Nach Thüringer Fahndungspannen : Verfassungsschutz soll Eigenständigkeit verlieren
Thüringens Innenminister Jörg Geibert will das Landesamt für Verfassungsschutz als eigenständige Behörde auflösen. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte am Mittwoch, der CDU-Minister habe den Auftrag erteilt, die Voraussetzungen dafür zu prüfen. Ziel sei es, den Verfassungsschutz ins Innenministerium zu integrieren. Geibert verspreche sich davon eine bessere Fachaufsicht. Zugleich solle der Verfassungsschutz aber seine geheimdienstlichen Instrumente wie Abhör- und Observationsmöglichkeiten behalten,
Konsequenzen aus Pannen bei der Fahndung nach Jenaer Neonazis
Die Prüfung soll bis Ende November abgeschlossen sein. Anfang 2013 könnte sich dann das Kabinett damit beschäftigen. Geibert zieht mit seinem Schritt die Konsequenzen aus den Pannen bei der Fahnung nach dem Neonazi-Terrortrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe. Die sogenannte Schäfer-Kommission hatte dem Amt vorgeworfen, zu wenig Informationen an die Polizei weitergegeben zu haben. Durch die Eingliederung in das Innenministerium soll der Verfassungsschutz nicht nur mit der Polizei, sondern beispielsweise auch mit Bürgermeistern und Institutionen der Zivilgesellschaft besser zusammenarbeiten. Im Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz arbeiten derzeit etwa 100 Beschäftigte.
Verfassungsschutz derzeit ohne Chef
Thüringen wäre das neunte Bundesland, in dem es kein eigenständiges Verfassungschutz-Amt gibt. Bereits zuvor hatte sich Geibert dafür ausgesprochen, dass künftig allein das Bundesamt für Verfassungsschutz sogenannte V-Leute anwirbt und betreut. Im Juli musste bereits der Thüringer Verfassungsschutz-Chef Thomas Sippel in den Ruhestand gehen, weil der Landtag kein Vertrauen mehr in ihn hatte. Der Vorwurf lautete, dass Sippel bei den Gremien, die die Ermittlungspannen rund um das Neonazi-Trio untersuchen, immer wieder Informationen zurückgehalten hatte. Einen neuen Chef für das Landesamt hat Geibert noch nicht bestimmt.
Linke: System lässt sich nicht durch andere Striktur aufheben
Bei der Opposition löste Geiberts Vorhaben unterschiedliche Reaktionen aus. Die Linke bezeichnete den Vorschlag als ungeeignet, um die Arbeit demokratischer und transparenter zu machen. Fraktionsvize Martina Renner sagte, ein Geheimdienst bleibe bürgerrechtsfeindlich, ganz gleich, hinter welcher äußeren Hülle er sich verstecke. Ein System mit Verschleierung, Vorrang für Quellenschutz und Unwillen zur Kontrolle lasse sich nicht durch eine andere Struktur aufheben.
Der innenpolitischen Sprecher der Grünen-Fraktion, Dirk Adams, begrüßte hingegen das Vorhaben, da es auch grünen Forderungen entspreche. Mit der Integration in das Ministerium beginne jedoch erst die Arbeit. Nötig seien eine kritische Bewertung geheimdienstlicher Methoden sowie weiterreichendere Kontrollmechanismen als bisher.
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