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Mutmaßlicher NSU-Unterstützer aus Sachsen-Anhalt : Spitzensalär für V-Mann "Corelli"?

Der Verfassungsschutz hat dem Neonazi Thomas R. offenbar das höchste bislang bekannt gewordene Honorar für einen V-Mann gezahlt: Wie die "Bild am Sonntag" berichtet, erhielt der als "Corelli" geführte Sachsen-Anhalter insgesamt rund 180.000 Euro. Auch fällige Steuern soll die Behörde für "Corelli" beglichen haben. Im Gegenzug für das Spitzenhonorar soll er 18 Jahre lang die rechtsextreme Musik-Szene ausspioniert haben.

Die Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf Akten des Verfassungsschutzes, die dem Untersuchungsausschuss im Bundestag vorliegen, der sowohl die Taten als auch die Ermittlungen zum Terrortrio Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) aufarbeitet.

"Corelli" bis vor vier Monaten aktiv

Außerdem gehörte Thomas R. der "Bild am Sonntag" zufolge auch dem deutschen Ableger des "Ku-Klux-Klan" an. Er sei so gut in den Netzwerken der Rassisten verankert gewesen, dass er zu einem Klan-Treffen in den USA eingeladen worden sei. Die Reisekosten habe der Verfassungsschutz übernommen.

Aus den Verfassungsschutzakten gehe außerdem hervor, dass "Corelli" erst vor einem Vierteljahr aufhörte, für den Geheimdienst zu arbeiten. Dieser habe ihn im November 2012 "abgeschaltet" und über ein Zeugenschutzprogramm in Großbritannien untergebracht.

Grüne und Linke fordern Klarheit

Der innenpolitische Sprecher von Bündnis 90/Grüne, Sebastian Striegel.
Grünen-Sprecher Striegel will wissen, welchen Anteil Sachsen-Anhalt am Fall "Corelli" hat.

Unterdessen verlangen Sachsen-Anhalts Grüne und Linke Klarheit im Fall "Corelli". Sie fordern eine vollständige Akteneinsicht. Zudem drohen die Grünen Innenminister Holger Stahlknecht mit einer Klage, sollte dieser Informationen über den V-Mann zurückhalten. Laut innenpolitischem Sprecher der Grünen, Sebastian Striegel, hat sich der Innenminister in der Parlamentarischen Kontrollkommission des Landtags (PKK) bisher geweigert, das Material zu "Corelli" zur Verfügung zu stellen. Es müsse aber endlich geklärt werden, "welchen Anteil das Land und sein Verfassungsschutz bei der Rekrutierung des V-Manns hatte und welche Gelder Sachsen-Anhalt an ihn gezahlt hat."

Ministerpräsident Rainer Haseloff hatte zuletzt am Donnerstag im Landtag erklärt, dass Sachsen-Anhalt alles, was an Materialien vorgelegen hat, nach Berlin geschickt hat. Stahlknecht schränkte aber ein, dass er es nicht auswendig wisse, ob im Einzelfall etwas nicht nach Berlin gegeben wurde.

Spitzel im Auftrag des Bundesverfassungsschutzes

Nach MDR-Informationen war Thomas R. bereits in den Neunzigerjahren vom Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt angeworben worden. Er wurde jedoch als Informant an das Bundesamt für Verfassungsschutz abgegeben. Sein Spitzname Thomas R.'s in der Szene war "HJ Tommy" - HJ, vermutlich angelehnt an den Namen der Jugendorganisation unter Hitler. Der "tageszeitung" zufolge war Thomas R. zur Jahrtausendwende der führende Kopf der Gruppe "Nationaler Widerstand Halle/Saale".

Zuletzt aktualisiert: 25. Februar 2013, 21:43 Uhr

7. Klapperstorch:
Beispiel: Es wird stets eingebrochen! Die Polizei fahndet, findet endlich einen Täter; den Anführer der Bande! Statt ihn zu verurteilen, wird er auf freien Fuss gesetzt und als V-Mann (Vetrauensmann gegen Bezahlung) eingesetzt, damit er seine eigene Bande oder eine andere verrrät...Und wir dürfen ihm glauben...Das ist doch glaubwürdig, oder? "Wo sind denn meine Blumen hin", fragte der Hausherr den Bock, den er vor längerer Zeit zum Gärtner machte...
26.02.2013
15:14 Uhr
6. Reiner Berndt:
Was ich wesentlich bedenklicher finde, ist der Umstand, dass Parlamentarier wie im Fall "Corelli" Namen von V-Leuten an die Öffentlichkeit bringen. Wieso hat das keine strafrechtlichen Konsequenzen? Aber rummeckern, wenn die Sicherheitsbehörden nicht jeden Schnipsel vorlegen. Angesichts des Umgangs mit geheimen Infos durch parlamentarische Gremien würde ich mir das aus Gründen der Fürsorge auch zweimal überlegen.
25.02.2013
14:43 Uhr
5. Arti:
Eine typisch deutsche von kleingeistiger Rechnerei bestimmte Diskussion. Da arbeitet einer 18 Jahre für eine staatliche Stelle und bekommt 180.000,- Euro. Na und? Das sind umgerechnet 10.000 pro Jahr und ca. 800 Euro pro Monat. Meine Güte! Gut, dass der schlaue Herr Arndt weiß, was "Corelli" dafür geliefert hat. Natürlich nur nutzloses Zeug. Herr Arndt, der VM-Führer als "VS-Führungsoffiziere des Verfassungsschutzes" bezeichnet. Im Innenministerium und beim Bundesamt arbeiten also Offiziere. Einfach mal ein bisschen Googeln und dann hier posten.
25.02.2013
13:36 Uhr
4. Reiner Arndt:
@2.: Klar, am besten frage ich die VS-Führungsoffiziere vom Verfassungsschutz, weil die mir gaaaanz bestimmt die Wahrheit sagen, wie Sie in kindlicher Manier glauben;-)))
24.02.2013
16:37 Uhr
3. F.Rödiger:
Wieder ein Thema bzw. Schlagzeile wo eine große Zeitung - die mit den vier großen Buchstaben mit Zusatz - ein Volk aufregt. Obwohl, welchen Lohn bekommt so ein Doppelagent überhaupt ? In den James Bond Filmen wird ja wohl niemals darüber verhandelt, ist ja auch Film, aber die Realität wird einiges abverlangen - es hägt auch zu viel mit dran. Überhaupt braucht so ein V-Mann so einige technische Dinge die nicht gerade billig sind - ein "Q" gibt es in dieser Art bestimmt nicht. So ist es wieder nur die "hohe Summe" die manchen aufregen. Teilt man jetzt den Jahressold durch zwölf Monate sind es "nur" noch 15 000 € pro Monat. Ein Agent sollte 24 Stunden am Tag auf der Hut sein um nicht enttarnt zu werden und Man(n) muß danach sein bisheriges Leben aufgeben bzw, ändern. Somit dürfte diese "riesengroße Summe" (?) angemessen sein, zumal immer noch sein Leben und das Leben des friedliebenden Volkes daran hängen.
24.02.2013
16:07 Uhr
2. R. Zeuner:
1. Reiner Arndt : Ich glaube Ihnen ist nicht klar worum es bei V Leuten geht. Wenn Sie es nicht verstehen, fragen Sie jemanden der es Ihnen in kindlicher Manier erklärt!
24.02.2013
11:35 Uhr
1. Reiner Arndt :
Ja, für die Nazis ist uns nichts zu teuer, gell? Es wächst die Übelkeit beim Lesen solcher Nachrichten!
24.02.2013
10:11 Uhr

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