Organspenden : Manipulationen an der Uni-Klinik
Auch am Transplantationszentrum in Leipzig soll es Manipulationen bei Organspenden gegeben haben. Wie das Universitätsklinikum am Neujahrstag mitteilte, wurden der verantwortliche Direktor der Klinik sowie zwei Oberärzte von ihren Aufgaben entbunden. Die Leitung des Transplantationsprogramms sei einem "sehr erfahrenen Oberarzt der Klinik" übertragen worden. Die zuständigen Aufsichtsbehörden seien eingeschaltet.
Wie es in der Mitteilung hieß, wurden bei den Leipziger Meldungen an Eurotransplant falsche Angaben zur Behandlung von Patienten gemacht, um so deren Chancen auf ein Spenderorgan zu erhöhen. Das Transplantationszentrum habe in den Jahren von 2010 bis 2012 Dialyse-Patienten gemeldet, obschon "für eine erhebliche Zahl" dieser Nierenersatzverfahren "die tatsächliche Durchführung von den Transplantationschirurgen nicht nachgewiesen werden" konnte.
Die Manipulationen hätten den Punktwert der Patienten auf den Warteliste erhöht. Ob die Ärzte auch Gegenleistungen für die möglichen Manipulationen erhalten haben könnten, wurde nicht bekannt.
Der medizinische Vorstand der Uni-Klinik, Wolfgang Fleig, sprach von knapp 40 Fällen. Dabei sei es um Patienten gegangen, die auf eine Lebertransplantation warteten. Für sie seien nicht durchgeführte Dialysen gemeldet worden, um sie auf der Warteliste nach oben zu schieben. Werden bei Lebererkrankungen die Patienten wegen Beeinträchtigung der Nierenfunktion einer Dialyse unterzogen, gelte dies als zusätzlicher Hinweis auf die Dringlichkeit einer Transplantation.
Eurotransplant ist für die Verteilung von Spenderorganen nach medizinischen und ethischen Kriterien in sieben europäischen Ländern verantwortlich. Neben Deutschland sind dies Österreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande sowie Kroatien und Slowenien. Die Stelle arbeitet mit Organspende-Organisationen, Transplantationszentren, Laboren und Krankenhäusern zusammen.
Reaktion auf Organspende-Skandal in Göttingen
Im Sommer 2012 war ein Organspende-Skandal an der Uni-Klinik Göttingen aufgeflogen. Dort wie auch in Regensburg sollen durch ähnliche Manipulationen bestimmte Patienten bei der Organspende bevorzugt worden sein. Vor diesem Hintergrund hatte die Universitätsklinik Leipzig im Juli 2012 ihre Innenrevision damit beauftragt, alle Meldungen an Eurotransplant seit dem Anfang des Jahres 2007 sowie die Führung der Patientenlisten in Leipzig zu prüfen.
Wie es von der Uni-Klinik weiter hieß, ist die detaillierte Einzelprüfung der Meldevorgänge bei insgesamt mehr als 420 in Leipzig zwischen 2007 und 2012 erfolgten Lebertransplantationen noch nicht komplett abgeschlossen.
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