Eine Familie spielt zusammen
Das traditionelle Familienbild mit Vater, Mutter und Kindern wird inzwischen um eine Vielzahl anderer Lebensmodelle ergänzt, beobachten Soziologen. (Archivbild) Bildrechte: Colourbox.de

Familienbild Kritik an Deutscher Telekom für Werbespot mit homosexuellen Paaren

"Werbung ist, wenn man darüber spricht", lautet eine simple These. Wenn das stimmt, dann hat die Deutsche Telekom derzeit einen sehr großen Werbeerfolg, nämlich einen 40-sekündigen Film, der derzeit vor vielen Kinobesuchen zu sehen ist. Dabei geht es um Familie. Die Reaktionen darauf sind zwar zahlreich, aber auch negativ, denn die Telekom zeichnet ein völlig neues Familienbild.

von Michael Voß, MDR AKTUELL

Eine Familie spielt zusammen
Das traditionelle Familienbild mit Vater, Mutter und Kindern wird inzwischen um eine Vielzahl anderer Lebensmodelle ergänzt, beobachten Soziologen. (Archivbild) Bildrechte: Colourbox.de

Grell und bunt, mit schnellen Schnitten – so zeigt sich der Werbespot der Deutschen Telekom. Darin präsentiert das Unternehmen seine neue Werbefamilie. Oder vielmehr sind es viele verschiedene Werbefamilien: Eltern, Großmutter, Kinder. Drei Männer, eine Frau. Drei Kinder, Mann und Frau. Zwei Frauen mit Baby. Vater, Mutter und zwei Töchter – alle an Musikinstrumenten. Punker mit älterer Dame und älterem Herrn. Ausländische Großfamilie. Vier Damen, die offenbar Herren sind. Zwei nackte Männer mit zwei nackten Frauen. Vier Hunde.

Telekom: Formen des Zusammenlebens sind vielfältig

Für jeden ist etwas dabei. Entsprechend unterschiedlich sind die Reaktionen bei Twitter. Es gibt viel Zustimmung, aber auch Kritik. Auf den Hinweis des Unternehmens, die Werbefamilien der vergangenen Jahre seien unrealistischer und seltener, fragt ein Nutzer: "Die klassische Familie ist seltener als das Homopaar?" Auf die Kritik an der Kombination "Mutter, Mutter, Kind", antwortete die Telekom bei Twitter:

Das ist eine Familie. Wer das Kind gezeugt hat, ist für eine Familie irrelevant.

Deutsche Telekom Twitter

Die Telekom selbst hält sich inzwischen zurück und ergänzt den Begriff "Familie" bereits in der offiziellen Stellungnahme durch eine andere Formulierung. Pressesprecher Rene Bresken: "In unserem neuen Werbespot geht es um ein Angebot für Familien und für weitere Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens. Und diese sind heutzutage sehr vielfältig. Aber was sie eint, das ist der Zusammenhalt. Und das wird in unserem Spot dargestellt."

Evangelikale Christen: Regelfamilie kommt nur am Rande vor

Einer der Kritiker des Telekom-Werbefilms ist der Geraer Theologe Uwe Heimowski. Er ist politischer Beauftragter der Evangelischen Allianz, einem Zusammenschluss evangelikaler Christen: "Also ich finde, dass Werbung eine riesengroße Verantwortung hat. Sie spiegelt ja nicht nur etwas, sondern sie gibt etwas vor." Wenn die Telekom ein buntes Familienbild zeichne, dann sei das einerseits gut, weil Familie wirklich bunter geworden ist. Aber:

Die Regelfamilie – Vater, Mutter, Kind – kommt da fast nicht vor, mehr so am Rande und dann noch so ein bisschen skurril. Und das ist natürlich tragisch.

Uwe Heimowski | Theologe

Wissenschaftler: Eltern mit leiblichen Kindern sind die Regel

Wie sehen Familien in Deutschland heute wirklich aus? Für den Hallenser Soziologie-Professor Oliver Arránz Becker ist klar: Die Familienstruktur hat sich tatsächlich gewandelt. Es gäbe mittlerweile viele gleichgeschlechtliche Eltern mit Adoptiv-Kindern. Doch: "Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass heutzutage das dominante Modell, was die Menschen leben, nach wie vor eigentlich das der Kernfamilie mit verheirateten Eltern ist, mit leiblichen Kindern. In zwei Dritteln der Familien mit minderjährigen Kindern wird dieses Modell gelebt."

