Ein Mann hält sich den Rücken
Bandscheibenvorfall und mangelnde Bewegung führen zu chronischen Rückenschmerzen Bildrechte: colourbox.com

Ratgeber Der tägliche Schmerz

Rücken, Knie oder Kopf – in Deutschland leiden Millionen Menschen an chronischen Schmerzen. Oft beeinträchtigen die Schmerzen den Lebensalltag und werden zu körperlichen, seelischen und auch sozialen Belastung.

Ein Mann hält sich den Rücken
Bandscheibenvorfall und mangelnde Bewegung führen zu chronischen Rückenschmerzen Bildrechte: colourbox.com

Was ist Schmerz?

Schmerzen sind mehr als nur unangenehme, körperliche Empfinden. Tiefe Trauer kann ebenso als Schmerz wahrgenommen werden.

Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben sind.

International Association for the Study of Pain Deutsche Schmerzliga eV.

Die Medizin unterscheidet zwischen akutem und chronischem Schmerz. Den akuten Schmerz kennen wir von klein an: Beim Toben fallen Kinder hin, schürfen sich das Knie auf und weinen. Der Schmerz konzentriert sich dabei nur auf die verletzte Stelle. Er dient als Warnfunktion. Er sagt uns: "Am Körper ist etwas verletzt." Ohne den akuten Schmerz würden wir sonst vielleicht tagelang mit einem gebrochenen Bein rumlaufen - ohne es zu bemerken.

Der chronische Schmerz hat diese Warnfunktion verloren. Er ist über Wochen und Monate hinweg da und wird selber zur Krankheit. Ärzte sprechen von einem Schmerzgedächtnis, weil sich der Schmerz in das zentrale Nervensystem quasi eingebrannt hat. Der Körper hat die Kontrolle über den Schmerz verloren, das Nervensystem ist überreizt und überempfindlich.  

Ursachen des Schmerzes

Schmerzen werden von drei verschiedene Faktoren bedingt: der Biologie, der Psyche und dem sozialen Umfeld. Deshalb sprechen Mediziner auch vom sogenannten biopsychosozialen Schmerzmodell. Die drei Faktoren können Schmerzen auslösen, verstärken und aufrechterhalten. Sie beeinflussen sich gegenseitig.

Eine Frau mit Liebeskummer
Auch ein gebrochenes Herz ist ein Schmerz Bildrechte: colourbox.com

Die bekannteste Ursache für Schmerzen sind biologische, körperliche Faktoren wie Unfälle (zum Beispiel ein gebrochenes Bein), Durchblutungsstörungen oder degenerative Gelenkerkrankungen (zum Beispiel Rheuma).

Aber auch die psychischen oder sozialen Faktoren sind nicht zu vernachlässigen. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, kann sich die Trauer verfestigen und beeinfluss fortan das Leben. Auch Stress oder Mobbing können Schmerzen auslösen.

Oft führt ein Faktor zu einem weiteren. Wer seit Jahren an Migräne leidet, verpasst Zeit mit Freunden und fühlt sich irgendwann ausgeschlossen und unglücklich. Andersrum fördert Stress Kopfschmerzen.

Schmerztherapie

Ob Medikamente gegen die Entzündung, eine Spritze, die die Verspannungen löst, Massage oder Aqua-Jogging: Grundsätzlich ist die Bandbreite an Therapiemöglichkeiten für Schmerzen groß. Die Internetseite der Deutschen Schmerzliga e.V. zählt insgesamt sechs Therapiemöglichkeiten auf, die jede für sich ein weiteres Therapiefeld eröffnet.

Frau bei Yogaübung
Yoga macht beweglich, hält fit und entspannt Bildrechte: colourbox.com

Wichtig ist: Jeder Schmerz ist individuell. Deshalb bedarf jeder Schmerz-Patient auch einer individuellen Therapie. Viele Therapiezentren setzen inzwischen auf multimodale Schmerzbehandlungen. Dabei werden verschiedene Schmerz-Therapien miteinander verknüpft. Auch die Interdisziplinäre Tagesklinik für Schmerztherapie in Jena setzt auf diese Therapieform. Sie gehört zum Universitätsklinikum Jena. Der Schwerpunkt der Tagesklinik liegt vor allem in der nicht-medikamentösen Therapie. Die Behandlung findet in Gruppen statt und besteht aus drei Feldern: aktivierende, körperliche Übungen, Entspannungstraining und psychologische Schmerzbewältigungsverfahren. Ergänzt wird die Therapie durch psychologische und physiotherapeutische Einzelbehandlung. Dazu zählt die manuelle Therapie, Lasertherapie oder auch die Elektrotherapie. Allgemein ist in der Schmerztherapie der Trend zu beobachten, dass Schmerz-Patienten ihre Therapie beispielsweise durch Homöopathie, chinesische Heilkunst oder Osteopathie ergänzen.

Ziele der Schmerztherapie

Das vorranige Ziel der Schmerztherapie ist natürlich die Linderung der Schmerzen. Patienten sollen wieder die Kontrolle über die Schmerzen gewinnen und ein selbstbestimmtes Leben führen. Dazu müssen Verhaltensweisen, die die Schmerzen fördern, abgebaut werden. Mehr Bewegung, höhere körperliche Leistungsfähigkeit und ein gesundes Sozialleben sollen nicht nur zur Linderung beitragen, sondern auch vor neuem Schmerz schützen.

An wen kann ich mich bei Schmerzen wenden?

Wenden Sie sich zuerst an ihren Hausarzt. Kann dieser nicht weiterhelfen, bekommen Sie zum Beispiel bei der Deutsche Schmerzliga e.V. Hilfe, einem Verein für Menschen mit chronischen Schmerzen, Hilfe und Ansrechpartner. Auch bei rechtlichen oder medizinischen Fragen das Schmerztelefon weiter.

Schmerztelefon - Deutsche Schmerzliga e.V. Telefon: 06171-286053

Zuletzt aktualisiert: 23. Februar 2016, 16:00 Uhr

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