Syrien-Krieg Briten: Russland bombardiert kaum IS

Nach britischer Einschätzung richten sich die russischen Luftangriffe in Syrien kaum gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Verteidigungsminister Michael Fallon sagte der Zeitung "The Sun", Analysen der letzten Tage zeigten, dass nur fünf Prozent der Attacken IS-Zielen galten. Stattdessen bombardiere die russische Luftwaffe vor allem Gebiete, in denen Zivilisten lebten und nehme Kämpfer der Freien Syrischen Armee ins Visier.

eine Luftaufnahme zeigt Explosionen am Boden
Luftaufnahme zeigt Explosionen bei russischem Angriff in Syrien. Bildrechte: dpa

Damit bestätigen die Briten den Vorwurf der USA, Russland nutze die Luftschläge vor allem, um dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Kampf gegen die moderate Opposition zu helfen. Fallon kritisierte, mit dem russischen Einsatz werde die syrische Führung gestärkt und das Leiden der Bevölkerung verlängert.

Zudem sprach sich Fallon dafür aus, dass sich auch Großbritannien an Luftschlägen gegen den IS in Syrien beteilige. London dürfe die Arbeit nicht allein der französischen, australischen und der US-Luftwaffe überlassen.

Obama warnt - und reicht die Hand

US-Präsident Barack Obama warf Moskau vor, mit seinen Einsätzen den IS zu unterstützen. Russland schwäche die gegen das Assad-Regime kämpfenden gemäßigten Rebellen, sagte Obama.  Dieser russisch-iranische Ansatz, dass Rebellen und IS gleichermaßen alle Terroristen seien, führe in eine Katastrophe. Teil des Problems in Syrien sei eindeutig Assad. Obama nannte ihn erneut einen brutalen, skrupellosen Diktator, der sich dank der Hilfe Russlands und des Irans an der Macht halte.

Die USA sind Obama zufolge dennoch bereit, Moskau und Teheran an einer politischen Lösung für die Zukunft Syriens zu beteiligen. Er wies Einschätzungen zurück, dass Washington und Moskau sich in Syrien in die Quere kommen würden und der Syrien-Konflikt zu einem Stellvertreterkrieg ausarten könnte. Obama sagte, die russische Koalition bestehe lediglich aus Assad und dem Iran, "unsere besteht aus dem Rest der Welt".

 Moskau weist Vorwurf von sich

Russische Kampflugzeuge vom Typ Sukhoi Su-27
In Syrien sind russische Kampfjets vom Typ Su-27 im Einsatz Bildrechte: dpa

Kremlchef Wladimir Putin ließ am Rande des Ukraine-Gipfels in Paris Kritik an den russischen Luftangriffen zurückweisen. Die Attacken richteten sich gegen die IS-Miliz und Al-Nusra. Ein Sprecher sagte, die russische Luftwaffe agiere gemäß Völkerrecht  - und auf Bitte der syrischen Führung. Ziel sei es, die territoriale Integrität Syriens zu erhalten.

Russland fliegt seit Mittwoch Luftangriffe in Syrien - gegen die Extremisten des IS und der Al-Nusra-Front sowie gegen andere "Terroristengruppen". Westliche und arabische Staaten werfen Moskau aber vor, auch gemäßigte Rebellengruppen zu bombardieren.

Zuletzt aktualisiert: 03. Oktober 2015, 06:19 Uhr

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8 Kommentare

03.10.2015 16:06 Manfred 8

Putin ist sehr schlau und zielstrebig .Er verfolgt nur seine Interessen, da geht er strategisch vor,weil er die Stützpunkte in Syrien unbedingt braucht.Das kann er nur mit Assad und deshalb wird er das durchziehen.

03.10.2015 15:23 Kritischer Bürger 7

Nun dann mal die Feststellung: Wann beharken sich die Großmächte über syrischen Luftraum. Die Verschlechterung und die Leiden der Bevölkerung in den Kriegsgebieten ist dann wohl auch gewollt als "Rückantwort" der russischen Regierung unter Putin auf Sanktionen gegen Russland von Seiten Deutschland´s und der EU. Wer hat denn danach die Folgen der Vertreibungen, der Völkerwanderung und dem Flüchtlingselend zu tragen? Eine Farge die sicherlich so mancher sich mal stellen sollte!

03.10.2015 12:46 Mick 6

Spannend zu beobachten, wie die westlichen Schergen ihre eigenen Frevel (nämlich den Schutz des IS) nun dem Russen vorwerfen. Hier sieht man die Hilflosigkeit und moralischer Verdorbenheit der westlichen Machthaber.

03.10.2015 11:53 Markus 5

USA bombardieren wo sie wollen. Die Briten bombardieren wo sie wollen. Die Französen bombardieren wo sie wollen. Auch die Russen bombardieren wo sie wollen. Was ist hier falsch? Warum soll Rußland anders machen, wenn alle machen, was jedem gefällt?

03.10.2015 10:16 Ralf Richter 4

Ja,ja die Russen.
Aber die Frage stellt sich doch ganz anders. Warum mischen wir uns in syrische Angelegenheiten? Warum führen wir wieder Stellvertreterkrieg? Hat denn niemand aus Vietnam, Afghanistan Wenn das syrische Volk Veränderungen wünscht, müssen diese Veränderungen auch vom syrischen Volk ausgehen und nicht von irgendwelchen, durch westl. Geheimdienste gesteuerte "Rebellen" oder IS-Kämpfern.

03.10.2015 09:30 Randbemerkung 3

..."Russland schwäche die gegen das Assad-Regime kämpfenden gemäßigten Rebellen,..." Der "Welt" entnehme ich, dass sich Herr Obama große Sorgen um seine Mitarbeiter der CIA macht, die vor Ort die "gemäßigten" Rebellen unterstützt. Die USA teilt also ein, wer ein "guter" und wer ein "böser" Rebell ist und unterstützt selbstverständlich die "Guten". Eigentlich müssten die USA nach dem zweiten Versuch "gute" Rebellen heranzuzüchten etwas lernfähiger werden. In Afghanistan wurden die Taliban (einst im Kampf gegen Russland) hochgerüstet und man schaue, was daraus geworden ist. Das gleiche Spiel im Irak... die Basis der IS Kämpfer rekrutierte sich aus den "Guten", welche die USA etablierte, um Saddam zu stürzen. Der dritte Versuch mittels "guter" Rebellen das Assad Regime zu stürzen endet damit, dass die USA die Russen zur Beteiligung aufgefordert haben. Das Putin eine andere Vorstellung von guten und bösen Rebellen haben dürfte, scheint der Weltmacht USA dabei scheinbar entgangen zu sein.

03.10.2015 08:00 Henriette 2

Zitat: "Zudem sprach sich Fallon dafür aus, dass sich auch Großbritannien an Luftschlägen gegen den IS in Syrien beteilige. " ---wann, wenn es zu späte ist? ............ Zitat: "Obama sagte, die russische Koalition bestehe lediglich aus Assad und dem Iran, "unsere besteht aus dem Rest der Welt"." ---bis jetzt hat es aber der"Rest der Welt" nicht geschafft den IS in die Schranken zu weisen. Da wird zugeschaut, wie zum Beispiel sinnlos Weltkulturerbe zerstört wird. Ach so, neben bei noch Personen geköpft. Wo bitte ist der Rest der Welt, der dem mal Einhalt gebietet?

03.10.2015 07:46 Ela 1

Der Westen sollten am besten den Mund halten und nur noch zu sehen. Diese Situation haben sie zu verantworten. Wenn Putin sagt, sie unterstützen Assad, dann ist das, was er gerade tut doch in Ordnung.