Allerdings gäbe es einen deutlichen West-Ost-Unterschied: In den neuen Bundesländern sind nur ein Drittel aller Eltern verheiratet, während es in den alten Bundesländern zwei Drittel aller Eltern sind. Aber diesen Unterschied sieht man Familien ja nicht an.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 17.02.2017 | ab 11:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2017, 08:19 Uhr

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9 Kommentare

17.02.2017 16:30 Carsten Sänger 9

@Hr. Riesler
Ihre Ausdrucksweise spricht für sich und verrät viel über Sie. Sie hätten Ihre Komplexe ruhig für sich behalten können.
Die Anmerkung von Hr. Heimowski, die Normalität komme in der Werbung nicht vor, ist eine sehr zurückhaltende Kritik. Sie rechtfertigt nicht derartige Hasstiraden wie die Ihre. Von Glauben und Christsein haben Sie auch keine Ahnung, wie man an Ihrer Einlassung zur Taufe sieht.
Und wenn Sie keine Ahnung haben, sollten Sie einfach den Teil Ihres Gesichts geschlossen halten, auf den Martin Luther beim Volk geschaut hat.
Übrigens: Im Westen schimpft man auf Frau Merkel als FDJ- und Ossifrau, im Osten als Christin. Da findet jeder was zum Meckern ...

17.02.2017 14:57 Brigitte Schmidt 8

Ich danke Herrn Heimowski ausdrücklich für seine gute und klare Positionierung! Seine Einschätzung ist vollkommen richtig. Und er hat sich in keinster Weise verachtend oder intolerant geäußert. Was man von diversen Kommentaren (1,3,6) hier nicht behaupten kann. Diese gießen gleich wieder ihre Verachtung für Kirche und Christentum hier aus ohne zu wissen, aus welchen Wurzeln auch ihr Leben sprießt.

17.02.2017 11:51 Ute Guthold 7

Warum wohl hat gerade die Telekom so ein Interesse an Alleinerziehenden und Homosexuellen??
Was wird wohl der wahre Grund sein???

17.02.2017 11:44 Peter Riesler 6

So ist es, wie in den Kommentaren 3 und 4 benannt.

Keine Macht den Kirchen! Die, die welche die Zusammenhänge von Zeit und Raum nicht verstehen, sollen sich Sonntags in ihrer Gruft sammeln und einem arbeitsscheuen Salärträger zuhören. Andere sind da schon tätig, um wirkliche Hilfe zu leisten.

Warum wohl werden Kinder getauft, wenn sie noch ganz klein sind?. Richtig, weil sie sich dann noch nicht wehren können.

Wohin uns die Christin geführt hat, sehen wir seit 2015!

17.02.2017 11:20 Ute Guthold 5

Ich finde, hier wird massiv gegen das Wohl der Kinder und ihrer Mütter vorgegangen. Eine Alleinerziehende Mutter ist in Wirklichkeit ohne Schutz und muss um Unterstützung kämpfen. Eine Job zu haben, ist für Alleinerziehende unumgänglich und zugleich wird sie darauf verzichten müssen, ihre Kinder selbst zu erziehen. Sie wird die Erziehung dem Staat überlassen müssen. Die Kinder gehören sozusagen nicht mehr nur Ihr. Die Sehnsucht der Kinder nach Liebe ,
Anerkennung und Sicherheit kann eine Alleinerziehende viel weniger stillen, als es in einer herkömmlichen Familie möglich ist.
Wenn die kleinste Zelle einer Gesellschaft gesprengt wird, die Familie im herkömmlichen Sinne, ist diese Gesellschaft dabei, sich aufzulösen.

17.02.2017 09:54 h2o 4

Dummheit wird gemacht
mit Werbung, Lügen, Macht.

Erhard Horst Bellermann
(*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker

17.02.2017 09:30 Chemnitzer 3

Uwe Heimowski ; "politischer Beauftragter der Evangelischen Allianz"?
Er wird Zeit, das in Deutschland endlich eine strickte Trennung von Staat und Kirche durch gesetzt wird!

17.02.2017 08:47 Brennabor 2

Ich glaube nirgends wird so viel Werbung für
Hunde gemacht, wie in Deutschland !
Fast in jedem Fernsehfilm werden Hunde
getätschelt und die Unmengen an Hundekot
nehmen täglich zu.

17.02.2017 08:46 Roberto 1

Soso, der Theologe macht sich also Sorgen um die Regelfamilie, weil andere "Verbindungen" ebenso als "normal" dargestellt werden - wie armselig. Gibt es unter den Formen des Zusammenlebens neuerdings einen Verdrängungswettbewerb? Herr Heimowski, skurril ist nur Ihre Denke, sonst nichts.