Im Hauptbahnhof Hannover sitzen Hunderte Reisende fest, viele von ihnen haben nachts in Hotelzügen übernachtet. Sie warten darauf, dass die Deutsche Bahn neue Informationen hat
Warten am Hauptbahnhof Hannover: Nach dem Sturm brauchen Reisende viel Geduld. Bildrechte: IMAGO

Nach "Xavier" Fahrgastverband kritisiert Krisenmangement der Bahn

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat die Deutsche Bahn nach dem Sturm "Xavier" kritisiert. Es hätten Informationen zu Ausfällen gefehlt, mögliche Ausweichstrecken seien nicht genutzt worden. Zwischen Berlin und Hannover rollen die Züge seit Samstagnachmittag wieder.

Im Hauptbahnhof Hannover sitzen Hunderte Reisende fest, viele von ihnen haben nachts in Hotelzügen übernachtet. Sie warten darauf, dass die Deutsche Bahn neue Informationen hat
Warten am Hauptbahnhof Hannover: Nach dem Sturm brauchen Reisende viel Geduld. Bildrechte: IMAGO

Der Fahrgastverband "Pro Bahn" hat der Deutschen Bahn nach dem Sturm "Xavier" schlechtes Krisenmanagement vorgeworfen. "Es hat einfach an Informationen gefehlt", sagte der Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann der "Passauer Neuen Presse".

"Wir haben alle Verständnis, dass kein Zugverkehr stattfinden kann, wenn Bäume auf die Schienen fallen oder Oberleitungen beschädigt werden", so Naumann weiter. Es sei auch richtig, dass Züge nicht rollen, solange nicht klar sei, wo Bäume liegen. "Aber man muss dann auch sauber informieren. Das ist der Bahn nicht gelungen."

Ausweichstrecken nicht genutzt?

Die Bahn habe offenbar keine Konzepte dafür, was im Fall von Sperrungen zu tun sei. Naumann forderte einen genauen Überblick, welche Strecken frei sind und welche nicht. "In vielen Fällen hätte es Ausweichstrecken gegeben, die nutzbar gewesen wären. Aber das ist kaum geschehen, unter anderem weil den Lokführern hier Streckenkenntnisse und Streckeninfos fehlten."

Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bezeichnete die Kommunikation als mangelhaft.

Wir leben in einem Zeitalter von Apps und digitaler Information und doch ist das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, seine Kunden ausreichend zu informieren.

Klaus-Dieter Hommel von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

Verbindung zwischen Berlin und Hannover ist wieder frei

Am Samstagnachmittag wurde die eingestellte Fernverkehrsverbindungen Berlin-Hannover wieder aufgenommen werden. Das teilte die Deutsche Bahn mit. Zunächst hatte es geheißen, dass es schon am Vormittag losgehe. Die Freigabe der Strecke verzögerte sich aber zunächst

Die Verbindung zwischen Berlin und Hamburg wird allerdings erst von Montag an wieder befahrbar sein. Die Strecke sei besonders schwer von dem Sturmtief betroffen, hieß es. Auf einer Länge von sechs Kilometer seien die Oberleitungen massiv beschädigt. Umgestürzte Bäume und heruntergerissene Äste hatten nach Angaben der Bahn an insgesamt mehr als 500 Stellen Schäden angerichtet. Über 1.000 Kilometer seien betroffen gewesen.

Die Verbindung zwischen Bremen und Hannover soll ab Sonntag wieder befahrbar sein.

Wir arbeiten mit Hochdruck, aber es gibt Unwägbarkeiten. Darum ist eine genaue Prognose leider derzeit noch nicht möglich.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn

Die Bahn könne den Reisenden eigenen Angaben zufolge aber einen nahezu stündlichen Takt anbieten – mit Umleitung über Uelzen und Stendal. "Es gibt eine Fahrzeitverlängerung von ungefähr 60 Minuten", sagte eine Sprecherin.

Umleitungen eingerichtet

Züge aus dem Ruhrgebiet beispielsweise führen von Dortmund nach Hannover und wieder zurück. Reisende mit dem Ziel Leipzig oder Berlin könnten in Hannover umsteigen – und so mit einer allerdings erheblichen Verlängerung der Fahrzeit auch nach Berlin kommen. Das gelte auch für Fahrten von Berlin in den Westen.

Insgesamt müssen sich Fahrgäste in den nächsten Tagen weiter auf Störungen einstellen. Nach Angaben der Bahn sind noch viele Strecken gesperrt.

Einschränkungen in Magdeburg

Die Aufräumarbeiten liefen auf Hochtouren. Mehr als 100 Mitarbeiter und 17 Spezialfahrzeuge zur Reparatur von Oberleitungen seien im Einsatz. In den kommenden Tagen sollen die Verbindungen sukzessive wieder aufgenommen werden.

