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Sachsen-Anhalt : Saalekanal wird nicht gebaut

Der umstrittene Saalekanal im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt wird vorerst nicht gebaut. Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel will sich jetzt dafür einsetzen, dass der Kanal in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen wird.

Kein finanzieller Spielraum für den Bau

Wie am Donnerstag bekannt geworden war, hatte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann bereits Mitte Dezember das Aus für den Kanal mitgeteilt. Auf Anfrage des Bundesstagsabgeordneten Stephan Kühn von den Grünen hatte Ferlemann letztes Jahr erklärt, dass auf absehbare Zeit keine Spielräume für den Beginn neuer Maßnahmen beständen. Dies beträfe auch den Ausbau der Saale-Mündungsstrecke.

Schon im Mai 2011 war die Saale als sogenannte Restwasserstraße ohne Gütertransportaussichten vom Bundesverkehrsministerium eingestuft worden.  Ebenfalls 2011 hatte der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans-Ulrich Zabel von der Universität Halle-Wittenberg in einem MDR-Interview zum Ausbau der Schiffbarkeit der Saale bereits erklärt: "Es handelt sich um eine Aneinanderreihung von Fehlinvestitionen. Die Nutzen-Kostenverhältnisse haben sich als völlig überzogen erwiesen."

Verkehrsminister will weiter für Saalekanal kämpfen

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel will sich jetzt dafür einsetzen, dass der Kanal in den Bundesverkehrswegeplan 2015 aufgenommen wird. Ministeriumssprecher Bernd Kaufholz bekräftigte, dass Sachsen-Anhalt nach wie vor sehr am Saalekanal interessiert sei. Über den Bau werde aber nicht mehr vor der Bundestagswahl im September entschieden. Das letzte Wort hat der Bund, der die Finanzierung stemmen müsste.

Nur wenn die Landesregierung jetzt von dem Projekt abrücken und keinen Antrag stellen würde, sei der Kanal erst einmal gescheitert, sagte Kaufholz. Der Bund überarbeite derzeit sein Gutachten zur Wirtschaftlichkeit des Kanals. In einer ersten Fassung war die Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, dass sich das auf mehr als 100 Millionen Euro geschätzte Projekt nicht rechnet. Die Landesregierung hatte dann aber eine Gegen-Expertise in Auftrag gegeben, die Fehler im Gutachten nannte und nun in eine Überarbeitung des Gutachtens einfließen soll.

Der geplante Elbe-Saale-Kanal bei Calbe

Linkspartei fordert sofortige Entscheidung

Die Linke forderte die Landesregierung auf, sofort über die Zukunft der Saale zu entscheiden. "Die Entscheidungshoheit über die Zukunft der Saale liegt jetzt allein bei Sachsen-Anhalt", sagte der Abgeordnete Uwe-Volkmar Köck laut Mitteilung. Vorschläge, wie die brachliegenden Transportkapazitäten der Saale auch ohne einen Kanal genutzt werden könnten, lägen schon lange auf dem Tisch.

Wirtschaft ist weiterhin für den Bau des Kanals

Gebäude der Industrie und Handelskammer Halle-Dessau
Die IHK Halle-Dessau ist weiterhin für den Bau des Saalekanals.

Die Wirtschaft hält am umstrittenen Saalekanal fest. Das Vorhaben müsse umgesetzt werden, forderte die Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle-Dessau am Freitag. IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier sagte: "Die Aussage des Bundesverkehrsministeriums, auf absehbare Zeit bestünden keine Spielräume für einen Baubeginn des Saalekanals, bedeute kein grundsätzliches Aus für das Projekt."

Der IHK-Präsident ist zudem der Ansicht, dass für den neuen Bundesverkehrswegeplan 2015 klare Prioritäten festgelegt werden müssen. Zunächst seien Investitionen in die Substanz vorhandener Infrastruktur notwendig. Die ebenfalls notwendigen Investitionen in neue, zusätzliche Verkehrsinfrastruktur könnten später erfolgen. Dabei erwarte er von der Politik verbindliche und klare Aussagen darüber, wann welche neuen Projekte begonnen werden, darunter auch der Saalekanal.

