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Drama in Leipzig : Kleiner Junge verdurstet offenbar neben toter Mutter

Eine 26 Jahre alte Frau und ihr zweijähriger Sohn sind in einer Wohnung im Leipziger Stadtteil Gohlis tot aufgefunden worden. Wie ein Sprecher der Polizeidirektion Leipzig mitteilte, wird ein Verbrechen ausgeschlossen. Ersten Ermittlungen zufolge sei der Junge wahrscheinlich verdurstet. Das Kind sei allein und hilflos in der Wohnung zurückgeblieben, nachdem die Mutter gestorben war, sagte der Sprecher.

Staatsanwalt Ricardo Schulz wollte Berichte zunächst nicht bestätigen, wonach bei der drogenabhängigen Mutter ein multiples Organversagen vorlag. Die Obduktion der beiden Toten sei abgeschlossen, sagte Schulz. Die Ergebnisse bezeichnete er aber als vorläufig. Zu den genauen Todesursachen wollte er sich deshalb noch nicht äußern.

Hilfe zur Erziehung abgelehnt

In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte das Leipziger Jugendamt am Freitag, die Mutter sei der Behörde seit ihrem 16. Lebensjahr wegen Drogenmissbrauchs bekannt gewesen. Wie die Chefin des Allgemeinen Sozialen Dienstes Leipzig, Sibyll Radig, erklärte, war die junge Frau im Hilfesystem für Suchtkranke betreut worden. Einen ersten direkten Kontakt mit dem Jugendamt habe es 2009 gegeben. Die 26-Jährige sei nach der Geburt des Kindes im April 2010 in eine Mutter-Kind-Einrichtung gezogen. Danach habe sie eine Drogentherapie begonnen.

Den letzten Kontakt der Jugendbehörde mit der Alleinerziehenden habe es am 10. April dieses Jahres gegeben, erklärte Radig weiter. "Die Mutter war mit neuem Lebenspartner und Kind bei uns und teilte mit, dass sie wegziehen will", sagte Radig. "Kind und Mutter machten einen guten Eindruck." In den Folgemonaten habe es immer wieder Besuche durch den ASD gegeben, die teilweise durch Hinweise aus der Drogensuchthilfe angeregt worden seien. Bei keinem dieser Besuche habe es Hinweise darauf gegeben, dass das Wohl des Kindes in irgendeiner Weise gefährdet sein könnte. Die vom Jugendamt angebotene Hilfe zur Erziehung habe die Frau abgelehnt.

Jugendamt nicht informiert

Jugendamtsleiter Siegfried Haller fügte an, dass "die Lücke vom 10. April bis zu dem Tag, an dem es passiert ist, nicht geschlossen werden kann". Es müsse nun genau geprüft werden, ob bei den Behörden die bundesweit geltenden Standards eingehalten worden seien. "Wir werden im Nachgang auch die Schnittstellen im Beratungssystem prüfen", sagte Haller. Er selbst habe erst aus den Medien von dem Fall erfahren. Kontakt zur Polizei hatte er nach eigenen Angaben erstmals am Freitag.

Auf die Frage, warum der Frau das Sorgerecht für das Kind nicht entzogen worden sei, obwohl ihre Drogensucht doch bekannt war, antwortete Haller, dass über einen solchen Sorgerechtsentzug nur das Familiengericht hätte befinden können. Derzeit sei auch nicht zu erkennen, dass es an irgendeiner Stelle im Jugendamt zu Verstößen gegen die Verfahrensregeln gekommen sei. Allerdings habe das Jugendamt auch keinen kompletten Überblick über sämtliche Erkenntnisse, die eventuell bei Drogenhilfe, Polizei oder Jobcenter vorlägen.

