Gewebe: xyz
  • Ja, ich gestatte dies, jedoch nur für folgende Organe/Gewebe: xyz
  • Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen oder Geweben.
  • Über Ja oder Nein soll dann folgende Person entscheiden: xyz

Die Vorlage für einen Organspendeausweis gibt es auch online, den Ausweis kann man ausdrucken.

Müssen die Anfragen der Krankenkassen beantwortet werden? 

Nein. Sie können das Anschreiben auch einfach ignorieren oder ausdrücklich erklären, dass Sie im Todesfall keine Organe spenden wollen. Die Entscheidung für oder gegen die Organspende kann jederzeit widerrufen werden. Die geänderte Entscheidung wird dann in einem neuen Spenderausweis dokumentiert. Außerdem ist es sinnvoll, die Angehörigen zu informieren.      

Was bedeutet "Entscheidungslösung" und "Widerspruchsregelung"?

Bei der Entscheidungslösung ist die Entscheidung für oder gegen eine Organspende freiwillig. Im Gegensatz dazu gelten bei der sogenannten Widerspruchsregelung alle Bürger automatisch als Organspender, sofern sie nicht schriftlich widersprechen. In den Niederlanden gilt dieses Prinzip. Auch in Deutschland gibt es Forderungen, die Widerspruchslösung einzuführen, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen.

Wie wird im Fall der Organspende der Todeseintritt definiert?              

Zunächst muss der der sogenannte "irreversible Hirnfunktionsausfall" des möglichen Spenders von zwei Ärzten festgestellt worden sein. Dann muss die Einwilligung des Verstorbenen in eine Organspende bekannt sein oder die Angehörigen müssen nach seinem mutmaßlichen Willen einer Organentnahme zustimmen. Es ist jedoch umstritten, ob ein Mensch wirklich tot ist, wenn keine Hirnaktivität mehr gemessen wird, Herz und Atmung aber mittels medizinischer Geräte noch aufrecht erhalten werden können.            

Welche Organe und Gewebe können transplantiert werden?

Niere, Leber, Herz, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm. Außerdem können zahlreiche Gewebe transplantiert werden: Augenhornhaut, Haut, Blutgefäße, Herzklappen, Sehnen und Bänder, Knochen sowie die Eihaut der Fruchtblase.

Wann kommt eine Lebendspende infrage? 

Das Transplantationsgesetz erlaubt Lebenden die Spende von Organen nur unter Verwandten ersten oder zweiten Grades, zum Beispiel Eltern und Geschwistern, unter Ehepartnern, Verlobten oder unter Menschen, die sich persönlich sehr nahe stehen.  Um Missbrauch zu verhindern, prüft eine Gutachterkommission, ob die Spende freiwillig erfolgt und keine finanziellen Interessen bestehen.          

Welche Erkrankungen schließen eine Spende generell aus?                  

Eine Organentnahme ist grundsätzlich ausgeschlossen, wenn bei dem Verstorbenen eine akute Krebserkrankung oder ein positiver HIV-Befund vorliegt. Bei allen anderen Erkrankungen entscheiden die Ärzte nach den erhobenen Befunden, ob eine Organspende infrage kommt. So ist auch nach einer ausgeheilten Krebserkrankung eine Organspende prinzipiell möglich.               

Weiß der Empfänger des Organs, wer es gespendet hat?                        

Nein, die Spende ist anonym. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer der Empfänger des Organs ist. Auf Wunsch wird ihnen aber mitgeteilt, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.            

Was macht die Deutsche Stiftung Organtransplantation?  

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die Koordinierungsstelle für die Organspende gemäß Transplantationsgesetz und unterstützt die 1.300 Entnahmekrankenhäusern in Deutschland bei den Abläufen der Organspende. Dazu gehören die organisatorische Unterstützung zur Durchführung der Feststellung des Todes, die Teilnahme am Gespräch mit den Angehörigen, die medizinischen Maßnahmen zur Erhaltung von Organen und zum Schutz der Organempfänger sowie die Koordinierung der Organentnahme und des Transports der Organe zum Transplantationszentrum.

Wo kann man sich über Organspende informieren?              

Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder beim Infotelefon Organspende unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 - 9040400. Die rund 1.300 Entnahmekrankenhäuser haben Transplantationsbeauftragte. Sie informieren das ärztliche und pflegerische Personal im Krankenhaus regelmäßig über die Organspende. Außerdem gehört es zu ihren Aufgaben, Angehörige von Organspendern in angemessener Weise zu begleiten.  Auch im Internet informieren die DSO, Krankenkassen und Ärzteverbände ausführlich über die Organspende.

 Auch im Internet informieren die DSO, Krankenkassen und Ärzteverbände ausführlich über die Organspende.

Was passiert mit den Daten von Organspende-Willigen?                   

Im November 2016 wurde in Deutschland ein Transplantationsregister beschlossen. In diesem sollen die Daten von Transplantierten und Lebendspendern erfasst werden. Das Register befindet sich derzeit im Aufbau, Experten gehen davon aus, dass es Anfang 2019 den Regelbetrieb aufnehmen wird.

Die Angaben auf dem Organspendeausweis, also auch die persönliche Entscheidung zur Organspende, werden nicht erfasst. Erst im Falle einer Organspende werden alle medizinisch relevanten Daten der spendenden Person gesammelt und ins Register übertragen, wenn es den Betrieb aufgenommen hat. Daten der transplantierten Personen und von Lebendspendern werden nur bei Einwilligung gespeichert.

Alle Daten werden von einer unabhängigen Vertrauensstelle verschlüsselt und pseudonymisiert. Das Transplantationsregister steht unter der Aufsicht der Bundesbeauftragten für Datenschutz. Das Gesetz sieht vor, auch Daten in anonymisierter Form zu nutzen, die bis zu zehn Jahre vor Inkrafttreten des Gesetzes dezentral etwa bei den Transplantationszentren erhoben wurden. Daten zu Gewebespenden und Gewebetransplantationen werden im Transplantationsregister nicht erfasst.

Die Zusammenführung von Daten der Spenderinnen und Spender mit den Daten der Transplantierten soll die Transplantationsmedizin verbessern und die Patientensicherheit in Deutschland erhöhen. Das Register soll dazu beitragen, die Wartelistenkriterien sowie die Verteilung der Spenderorgane weiterzuentwickeln. Außerdem ist es möglich, die Datennutzung zu Forschungszwecken zu beantragen.

                      

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: FERNSEHEN | 28.06.2017 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2017, 13:10 Uhr

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