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Thüringen-Trend : Thüringer finden Schwarz-Rot gut - und doch nicht

Ein repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des MITTELDEUTSCHEN RUNDFUNKS hat aufschlussreiche Ergebnisse gebracht: Die Regierungsparteien in Thüringen profitieren von ihrer Koalition, der "kleine Partner" SPD sogar noch stärker, während die Opposition größtenteils an Zustimmung einbüßt. Allerdings kommen die Thüringer bei der Bewertung der Arbeit der Regierungskoalition zu einer deutlich negativeren Einschätzung. Auch sprechen sich die Thüringer in dieser Umfrage klar für Zivilcourage im Kampf gegen den Rechtsextremismus aus.

CDU und SPD in Thüringen profitieren von ihrer vor zweieinhalb Jahren gebildeten Koalition. Beide Parteien haben seit der Landtagswahl 2009 in der Wählergunst zugelegt. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des MDR. Danach könnte die CDU in einer Landtagswahl jetzt mit 35 Prozent der Stimmen rechnen, was 3,8 Prozentpunkte mehr wären als 2009. Die Sozialdemokraten kämen laut Umfrage auf 24 Prozent Stimmenanteil und damit auf 5,5 Prozent mehr als 2009. Somit profitieren sie sogar noch mehr von der Regierungsbeteiligung als ihr Koalitionspartner.

Deutliche Verluste gibt es hingegen für Linke und FDP. Die Linke käme laut Umfrage auf 23 Prozent, würde also 4,4 Prozentpunkte verlieren. Die Liberalen kommen in der Umfrage nur noch auf zwei Prozent und wären damit nicht mehr im Landtag vertreten. Während die Grünen in etwa auf ihrem Ergebnis von 2009 verharren, kommt die noch junge Piratenpartei auf sechs Prozent. Sie würde also - wie schon in Berlin, im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Nordrhein-Westfalen - auch in den Thüringer Landtag einziehen.

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Mehrheit ist mit Arbeit der Koalition nicht zufrieden

Zu einer deutlich anderen Einschätzung der Koalition kommen die Befragten jedoch bei der Frage, wie zufrieden sie mit der Arbeit des Regierungsbündnisses von CDU und SPD sind. Hier gab eine deutliche Mehrheit von 56 Prozent an, mit der Arbeit der Koalition weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden zu sein. Zufrieden und sehr zufrieden sind 39 Prozent. Die positive Einschätzung ist bei CDU-Anhängern deutlich stärker ausgeprägt als bei denen der SPD.

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Bei der Beurteilung einzelner Thüringer Spitzenpolitiker schneidet Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) am besten ab. Über ihre Arbeit zeigten sich 60 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden, 26 Prozent sind es weniger oder gar nicht. Ihr Stellvertreter in der Landesregierung, Kultusminister Christoph Matschie von der SPD kommt schlechter weg: Seiner Arbeit stellten 39 Prozent der Befragten ein gutes bis sehr gutes Zeugnis aus, 43 Prozent sind weniger oder gar nicht zufrieden.

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CDU-SPD-Koalition genießt Wählerpräferenz

Sein Kabinettskollege und Parteifreund Matthias Machnig ist hingegen im Bewusstsein der Wähler nicht so präsent: Bei der Beurteilung seiner Arbeit gab es bei 34 Prozent der Befragten ein "Daumen hoch", bei 22 Prozent ein "Daumen runter" - und 44 Prozent gaben an, Machnig nicht zu kennen oder seine Arbeit nicht beurteilen zu können. Noch weniger bekannt bei den Wählern ist Finanzminister Wolfgang Voß (CDU). Bei ihm gaben 67 Prozent der Befragten an, ihn nicht zu kennen oder seine Arbeit nicht beurteilen zu können. Immerhin 18 Prozent zeigten sich zufrieden oder sehr zufrieden, 15 Prozent gaben eine negative Einschätzung seiner Arbeit an.

Bei den Vorsitzenden der Oppositionsfraktionen im Landtag schneidet der Linke-Politiker Bodo Ramelow am besten ab. Seine Arbeit beurteilten 37 Prozent der Befragten positiv, 36 Prozent gaben eine negative Einschätzung ab. 25 Prozent der Befragten kennen Ramelow nicht. Noch unbekannter sind Uwe Barth von der FDP (55 Prozent) und Anja Siegesmund von den Grünen (74 Prozent). Immerhin überwiegt bei der Grünen-Politikerin die positive Bewertung ihrer Arbeit, während der Liberale Barth ein schlechteres Zeugnis erhält.

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