Neue Vorwürfe : Privatversicherte bei Organtransplantationen bevorzugt?
Privatversicherte Kranke werden angeblich bei der Vergabe von Spenderorganen bervorzugt. Nach Daten des Gesundheitsexperten der Grünen, Harald Terpe, ist der Anteil der Privatversicherten bei den Transplantationen höher als ihr Anteil auf den Wartelisten. Wie die "Frankfurter Rundschau" berichtet, belegen das Zahlen der zentralen Organvermittlungsstelle Eurotransplant.
Missverhältnis bei allen Organen
Demnach waren im vergangenen Jahr nur 9,7 Prozent aller Patienten, die auf eine Leber warteten, privat versichert – der Anteil der Organempfänger lag aber bei 13,1 Prozent. Ein ähnliches Missverhältnis gibt es dem Bericht zufolge bei der Vergabe von Herzen (9,5 Prozent auf Warteliste/11 Prozent der Transplantationen), von Lungen (6,9 zu 9,5) und Bauspeicheldrüsen (2,6 zu 4,0).
Auch beim sogenannten beschleunigten Verfahren, bei dem die Transplantationskliniken in bestimmten Fällen selbst die Organempfänger auswählen dürfen, lag der Anteil der Privatversicherten demnach höher als auf der Warteliste. Terpe forderte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr auf, dies so schnell wie möglich aufzuklären.
Ministerium bezweifelt Anschuldigungen
Ein Ministeriumssprecher erklärte in einer ersten Reaktion, das Thema Organspende sei zu sensibel, um mit unverantwortlichen Spekulationen Stimmung zu machen. Zugleich betonte er, bei der Vermittlung von Organen spiele der Versichertenstatus keine Rolle. Auch Bahr selbst bezweifelte im Norddeutschen Rundfunk Zweifel die Vorwürfe. Die Bundesregierung könne keinen Trend feststellen, der für eine Bevorzugung privat versicherter Patienten spreche. Der Minister sicherte aber zu, die Regeln noch einmal zu überprüfen.
Für Aufsehen hatte in diesem Jahr schon ein Skandal am Uni-Klinikum Göttingen gesorgt. Ein Oberarzt soll dort in mindestens 25 Fällen Krankenakten manipuliert haben, um Patienten gegen Geld bessere Plätze auf der Warteliste von Eurotransplant zu verschaffen.


