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Studie zur Korruption : Journalisten finden Gefallen an Gefälligkeiten

Unter der Überschrift "Gefallen an Gefälligkeiten" ist in Berlin eine Kurzstudie vorgestellt worden, in der es um Korruption im Journalismus geht. An der Erhebung beteiligt waren unter anderen Transparency International Deutschland, das Netzwerk Recherche und das Institut Journalismus der TU Dortmund.

von Andrea Müller

Der Raum war klein, das Interesse der Hauptstadt-Journalisten war groß. Und das hat die Veranstalter dann doch überrascht. Denn die Studie von Netzwerk Recherche und Transparency International Deutschland wirft kein gutes Licht auf die Medienmacher. "Gefallen an Gefälligkeiten" lautet die Überschrift, es geht um käufliche Journalisten. Günter Bartsch vom Netzwerk Recherche berichtet über Autojournalisten, die monatelang Testwagen fahren dürfen, oder eine Luxusreise für Wirtschaftsjournalisten auf Kosten von Thyssen Krupp. "Die sind mit einem Firmenflieger nach Frankfurt gebracht worden, von dort weiter First Class nach Johannesburg. Sie durften im südafrikanischen Busch einen recht opulenten Aufenthalt in einer teuren Lodge verbringen. Man muss sich nur mal vorstellen, Betriebsräte oder Politiker hätten sich von Thyssen-Krupp einladen lassen in so ein Luxushotel - wie da der mediale Aufschrei gewesen wäre."

Netzwerk Recherche und Transparency International geben Denkanstoß

Die Beispiele sind nicht neu. Netzwerk Recherche und Transparency International haben sie trotzdem noch einmal zusammengetragen zu einer - wie sie es nennen - Kurzstudie. Mitgearbeitet haben die Otto Brenner Stiftung und das Institut für Journalistik an der Technischen Universität Dortmund. Nur die, um die es geht, haben nicht mitgezogen. 30 Chefredakteure von Tageszeitungen wurden angeschrieben. Nur zwei haben auf die Fragen der Wissenschaftler geantwortet. Warum? Günter Bartsch vom Netzwerk Recherche kann es nur vermuten, man wollte offenbar das eigene Nest nicht beschmutzen. Und dabei zeige doch das neue Korruptionsbarometer, wie dringend mehr Transparenz ist.

"Dass Medien erstmals als korrupter wahrgenommen werden als die öffentliche Verwaltung und das Parlament, das sollte die Verlage und Sender eigentlich nachdenklich machen."

Günter Bartsch vom Netzwerk Recherche

Redaktionen brauchen Verhaltenskodex

"Nicht nur nachdenken, sondern auch handeln", fordert Jürgen Marten von Transparency International. Die Redaktionen brauchten konkrete Regeln, Kontrollen und Sanktionen. Die großen Wirtschaftsunternehmen hätten längst verstanden, dass Korruption nicht nur der Glaubwürdigkeit schadet, sondern den Bilanzen gleich mit. In vielen Medienunternehmen sei das aber offenbar noch nicht angekommen. "Das ist ja ein Grund, warum wir immer wieder Druck machen und wir sagen 'Ihr müsst das machen, das ist in eurem Interesse. Das ist nicht in einem investigativen Interesse von uns, irgendwelche Skandale aufzudecken.' Ich bin da auch ganz zuversichtlich, dass das geschehen wird. Und was man aus der Diskussion mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk so erfährt, da gibt es schon ein zunehmendes Bewusstsein, dass man das machen muss." Viele Beispiele und ein paar Vorschläge. Was wirklich Neues haben die Journalisten in Berlin heute nicht erfahren. Netzwerk Recherche und Transparency wollten mit der Kurzstudie offenbar erst mal den Druck erhöhen. Man müsste das mal wissenschaftlich untersuche, sagen sie. Einen schönen Titel für die Doktorarbeit aber haben sie ja schon mal geliefert: Gefallen an Gefälligkeiten.

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2013, 20:14 Uhr

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