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2013, 14:14 Uhr

7. Teures Happy End:
Das aktuelle Gutachten im Auftrag der Bundesregierung beurteilt das Vorhaben als nicht wirtschaftlich, aber die hiesige IHK ringt weiterihn um die versprochenen Subventionen? Da fragt man sich doch, in auf welcher Grundlage die IHK Entscheidungen trifft, Positionen bezieht. Volkswirtschaftliche Argumente scheinen ausgerechnet für sie wenig zu zählen...
09.02.2013
15:06 Uhr
6. Ralf_MD:
Sehr geehrte Leser, der Ausbau des Hafens Halle mit Steuermitteln erfolgte ebenfalls mit Zustimmung durch die damaligen Politikerinnen und Politiker von Bund und Land. Wer beschwert sich über den Ausbau der Autobahnen für den Schwerverkehr bzw. die notwendigen Stellflächen für die Lagerhaltung auf der Autobahn und den zugehörigen Verkehrsflächen? Diese werden ebenfalls aus Steuermitteln finanziert.
08.02.2013
18:24 Uhr
5. Elsa Camp:
Was jeder vernunftbegabte Betriebswirt schon lange wußte: der Kanal ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Wie sind nur die vielen Saalekähne vor 1990 von der Saale in die Elbe gelangt? Das ging auch ohne Kanal. Das Lichtraumprofil der Bahn hat sich doch auch nicht verändert, da hängt man einfach noch´n Waggon dran oder schickt zwei Züge los. Was die Bahn kann, kann das Binnenschiff doch auch! Oder?
08.02.2013
16:38 Uhr
4. Wolfram Stoye:
Sehr geehrter Herr Moser, 50 Jahre lang Otto Katalog hat euch sehr gut getan finde ich. Damals konntet Ihr den Hals nicht voll genug bekommen, also mal ganz ruhig....
08.02.2013
13:57 Uhr
3. Teures Happy End:
Erleichterung für uns Steuerzahler: Ein volkswirtschaftlich fragwürdiger Kanal wird NICHT gebaut. Millionen Gelder werden NICHT in den Sand gesetzt. Bitterer Lorbeer: 20 Jahre lang wurden mit öffentlichen Mitteln Debatten, Planungen, Vorbereitungen und Behördengehälter gezahlt.
08.02.2013
12:28 Uhr
2. Trauriges Ende:
Ich als Besitzerin eines kleinen Kanus bin für den Ausbau des Kanales, damit ich mal trockenen Fusses von der Saale zur Elbe und zurück fahren kann. Vielleicht besuche ich dann auch mal den dort leer liegenden Hafen in Halle, genug Platz ist dort zuküntig bestimmt. Eigentlich drollig, schon wieder ein Fall für den Bund der Steuerzahler. Dann kann man jetzt den Hafen in Halle zum Biosphärenreservat umbauen oder zur Freizeitoase oder zur Geldversenkmaschine.
08.02.2013
12:03 Uhr
1. Otto Moser:
Ja, so ist das eben, kein finanzieller Spielraum mehr für den Bau. Der finanzielle Spielraum ist eben begrenzt. Dabei wurde doch schon so viel Schönes in Osten gebaut. Jetzt ist aber mal der Westen dran. Dort sieht es mit der Verkehrsinfrastruktur nicht so rosig aus wie hier. Und das muß und sollte doch unsere uneingeschränkte innerdeutsche Solidarität haben, sehr geehrte Damen und Herrn.
08.02.2013
10:42 Uhr

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Saalekanal

Der umstrittene Saale-Kanal bei Tornitz in der Einheitsgemeinde Barby im Salzlandkreis sollte die Schiffbarkeit der Saale verbessern. Auf einer Länge von 7,5 Kilometern sollte er zahlreiche Windungen der Saale kurz vor dem Zusammenfluss mit der Elbe überbrücken. Damit wäre der aufwendig mit 30 Millionen Euro ausgebaute Hafen Halle ganzjährig für sogenannte Europaschiffe erreichbar sein. Diese mittelgroßen Schiffe können bis zu 1.350 Tonnen Güter laden und brauchen eine 2,50 Meter tiefe Fahrrinne. Im Jahr 2008 wurde das Raumordnungsverfahren abgeschlossen. Der Kanal sollte mindestens 100 Millionen Euro kosten.

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