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Doktortitel aberkannt : Schavan tritt vorerst nicht zurück

Bundesbildungsministerin Annette Schavan tritt vorerst nicht zurück. Sie werde gegen den Entzug ihres Doktortitels juristisch vorgehen, sagte sie am Mittwoch in Johannesburg, wo sie sich auf einer fünftägigen Südafrikareise befindet. "Die Entscheidung der Universität Düsseldorf werde ich nicht akzeptieren", bekräftigte die CDU-Politikerin laut Ministerium. Ihre politische Zukunft ließ sie dabei offen. Mit Blick auf die jetzt kommende juristische Auseinandersetzung bat sie um Verständnis, "dass ich heute keine weitere Stellungnahme abgeben werde".

Der Fakultätsrat der Hochschule hatte am Dienstagabend erklärt, die heute 57 Jahre alte Ministerin habe bei ihrer Dissertation im Jahr 1980 "systematisch und vorsätzlich" fremde Gedanken als eigene ausgegeben. Nach rund neun Monaten Prüfung beschloss die Hochschule, Schavan den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel zu entziehen. Bliebe es dabei, hätte die Bildungs- und Forschungsministerin nicht einmal mehr einen Hochschulabschluss, da sie diesen mit ihrer Promotion erwarb.

Schavan hatte bereits am Vorabend ihre Anwälte erklären lassen, dass sie gegen die Entscheidung vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagen werde. Dafür hat sie nun einen Monat Zeit. Der Prozess selbst allerdings könnte sich über Monate und durch weitere Instanzen hinziehen. Die Entscheidung der Universität ist somit noch nicht rechtskräftig.

Diese Politiker verloren ebenfalls ihre Doktortitel

Der ehemalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hält sich am Montag (12.12.2011) während einer Pressekonferenz bei der EU-Kommission in Brüssel einen Kopfhörer ans Ohr Die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin Der FDP-Politiker Jorgo Chatzimarkakis

Im Februar 2011 entzog die Uni Bayreuth dem damaligen Verteidigungsminister zu Guttenberg den Doktortitel. Schavan kommentierte damals, dass sie den Entzug des Doktortitels nicht für eine Lappalie halte. [Bilder]


Opposition verlangt den Rücktritt

Ungeachtet der noch nicht rechtskräftigen Aberkennung des Titels fordert die Opposition den Rücktritt von Schavan. Als Vorbild für junge Doktoranden sei die Ministerin "denkbar ungeeignet", sagte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Sie habe zwar "nicht so dreist getäuscht" wie Verteidigungsminister Theodor zu Guttenberg (CSU): "Aber geschummelt ist geschummelt."

"Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich."

Annette Schavan am 1. März 2011 im Interview der "Süddeutschen Zeitung" über den wegen der Plagiatsvorwürfe gegen seine Doktorarbeit bald darauf zurückgetretenen Verteidigungsminister zu Guttenberg.

Die Grünen äußerten sich ähnlich. Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast sagte, mit einem "erschlichenen Hochschulabschluss" sei Schavan als Ministerin nicht glaubwürdig. Und ihr Kollege Jürgen Trittin erklärte dazu: "Bei allem Verständnis für die menschliche Härte dieser Entscheidung: Eine Wissenschaftsministerin, die wegen einer systematischen und vorsätzlichen Täuschung des Plagiats überführt wird", sei nicht mehr tragbar. Sie könne den Wissenschaftsstandort Deutschland nicht mehr glaubwürdig vertreten.

Der Klage Schavans räumte Trittin wenig Chancen ein. Sie können nur auf Verfahrensfehler abzielen: "Das heißt, der Klage ist wenig Aussicht auf Erfolg beschieden." Sie habe vor allem die Funktion, sich ohne eine Kabinettsumbildung über die Bundestagswahl zu retten. Nach Trittins Ansicht ist dabei beschämend, wie von Seiten der Union nun versucht werde, die Universität Düsseldorf zum Täter und Schavan zum Opfer zu machen.

Unions-Fraktionsvize Michael Kretschmer hatte im ZDF erklärt, er sei angesichts des Verfahrens "einigermaßen fassungslos". Gute wissenschaftliche Praxis hätte bedeutet, externe Gutachter zu holen, die vom Fach seien. Wäre das geschehen, "wäre das Ergebnis ein möglicherweise anderes  gewesen". Kretschmer forderte,  die Dissertation der Ministerin aus dem Jahr 1980 "in ihrer Zeit" zu bewerten. Er sei "überzeugt, dass diese Arbeit den Standards entspricht, die man vor 32 Jahren angewendet hat".