Die Bahn hofft, dass die Arbeiten größtenteils Anfang der Woche abgeschlossen sein werden. "Problem ist, dass Bäume teilweise durch das nasse Erdreich nachkippen und wir dadurch erneut mit der Kettensäge ranmüssen. Darum ist eine genaue Prognose leider derzeit noch nicht möglich", sagte die Sprecherin.

Der Nahverkehr lief bereits am Freitag nach Angaben der Bahn in Teilen wieder – insbesondere in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hamburg. Im Großraum Berlin und Magdeburg kam es noch zu Einschränkungen. Diese sollen Montagmorgen behoben sein. Dann soll auch die Strecke Hannover-Magdeburg-Berlin wieder freigegeben sein.

Die S-Bahn ist in Hamburg nach Angaben der Bahn wieder auf allen Strecken unterwegs. In Berlin gibt es dagegen weiter Behinderungen. So konnte am Sonnabend die Ringbahn wegen einer Baustelle zwischen Westend und Gesundbrunnen bis 15 Uhr nicht fahren. Der geplante Schienenersatzverkehr musste ausfallen, weil die Busse auf anderen S-Bahn-Strecken im Einsatz waren. So waren Abschnitte der Linien S1, S2, S25, und S3 weiter gesperrt. Die Deutsche Bahn empfiehlt Reisenden, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren. Ab Montag soll die S-Bahn im gesamten Stadtgebiet wieder störungsfrei unterwegs sein.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 07.10.2017 | 06:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2017, 16:52 Uhr

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13 Kommentare

08.10.2017 20:09 Thomas 13

@12 Nicht zu fassen: Leider sind wir aber nicht in den USA, wo wegen allem und jeden versucht wird, über den Anwalt Kohle zu scheffeln. Wer da der Untertan ist, fragt sich also noch.
Was die weniger Pofallas und mehr Eisenbahner betrifft, stimme ich ihnen zu, ich bin nämlich selbst einer und weiss, was da draussen abgeht, aus eigenem Erfahren!
Wären Sie dann auch bereit, anständige Fahrpreise zu zahlen, um die personell besser besetzte Bahn zu finanzieren statt für irgendwelche Sparpreise durch die Lande zu fahren? Oder gilt dieses Argument dann genau bis zum nächsten Lokführerstreik, bei dem diese mehr geforderten Eisenbahner dann wieder überbezahlt und arrogant sind?
Mir wäre auch nicht aufgefallen, dass es solch ein Entrüsten gab, als die DB/DR privatisiert werden sollte mit den abzusehenden Konsequenzen.

Und ProBahn ist m.E. trotzdem nur ein Meckerverein, der viel weiss und wenig zugleich...

07.10.2017 23:47 Nicht zu fassen... 12

@07.10.2017 11:05 Thomas (3 Statt sich s aus dem Fenster zu lehnen, können sich die Mitgleider des Fahrgastverbandes an solchen Tagen gerne auch in die Leitstellen und vor Ort begeben und das Krisenmanagement selbst in die Hand nehmen. Der nächste Sturm kommt gewiss, dann dürfen sie gerne bereitstehen.)

Auf so einen Text kann nur ein deutscher Untertan kommen - ein US-Bürger hätte bereits eine Schadensersatzklage laufen - zu recht. Es ist, zu Ihrer Information, selbstverständliche AUFGABE eines, noch dazu quasistaatlichen, Logistikunternehmens, dergleichen Wettererscheinungen betrieblich einzuplanen. Die Kritiker des Totalversagens der DB angesichts eines Starkwindereignisses (von "Orkan" ist noch gar nicht die Rede) müssen ausser fundiertem Kritisieren garnichts - müssen tut ausschliesslich die DB und das schon seit inzwischen Jahrzehnten. Weniger Pofallas und mehr Eisenbahner heisst ein wesentlicher Teil der Lösung.

07.10.2017 23:39 Sie wissen es und ich weiss es. 11

@07.10.2017 16:52 Keywan (8 Ich weiß nicht, warum Pro Bahn kritisiert wird)

Doch: Sie wissen es und ich weiss es. Die exakte Kategorisierung der diesbezüglichen "Kommentare" würde allerdings gegen die "Kommentarrichtlinien" verstossen. Pro Bahn hat natürlich recht und die Kritik darf als professionell eingeschätzt werden. Wieder einmal hat der an chronischem Mehdorn-Fieber und Pofalla'scher Auszehrung leidende "Konzern" Bahn ausser faulen und dümmlichen Ausreden - um das Wort Lügen zu vermeiden - nicht viel zu bieten. Wie soll das erst werden, wenn es bei einem Wintersturm metereologisch tatsächlich zur Sache geht. Die DB ist nur eine Allegorie auf das ganze Land unter der Knute der neoliberalen Kaputtfunktionäre. Ich darf nur an die Auslegung der ICE-"Klimaanlagen" erinnern, um den thematischen Kontext zu umschreiben.

