Gefängnis-Ausbrecher : Flucht von Silvio T. war geplant
Spezialkräfte der Polizei haben am Freitag den in Aschersleben geflohenen Schwerverbrecher gefasst. Der 36-jährige Häftling aus der JVA Burg wurde an einem Auto festgenommen, das ein mutmaßlicher Helfer besorgt haben soll. Dieser wurde ebenfalls festgenommen. In Berlin war der als gefährlich geltende Mann bei einer Bekanntschaft untergekommen – mit drei Kindern.
Silvio T. ist bei seiner Flucht unterstützt worden. Das teilten Polizei und Landeskriminalamt am Sonnabend in Magdeburg mit, nachdem Spezialeinheiten der Polizei den 36-Jährigen am Freitagnachmittag an einem Auto in Berlin-Marzahn gestellt hatten. Das Auto soll ein Mann aus dem Ostharz besorgt haben, der noch am Freitagabend ebenfalls festgenommen wurde.
Silvio T. wohnte bei Mutter mit drei Kindern
Die Beamten hatten Silvio T. bereits Tage im Visier. Vor der Festnahme hatten sie eine Wohnung in Berlin observiert, in der er bei einer Familie mit drei Kindern untergekommen war. Vor einer Woche soll er die Mutter über einen Chat kennengelernt haben. Die Beamten betonten, die Frau habe von der Vergangenheit und der Flucht ihres Gastes nichts gewusst. Wegen der Kinder sei der Zugriff nicht in der Wohnung erfolgt.
Stattdessen warteten die Einsatzkräfte bis der Mann die Wohnung verließ. Beteiligt waren ein 15-köpfiges Spezialeinsatzkommando aus Berlin und 20 mobile Einsatzkräfte aus Magdeburg.
Bei der Festnahme habe Silvio T. keinen Widerstand geleistet. Laut Detlef Golz vom Landeskriminalamt soll er direkt nach der Festnahme gesagt haben: "Ich hätte nicht geglaubt, dass ihr mich so schnell findet." Auf der Fahrt ins Berliner Gewahrsam sei der Schwerverbrecher eingeschlafen, sagte Karl-Albert Grewe von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord.
Konsequenz: Fotos von Freigängern
Bis kurz vor der Festnahme konnten die Beamten T. nicht zweifelsfrei identifizieren. Golz zufolge habe der Flüchtige jetzt längere, dunklere Haare und Gewicht verloren. Die vergangenen Tage hätten ihm wohl Kraft gekostet, so Golz weiter. Problematisch war zudem, dass nach dem Mann mit einem drei Jahre alten Foto gefahndet worden war. Das soll künftig nicht noch einmal vorkommen. Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb hat bereits jetzt durchgesetzt, dass Häftlinge, die einen Ausflug in die Freiheit unternehmen, fotografiert werden müssen.
Am 14. August war T. bei einem bewachten Besuch bei seinem sechsjährigen Sohn in Aschersleben geflohen. Seine Bewacher hatten ihm zum Geburtstag seines Kindes die Fesseln abgenommen, sollen dabei aber einen Schlüssel übersehen haben. Bei seiner Flucht schloss T. die beiden Justizbeamten in der Wohnung ein und ließ den Schlüssel von außen stecken. Dadurch konnten ihn die Beamten nicht sofort verfolgen und T. konnte fliehen. Unklar ist, warum die beiden bewachenden Beamten den Besuch nicht abgebrochen haben. Zum Zeitpunkt der Flucht sollen sich weitere Kinder und ihre Mütter in der Wohnung aufgehalten haben. Laut Justizministerium ist das unzulässig. Gegen die bewachenden Justizbeamten laufe inzwischen ein Disziplinarverfahren.
Zur Sicherungsverwahrung verurteilt
Nachdem sich die Polizei bei der Fahndung zunächst auf die Region um Aschersleben konzentriert hatte, war der Mann bald bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben. Er ist wegen Vergewaltigung, Körperverletzung und Raub verurteilt, gilt als gefährlich und brutal. Noch bis 2024 muss er eine Haftstrafe absitzen. Anschließend soll er in Sicherungsverwahrung.
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