Hauptsitz des Unternehmens Unister in Leipzig
Bildrechte: MDR/Michael Voß

Leipziger Internetfirma Unister kündigt Abbau von 150 Stellen an

Die Leipziger Internetfirma Unister will sich neu aufstellen. Doppelstrukturen sollen abgebaut, in Bereiche mit wenig Wachstumsaussichten nicht weiter Geld gesteckt werden. "Unister 3.0" heißt das Programm, mit dem der Umbau angegangen wird und es beinhaltet auch einen Stellenabbau: 150 Mitarbeiter sollen gehen.

Hauptsitz des Unternehmens Unister in Leipzig
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Die Leipziger Internetfirma Unister will sich von 150 Mitarbeitern trennen. Das bestätigte das Unternehmen am Donnerstag dem MDR. Nach Angaben von Unister-Sprecher Dirk Rogl sind vor allem Unternehmensteile betroffen, die nicht zur Reisesparte "Unister Travel" gehörten. Das seien Portale wie geld.de, preisvergleich.de und partnersuche.de. Ziel sei es, Doppelstrukturen abzubauen. Zudem solle in Bereiche mit wenig Wachstumsaussichten nicht weiter investiert werden.

Rogl zufolge will das Unternehmen mit dem Programm "Unister 3.0" 30 Millionen Euro im Jahr einsparen. Ein Viertel davon solle durch den Abbau von Personal zusammenkommen. Allerdings hat sich Unister bereits im vergangenen Jahr von mehr als 200 Mitarbeitern getrennt. Nach MDR-Informationen wollten die Gesellschafter die Pläne noch am Donnerstag beschließen, danach sollten sie der Belegschaft vorgestellt werden. Die betroffenen Mitarbeiter würden ab Montag informiert. Ihnen würden Abfindungen angeboten, damit sie Aufhebungsverträge unterschrieben.

Unister ist rasant gewachsen. Teilweise auch unkontrolliert gewachsen, das muss man sagen. Es ist erstmalig, dass wir als Unternehmen wirklich fokussiert auf das Thema Effizienz schauen und nicht mehr nur auf rasantes Wachstum.

Unister-Sprecher Dirk Rogl

Mitarbeiter: "Dramatische finanzielle Lage"

Unister beschäftigt derzeit 1.522 Mitarbeiter, die meisten von ihnen in Leipzig, aber auch in Jena, Magdeburg und Dresden. Im noch nicht veröffentlichten Geschäftsbericht für 2014 hofft Unister bei einem Umsatz von 500 Millionen Euro auf ein ausgeglichenes Ergebnis. Meldungen über etwa 85 Millionen Schulden wurden vom Unternehmen nicht dementiert.

Ein leitender Mitarbeiter, der nicht erkennbar sein will, sprach gegenüber MDR INFO allerdings von großem finanziellen Problemen. In einer E-Mail bestätigte er: "Unister führt derzeit Maßnahmen zur Einsparung von Kosten durch. Offensichtlich ist dies der dramatischen finanziellen Lage geschuldet, welche mindestens dadurch sichtbar ist, dass keine Rechnung pünktlich gezahlt wird. Grundsätzlich wurde ein System etabliert, welches quasi alle Forderungen als sogenannte Sonderzahlungen deklariert und dann nur mittels direkte Freigabe durch die Geschäftsleitung beglichen werden."

Zuletzt hatte Unister mit einem vor Gericht ausgetragenen Streit zwischen den Hauptgesellschaftern Thomas Wagner und Daniel Kirchhof und einem gescheiterten Verkauf von "Unister Travel" Schlagzeilen gemacht. An dem geplanten Verkauf will Unister aber festhalten.

Zuletzt aktualisiert: 16. Juli 2015, 16:46 Uhr

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6 Kommentare

18.07.2015 15:02 Mike 6

@neugieriger: Schon einmal über die Änderung von Aufgabenschwerpunkten und Geschäftsmodellen nachgedacht? Hauptsache erstmal Dampf ablassen....

18.07.2015 12:53 Kurt Thiesen 5

Ich warte seit Monaten auf die Auszahlung vom ab-in-den-Urlaub
Gutschein über 100,00 Euro, die Rechtmäßigkeit wurde bestätigt,
aber eine Auszahlung ist nicht erfolgt.
Hier handelt es sich um Betrug, wie lange will die Staatsanwaltschaft
Leigzig diese Betrugsmasche noch hinnehmen.

17.07.2015 09:25 Wolfgang Hoffmann 4

...ist dieser Stellenabbau eigentlich mit den Zuwendungen des Landes vereinbar, die Unister in Anspruch genommen hat? Waren die nicht dafür, weil Unister neue Arbeitsplätze geschaffen hatte? Ich meine, mich daran erinnern zu können. Irgendwas in der Form war doch da, oder?

16.07.2015 00:26 verstehichnich 3

Was bleibt denn noch von unister übrig, wenn v.a. Mitarbeiter aus Bereichen entlassen werden, die nicht in der Reisesparte sind - die Reisesparte aber auch noch verkauft werden soll??

16.07.2015 20:50 Bert 2

Die Frau von einem Kumpel arbeitet dort. Auf meine Frage das er ja bestimmt billig Urlaub machen kann: Nee die sagt ich bescheisse mich doch nicht selber. Ab in den Urlaub.....

16.07.2015 18:28 neugieriger 1

Unister hat in den letzten Monaten in diversen Stellenportalen massenhaft Stellenanzeigen geschalten. Gleichzeitig trennt man sich massenhaft von Mitarbeitern. Lasst mich raten. Man trennt sich von den alten Mitarbeitern und stellt die neuen Mitarbeiter zu schlechteren Konditionen ein. Die soziale Marktwirtschaft lässt grüßen.