Ausgewählt : "Opfer-Abo" ist das Unwort des Jahres
Das Unwort des Jahres 2012 heißt "Opfer-Abo". Das teilte eine Jury aus Sprachwissenschaftlern in Darmstadt mit. Verwendet hatte diese Wendung unter anderem der Wettermoderator Jörg Kachelmann, nachdem er 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden war. Dem Spiegel sagte er damals, er sei dafür, dass jeder Vergewaltiger hinter Gitter komme: "Aber für Frauen sind Verleumdungen heute eine beliebte und effektive Waffe geworden". Sie hätten ein "Opfer-Abo" und seien sogar als Täter Opfer. Die Jury kritisierte nun, dass mit dem Begriff Frauen "pauschal und in inakzeptabler Weise" verdächtigt würden, sexuelle Gewalt zu erfinden und damit selbst Täterin zu sein.
Ebenfalls zu Unwörtern erkor die Jury die Begriffe "Pleite-Griechen" und "Lebensleistungsrente". Mit "Pleite-Griechen" werde ein ganzes Volk unangemessen und unqualifiziert herabgewürdigt. Das Wort "Lebensleistungsrente" sei irreführend bis zynisch, denn es gehe um ein Vorhaben, bei dem unter sehr restriktiven Bedingungen eine geringfügige Zusatzleistung des Staates versprochen werde. Das besonders häufig vorgeschlagene Wort "Schlecker-Frauen" verwarf die Jury, weil ihn die Frauen selbst verwenden würden.
"Wulffen" und "Anschlussverwendung" Favoriten unserer Nutzer
Im MDR-Forum hatten die Nutzer unter anderem "wulffen" (Sprachentstellung), "Anschlussverwendung" (Menschenverachtung), Patientenrechtegesetz (suggerierte Rechte der Patienten), "Wutbürger" und "Problembürger" (Umgang mit Volkes-Stimme) vorgeschlagen. In den Medien wurde zuletzt oft der Begriff "Schlecker-Frauen" gehandelt. Jury-Sprecherin Nina Janich winkte aber ab. Die Jury wolle unangemessene und inhumane Formulierungen anprangern. Da käme schon eher der Begriff "Anschlussverwendung" in Frage. Über das Thema wurde im Zusammenhang mit der massenhaften Schließung der Filialen der Drogeriekette "Schlecker" und der Entlassung Tausender Verkäuferinnen diskutiert.
In den vergangenen zwölf Monaten waren mehr als 2.200 Begriffs-Vorschläge bei der Jury eingegangen. Die Entscheidung fiel aus der engeren Auswahl von 20 Begriffen. Die Sprachkritiker wählten das "Unwort des Jahres" zum 22. Mal aus. Seit 1991 versuchen vier Sprachwissenschaftler, ein Journalist und ein jährlich wechselndes Mitglied mit der Wahl des Negativpreises, für mehr Sensibilität im Sprachgebrauch zu werben.
"Döner-Morde" stand 2011 ganz oben.
Im Jahr 2011 waren die Morde der rechtsextremistischen Terrorgruppe NSU bekannt geworden. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Ermittler die Fälle zwischenzeitlich Döner-Morde genannt hatten, weil zwei der Opfer Döner verkauft hatten. Die Jury befand, das Wort verharmlose die Mordserie und diskriminiere die Opfer. Auf weiteren Plätzen der Negativliste standen "Gutmensch" und "Marktkonforme Demokratie".
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Zum Unwort gekürt
2012 Opfer-Abo
2011 Döner-Morde
2010 Alternativlos
2009 Betriebsratsverseucht
2008 Notleidende Banken
2007 Herdprämie
2006 Freiwillige Ausreise
2005 Entlassungsproduktivität
2004 Humankapital
2003 Tätervolk
2002 Ich-AG
2001 Gotteskrieger
2000 National befreite Zone
1999 Kollateralschaden
1998 Sozialverträgliche Frühableben
1997 Wohlstandsmüll
1996 Rentnerschwemme
1995 Diätenanpassung
1994 Peanuts
1993 Überfremdung
1992 Ethnische Säuberung
1991 Ausländerfrei


