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Sprachkosmetik oder Zensur? : Verlag bleibt beim "Wichsen"

Der Kinderbuchverlag Leiv will diskriminierende Begriffe in Kinderbüchern nicht streichen. Geschäftsführer Steffen Lehmann sagte MDR INFO zur Debatte um umstrittene Begriffe, alte Werke dürften nicht einfach verändert werden, nur weil es der Zeitgeist erfordere. Besser sei es, Eltern würden ihren Kindern strittige Begriffe erklären.

Sollen die Kinderbuchklassiker so bleiben wie sie sind?

Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Thienemann-Verlag wirft alte Begriffe raus

Der Thienemann-Verlag hatte mit seiner Entscheidung, künftig Worte wie "Neger" oder "Schuhe wichsen" zu streichen, eine Debatte unter den Verlagen angestoßen. In zahlreichen Zuschriften wurde dem Verlag unter anderem Zensur vorgeworfen. Dabei geht es Verleger Klaus Willberg nicht um Political Correctness. Der Tageszeitung "taz" sagte er, es gehe vielmehr darum "Begriffe auszutauschen, die Kinder heute nicht mehr verstehen." Betroffen ist unter anderem der Kinderbuchklassiker "Die kleine Hexe".

Andere Verlage machen mit

Ein Kind liest ein Buch.
Viele Kinder kennen die alten Begriffe gar nicht mehr und legen "angestaubte" Bücher wieder zurück.

Der Thienemann-Verlag ist mit diesen Überlegungen nicht allein. Der Hamburger Verlag Friedrich Oetinger hatte Medienberichten zufolge schon vor vier Jahren unter anderem bei seinen aktuellen Übersetzungen etwa von Astrid Lindgrens "Pippi Langstrumpf" bestimmte Begriffe wie "Negerkönig" oder "Zigeuner" gestrichen oder ausgetauscht. Und auch der Verlag Esslinger änderte im Buch "Lurchi" ein "Negerlein" in ein "Schornsteinfegerlein" um. Der Verlag cbj in München hat aus "Fünf Freunde" von Enid Blyton vor allem "Schwarze Pädagogik" also Ohrfeigen und Prügel verbannt.

Schröder heizt zusätzlich an

Eine Bemerkung von Familienministerin Kristina Schröder, sie lasse beim Vorlesen für ihre Tochter bekannte, diskriminierende Begriffe aus, hatte diese Debatte zusätzlich befeuert. Stephanie Jentgens, die Vorsitzende vom Arbeitskreis für Jugendliteratur, warnte allerdings vor zu massiven Eingriffen. Werde die Geschichte dadurch nicht verändert, könne man umstrittene Begriffe natürlich streichen. Die Werke müssten aber auch vor ihrem historischen Kontext gelesen werden: "Wörter, über die Kinder stolpern, sind ein guter Anlass, um darüber zu sprechen."

Zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2013, 15:34 Uhr

1. Agnes:
Ich bin schon ganz gespannt auf eine politisch korrekte Version des "Struwwelpeter". Und bitte auch die Bibel überarbeiten. Damit arbeiten ja auch Kinder. Beispielsweise sollten Massentötungen wie die Vernichtung von Sodom und Gomorrha und die Sintflut entfernt werden. Auch diese schreckliche Darstellung der Tötung eines Menschen mittels Annagelns an ein Holzkreuz ist niemandem zuzumuten.
16.01.2013
16:40 Uhr

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