"Power to the Bauer" : Massenprotest gegen Massentierhaltung
In Berlin haben Tausende Menschen für einen Systemwechsel in der Agarpolitik und gegen die industrielle Produktion von Lebensmitteln demonstriert. Rund 23.000 Menschen zogen mit Trillerpfeifen, Trommeln und Kuhglocken durch die Stadt - und damit doppelt so viele wie erwartet. Auf Transparenten stand zu lesen "Power to the Bauer" oder "Gentechnik nicht auf meinem Teller".
Gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik und Tierquälerei
Die Demonstranten waren dem Aufruf von mehr als 90 nichtstaatlichen Veranstalterorganisationen gefolgt, darunter der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND, der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter, der Evangelische Entwicklungsdienst und die Katholische Landjugendbewegung. Anlass ist die Grüne Woche, die noch bis Ende Januar in Berlin stattfindet. Der stimmgewaltige Protest richtete sich gegen Lebensmittelskandale, Gentechnik im Essen und Tierquälerei in Megaställen. Die Demonstranten forderten, die Förderung landwirtschaftlicher Betriebe künftig mit ökologische und soziale Maßstäben und Tierschutzstandards zu verbinden, Subventionen für Großbetriebe zu begrenzen sowie Subventionen für Agrarexporte zu streichen.
BUND: Förderpolitik drängt Kleine ins Aus
Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sagte auf einer Kundgebung, die deutsche Politik sei zunehmend mitverantwortlich für den Hunger in der Welt. Sie helfe korrupten Systemen und zerstöre durch Billigfleischexporte regionale Strukturen. Auch in Deutschland stünden wegen des Drucks der Billigproduktion der Agrarkonzerne viele Bauernhöfe vor dem Aus. Antibiotika in der Massentierhaltung bedrohe die Gesundheit der Menschen: "Die Agrarpolitik muss gerechter, fairer und ökologischer werden."
Die Star-Köchin Sarah Wiener sagte angesichts immer neuer Lebensmittelskandale: "Wir müssen weg von der Agrarindustrie, hin zu einer bäuerlichen und nachhaltigen Landwirtschaft." Die Sprecherin von "Friends of the Earth", die Nigerianerin Mariann Bassey, forderte, Europa müsse weg von der Überproduktion und Fleischexporten. Für das Menschenrecht auf Nahrung müssten Lebensmittelspekulationen und der Agrospritboom ausgebremst werden.
Initiative aus Weißenfels protestiert gegen Tönnies
Auch die Bürgerinitiative Pro Weißenfels beteiligte sich an der Großdemonstration. Die Initiative setzt sich seit Jahren gegen die Fleischgroßfabrik Tönnies mitten im Stadtgebiet ein. Dort ist geplant, künftig mehr als 20.000 Schweine pro Tag zu verarbeiten.
Die Initiative kritisiert Wettbewerbszverzerrungen zu Lasten kleinerer und mittlerer Schlachtbetriebe. Sie verlangt, dass solche Konzerne weder kommunal, landespolitisch oder durch EU-Gelder gefördert werden dürfen.
Vierter Agrarministergipfel auf Grüner Woche
Auf der Grünen Woche selbst fand am Sonnabend zum vierten Mal ein Agrarministergipfel statt. Daran nahmen die Ressortchefs aus mehr als 70 Ländern teil. Bundesagrarministerin Ilse Aigner sagte, man habe vereinbart, im Kampf gegen Hungersnöte stärker zusammenzuarbeiten als bisher. Um die Ernährung aller Menschen auf der Welt zu sichern, müssten Ernteverluste auf das absolute Minimum verringert werden, sagte die CSU-Politikerin. Andere Minister forderten, die Produktion von Nahrungsmitteln zu steigern und neue Anbauflächen zu gewinnen.



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