Magdeburg : Schweinegrippen-Impfstoff ist verbrannt
Lediglich 15 Prozent des bestellten Schweinegrippen-Impfstoffes sind 2009 und 2010 aufgebraucht worden. Die Haltbarkeit des Serums ist längst abgelaufen, nun wurde der Millionen-Rest in Magdeburg verbrannt. Der Impfstoff war mehrere Millionen Euro wert. Kosten, die die Länder schultern müssen.
Millionen von übriggebliebenen Schweinegrippe-Impfdosen sind im Müllheizkraftwerk Rothensee in Magdeburg entsorgt worden. Bis Mittwochnachmittag wurden 16 Millionen Dosen verbrannt. Zuvor waren in den vergangenen Monaten bereits mehrere Millionen Dosen dezentral von Ärzten und Gesundheitszentren entsorgt worden. Insgesamt waren deutschlandweit nur 15 Prozent der insgesamt 34 Millionen bestellten Impfdosen genutzt worden.
Was die Länder zu schultern haben
Die Kosten für den ungenutzten Impfstoff haben die Länder zu schultern: 239 Millionen Euro. Die Krankenkassen kamen lediglich für die verabreichten Dosen auf. Allein Sachsen-Anhalt hatte 700.000 Impfdosen zu viel gekauft und blieb auf Anschaffungskosten von sechs Millionen Euro sitzen. In Sachsen beliefen sich die Kosten für den überschüssigen Impfstoff auf 13,8 Millionen Euro, in Thüringen auf sieben Millionen Euro.
Der Kauf war 2009 auf Drängen der Bundesregierung erfolgt, an den Ausfallkosten wollte sich der Bund aber nicht beteiligen – trotz Drängen der Länder. Das Magdeburger Heizkraftwerk hat nun als Entsorger das günstigste Angebot vorgelegt. Die Verbrennung soll 14.000 Euro kosten. Die Summe teilen sich erneut die Länder. Die 16 Millionen zu entsorgenden Dosen haben einen Wert von 130 Millionen Euro.
Auch Ausland wollte Impfstoff nicht
Geringes Interesse hatte zu den massenhaft überflüssigen Impf-Dosen geführt. Ebenso waren die Verbraucher durch die ungeklärten Nebenwirkungen des neu entwickelten Pandemrix-Impfstoffes verunsichert gewesen. Als weltweit die Angst vor der Schweinegrippe rapide sank, konnte der Impfstoff auch nicht mehr ins Ausland verkauft werden. Verhandlungen hatte es zwischenzeitlich mit Osteuropa, dem Irak und mit Pakistan gegeben. Die teuren Einkäufe hatten in Deutschland zu kontroversen Debatten geführt. Die Antikorruptionsbehörde Transparency International (TI) forderte im Oktober, den Schweinegrippen-Fehlalarm aufzuklären.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) rechtfertigte dennoch den Kauf der großen Mengen Impfstoff. RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher sagte MDR INFO, es sei nicht zu erwarten gewesen, dass die Grippe vergleichsweise mild verlaufe. Die Behörden hätten sich daher aussuchen können, ob sie dafür kritisiert werden zu wenig oder zu viel getan zu haben. In einem solchen Fall sei es jedoch deutlich sinnvoller, zuviel zu tun.
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte 2009 wegen der Schweinegrippe die höchste Pandemiestufe ausgerufen und damit für einen Ansturm auf den Impfstoff gesorgt. Für die Pharmaindustrie war es ein Milliardengeschäft. Allerdings erwies sich das H1N1-Virus im Vergleich zu üblichen Grippeerkrankungen als relativ harmlos.
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Schweinegrippe
Die Schweinegrippe wird durch Viren übertragen. Der Schweinegrippe-Virus vom Typ H1N1 löst Kopf- oder Gliederschmerzen, leichtes Fieber, Reizhusten und Schnupfen aus, also ähnliche Symptome wie eine ganz normale Grippe. In den Jahren 2009 und 2010 kam es in Deutschland zu mehreren Infektionsfällen, mit teils schwerem Verlauf und mehreren Toten. Von Herbst 2009 bis August 2010 wurden in Deutschland über 220.000 H1N1-Fälle an das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet. 250 Menschen starben. Inzwischen schützen normale Grippeimpfungen vor dem H1N1-Virus.