Höhn: "Der Schaden für das Amt ist bereits eingetreten"

Die Linke forderte Schavans Rücktritt, weil durch die Aberkennung ihres Doktortitels eine neue Lage entstanden sei. Bundesgeschäftsführer Matthias Höhn meinte, die Ministerin könne und müsse gegen die Aberkennung klagen. Als Ministerin an der Spitze könne sie jedoch trotzdem nicht bleiben: "Der Schaden für das Amt ist bereits eingetreten."

Zuletzt aktualisiert: 07. Februar 2013, 11:36 Uhr

8. Annett:
Oh - armes Deutschland, und so eine Frau ist Wissenschaftsministerin!!! Rücktritt ist mehr als überfällig!!!!!! Über Guttenberg hat sie sich noch soooo aufgeregt und "geschämt". Soo eine Heuchlerin!
06.02.2013
19:48 Uhr
7. Dietmar:
Mich würde interessieren, von wem dieser Herr "Plagiatsjäger" bezahlt wird.
06.02.2013
19:01 Uhr
6. Reiner Arndt:
Also, für mich hat wieder mal Herr Michael Kretschmer den Vogel abgeschossen! Was weiß er eigentlich von Promotionsregeln? Will er uns weismachen, vor 30 Jahren hätte noch das brave Abschreiben anderer Bücher als Doktorarbeit genügt? Eine merkwürdige Welt, in der dieser Mann lebt!
06.02.2013
18:29 Uhr
5. Eberhard Sonntag:
Frau Schavan sollte sofort zurück treten.Wenn wir im Volk das auch so machen würden wo kämen wir dahin.Kein Wunder daß das immer mehr Menschen im Volk das Vertrauen zu den Politikern verlieren und damit immer mehr Menschen zu den Wahlurnen nicht mehr gehen. Solche Leute gehören nicht in die Regierung
06.02.2013
18:17 Uhr
4. dr.med.w.adam:
Sofortiger Rücktritt dieser UN-Bildungsministerin kann die einzige Forderung zu Frau Schavan sein. Weiter ist da gar nichts nötig zu sagen wenn ein Bildungsminister ohne wissenschaftliche Basisbildung sich weigert die einzigmögliche Konsequenz zu zeigen. Wie peinlich für diese Frau und die ganze Regierung Merkel !!!
06.02.2013
16:31 Uhr
3. winfried:
Die damaligen und heutigen Uni-Entscheider bürgten bzw. bürgen mit ihrem akademischen Ansehen für die jeweilige Entschheidung. __ Frau Schavan wird es sicher leicht gelingen bei einer anderen Uni erneut den Dr-Titel bekommen. Sollen die doch sehen wo sie bleiben die Düsseldorf-Universianer.
06.02.2013
16:13 Uhr
2. Dr.Titel RiesenStartvorteil im öffentl.Dienst:
Ein Schelm wer Böses dabei denkt, ist doch vergleichsweise der Dr.Titel immer auch eine "Zierde" in Deutschland für die einstellende oder weiterbeschäftigende Behörde. Das dann später manch nicht geeigneter "Doktor" auf Posten, wo er keinen Schaden anrichtet, abgeschoben wird, steht auf einem ganz anderem Blatt (+ 1.200 EUR monatl. brutto).
06.02.2013
15:08 Uhr
1. SprachLoS Schäme Dich AS:
Meiner Ansicht nach, sollte Frau Schavan zurücktreten. Eine Bildungsministerin ohne akademischen Abschluss kann ich mir nicht vorstellen. Insoweit spricht der Umstand, dass es sich bei der Doktorarbeit gleichzeitig um ihren einzigen (durch "Prüfung" erlangten) akademischen Titel/Abschluss handelt nicht gegen, sondern für ihren Rücktritt. Dass Sie sich damals so vehement gegen Guttenberg ausgesprochen hat, ist ein weiteres starkes Argument. Nur sollte man sich in der Tat nicht vormachen, dass die anderen Politiker alle so tolle akademische Abschlüsse haben. Inzwischen gibt es doch gerade (aber nicht nur) bei Politikern von CDU/CSU/FDP überwiegend Juristen. Im Hinblick auf die Chancen, einen Abschluss zu erlangen, nicht gerade eines der anspruchsvollsten Studienfächer. Welcher Wert der anschließenden Doktorarbeit zukommt, zeigt die causa Schavan wieder einmal eindeutig.
06.02.2013
14:30 Uhr

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