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Umstrittene Wegfahrsperre : Freiberg treibt Schulden mit Ventilwächtern ein

Ein Ventilwächter

Das sächsische Freiberg treibt künftig Schulden mit sogenannten Ventilwächtern ein. Wer Bußgelder, Steuern oder Elternbeiträge nicht gezahlt hat, bekommt die kleinen gelben Geräte an die Reifenventile seines Autos montiert. Fährt er los, steht er nach wenigen Metern mit einem Platten da. Erst wenn der Besitzer seine Schulden beglichen hat, wird er von den Ventilwächtern wieder erlöst. Dafür hat er drei Tage Zeit, sonst wird sein Auto abgeschleppt und im schlimmsten Fall versteigert.

Mehr als eine Million Euro Außenstände

Die Bergstadt hofft so, die Zahlungsmoral seiner Einwohner zu erhöhen. Im vergangenen Jahr zählte sie fast 4.400 säumige Zahler, die der Kommune mehr als eine Million Euro schuldeten. Deshalb hat die Stadt Pakete mit je zwei Ventilwächtern, Hinweis-Aufklebern und Pfandsiegeln für je 200 Euro angeschafft.

Ausstehende Schulden der Stadt Freiberg
  2010 2011 2012
Vollstreckungsfälle < 3.700 < 4.000 4.385
Schulden < 0,5 Millionen Euro rund 800.000 Euro < 1,0 Millionen Euro

Mahnungen und Hinweisplakette

Doch nicht jedem Schuldner wird sofort die Luft abgelassen. Erst erhält er eine Mahnung. Lässt er die neue Zahlungsfrist erneut verstreichen, werden die Vollstreckungsbeamten aktiv. Doch auch die verschicken zunächst eine Mahnung und drohen die Zwangsvollstreckung an. Sollte der Schuldner auch jetzt nicht reagieren, bekommt er die Ventilwächter aufgesetzt. Damit er sich nicht nach einigen Metern über luftleere Reifen wundert, bekommt er Hinweisplaketten sowie ein rotes Pfandsiegel an die Autoscheiben geklebt.

Kritiker sehen Gefahren

Parkkralle am Vorderrad eines Autos
Anders als ein Ventilwächter verhindert eine Radkralle, dass das Auto bewegt bzw. der Reifen gewechselt werden kann.

Freiberg ist nicht die erste sächsische Kommune, die auf diese Zwangsmaßnahme setzt. So setzen bereits Dresden und Pirna auf Ventilwächter. Doch die Ventilwächter sind nicht unumstritten. Freiberg verteidigt ihren Einsatz. Sie seien handlicher und einfacher als Parkkrallen zu bedienen und würden keine Spuren am Fahrzeug hinterlassen. Die Stadt verweist dabei auf Tests mit eigenen Autos.

Kritiker halten die Ventilwächter allerdings für gefährlich, wenn der Autofahrer die Warnung am Auto übersieht oder diese entfernt wurde. Bei platten Reifen lassen sich Autos nur noch schwer lenken und der Fahrer verliert die Kontrolle.

Außerdem könne der Ventilwächter ausgetrickst werden. Wer im Schritttempo rollt, mache ihn wirkungslos. Zudem hindere der Ventilwächter den Autobesitzer nicht daran, einfach den Reifen zu wechseln - anders als Parkkrallen oder Radklammern.


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Der Maschinenbau-Ingenieur Andreas Keßler ist Deutschlands "Autoflüsterer". Bei "Hier ab vier" beschäftigt er sich jede Woche mit einem Thema und beantwortet die Fragen der Zuschauer. [mehr]


Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2013, 22:31 Uhr

2. jens :
wenn mein nachbar mir geld schulden würde, kann ich auch nicht hingehen und und ihm sein auto fahrunfähig machen. und wenn ich es doch tun würde, würde der mich anzeigen. politiker und behörden sollten sich mal überlegen, warum menschen diese steuern und gebühren nicht bezahlen können und wollen. tolle demokratie und rechtsstaat! warum die schuldner nicht gleich in lager stecken?!
21.02.2013
09:01 Uhr
1. Hans:
Wäre es nicht einfacher, die Nummerschilder zu entfernen? Ohne Nummerschild mit TÜV-Plakette kann man ja auch nicht fahren?
20.02.2013
18:59 Uhr

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Ventilwächter

Der Ventilwächter lässt die Luft aus dem Reifen, sobald sich die Räder drehen. Nach rund 500 Metern steht der Fahrer mit einem Plattfuß da.

Hersteller werben damit, dass die Ventilwächter auch als Diebstahlsicherung eingesetzt werden können. Die Montage dauert nur wenige Sekunden. Zunächst muss ein Adapter aufs Ventil aufgeschraubt werden, dann wird der Ventilwächter aufgesetzt und abgeschlossen.

Der Ventilwächter kann nicht einfach abgeschraubt werden. Wird er abgerissen, wird das Ventil zerstört und die Luft ist ebenfalls raus.

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