Fall erst Tage später bekannt

Die Mutter und ihr Sohn waren in der Nacht zum vergangenen Sonntag in der Wohnung im Leipziger Stadtteil Gohlis tot aufgefunden worden. Die Polizei hatte den Fall erst am Donnerstag bekannt gemacht. Unklar ist noch, warum die kleine Familie niemand vermisst oder mögliche Hilferufe des Zweijährigen gehört hat. Mit Verweis auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte machte die Staatsanwaltschaft Leipzig keine Angaben zum Vater des Kindes. Die Angehörigen seien informiert worden, sagte Staatsanwalt Schulz lediglich.

Zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2012, 17:09 Uhr

6. Stk:
Alle die hier etwas sagen, haben keine Ahnung wie schwer es das Jugendamt hat ! Das traurige ist doch, das sich Nachbarn so etwas von fremd sind. Armes Deutschland!
23.06.2012
13:10 Uhr
5. Dietmar:
Wozu gibt es eigentlich das Jugendamt? Unser Enkel ist mit Duldung das Amtes bei seiner Mutter, die offen sagt, dass sie das Kind nur der Geldes wegen bei sich hat. Dem Kind geht es dort nicht gut, es wird nicht mal in den Kindergarten geschickt weil das Essengeld von der Mutter verprasst wird. Kleidung in Konfektionsgröße 5 Nummern zu groß oder 3 zu klein, im Winter Sandalen statt Halbschuhe. Als Vater hat man in diesem Land keine Chance das Kind zu bekommen, auch wenn das Kind dort bedeutend besser aufgehoben wäre. Einige Monate war eine Betreuerin vom Amt da, die nichts sieht [...]*. Vor Gericht wurde verloren, da Mitarbeiterin vom Amt war nicht mal geladen. Nun geht alles den gewohnten Trott. Das Kind ist niur Mittel zum Zweck und das Amt schließt die Augen. So nun auf zur Zensur MDR!!!! * Beleidigung gelöscht - MDR.DE-Redaktion
22.06.2012
19:55 Uhr
4. hmüller:
Wenigstens wird in dem Beitrag von Drogenabhängigen und nicht Kranken gesprochen. Bei dem in letzter Zeit häufig gebrauchtem Begriff einer Drogenkranken frage ich mich da jedesmal, wann sie da ne Rente bezieht für ihre Sauereien.
22.06.2012
18:25 Uhr
3. @linksnaiver Faßbender:
Ihre omnipräsente Systemkritik ist einfach nur noch lächerlich. Wie wäre es, wenn Sie linker Bürger einfach mal das Siechtum des Drogenmilieus angreifen würden. Das würde aber bedeuten, dass die Polizei Drogendealer härter rannehmen müsste, ein Gedanke der solch linken Bürgern wie Sie einer sind gar nicht gefallen kann. Man ja gar nicht genug öffentliche Methadonprogramme starten vor lauter drogenabhängigem [...]*, was sich [...]* hier breitgemacht hat. * Beleidigung und inhaltlich nicht belegbare Fakten gelöscht - MDR.DE-Redaktion
22.06.2012
17:47 Uhr
2. Reiner Arndt:
@H. Faßbender: Es klingt vielleicht zynisch, ist aber nicht so gemeint, wenn ich sage: Das ist der Preis der Freiheit! Das Erziehungsrecht von Müttern und Vätern ist so hoch angebunden, dass es sogar vom GG garantiert wird, und Eingriffe sind nur ganz, ganz selten zulässig - da muss eine Mutter nicht nur ihr Kind so schwer misshandelt / vernachlässigt haben, sodass Lebensgefahr besteht, dies muss auch lückenlos bewiesen und dann noch von einem zuständigen Gericht abgenickt werden! Seien wir ehrlich: Welcher Jugendamtsmitarbeiter setzt schon gern einen solchen Apparat in Gang, um dann am Ende vielleicht nicht mal durchzukommen mit seiner Entscheidung?!
22.06.2012
17:20 Uhr
1. Heinz Faßbender:
Das ist doch wohl alles nur noch ein Irrsinn in diesem Land.....
22.06.2012
16:18 Uhr

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