07.10.2017 23:32 Sie haben keine Ahnung. Punkt. 10

@07.10.2017 15:22 Pattel (6 Deutschland Meckerland! Mehr gibt es da nicht zusagen.)

Falsch: Jedes logistische System, als weiteres Beispiel etwa die See- und Containerlogistik, hat sich auf solche erwartbaren und jahreszeitlich üblichen Umstände einzustellen - das ist selbstverständlicher Teil der Investitionen in Betriebsmittelreserven und rückwärtige Dienste. An sich - denn bei der DB ist das ganz offensichtlich nicht so. Es fehlen Abschlepploks, es fehlen Bautrupps in ausreichender Anzahl und Verteilung. Es fehlen Informationsstrukturen und es fehlt an Material und Infrastruktur. Weil das nämlich "eingespart" worden ist. Pro Bahn hat absolut und in jedem Einzelpunkt recht - ein Logistiker, der mir als verladendem Kunden mit derart einfältigen Ausreden kommt und drei Tage nach dem Sturmfeld (nicht etwa: Orkan), immer noch nicht in die Hufe kommt, weil er am Equipment "gespart" hat, braucht sich nicht mehr zu melden.
Das noch zu entschuldigen, belegt nur totale Ahnungslosigkeit.

07.10.2017 21:52 Christian 9

Nicht nur Konzepte, auch Flexibilität und Verantwortungsgefühl fehlen. Wie kann es sonst sein, dass Fahrgäste und Zugpersonal eines Regionalexpress-Zuges am Bahnübergang Gnadau Stunden im Zug ausharren mussten, ohne dass etwas passierte? Nach sieben Stunden haben schließlich Anwohner des Ortes die Fahrgäste in privaten PKW an ihr Ziel gefahren oder haben privat Schlafplätze zur Verfügung gestellt. Das Bahn-Management tat nichts. Das Lok- und Zugpersonal musste sogar bis in die frühen Morgenstunden im kalten Geisterzug ausharren.

07.10.2017 16:52 Keywan 8

Ich weiß nicht, warum Pro Bahn kritisiert wird, die haben ja Verständnis für die Sperrungen. Aber wenn zwei Mitarbeiterinnen vom Service-Point ca. 200 gestrandete Fahrgäste aufwendig einzeln informieren, dann ist das eine Katastrophe. Mehr Personal könnte die Fahrgäste gruppieren (z.B. nach Fahrtziel), diese en bloc zu beraten wäre für MA und Fahrgäste weniger Stress, Lösungen effizienter. Würde die App und Live-Auskunft zuverlässig sein, wäre der Auflauf deutlich geringer.

Bahn verweist auf Live-Auskunft, die enthält aber unvollständige und fehlerhafte Angaben. Ich wurde auf die Ausweichroute MD -> L -> B fahren, aber der Zug fuhr trotz Anzeige nur bis Roßlau (keine Durchsage beim Einsteigen). RE1 nach Frankfurt/Oder war als pünktlich eingetragen, aber mit einer Text-Anmerkung über die Streckensperrung. Live System berechnet aber so keine Ausweichrouten.

Es wurde nicht einmal eine einzige Ausweichroute für MD -> B genannt.

Das sind die Probleme, nicht noch so viele Bäume...

07.10.2017 15:27 Thomas 7

@4 - Markus

Der Gedanke an sich ist sicher ehrenwert, nur ist eben oft gar nicht der Platz dafür vorhanden und die Netz- und Zugdichte in D und im Schnitt um einiges höher als in Russland. Dann muss man als nächstes gleich Häuser und alles, wovon sich Teile lösen und in die Oberleitung fliegen könnten, mit entfernen. Nächstes Problem wäre dann die Topografie an sich, wenn Bahnstrecken in Flusstälern oder Einschnitten verlaufen. Dort haut es Schnee oder Bäume ebenfalls hinein und bei Überschwemmungen sucht sich das Wasser so oder so seinen Weg.
Da wo es geht, ist natürlich Grünschnitt richtig und sinnvoll. Selbst ein scheinbar dünner, angewehter Ast löst u.U. einen Kurzschluss aus oder kann den Stromabnehmer/die Oberleitung beschädigen. Eine völlige Sicherheit gibt es nicht und nicht ohne Grund wurden die Züge angehalten oder angewiesen langsamer zu fahren.
Die wenigen Male im Jahr muss man das einfach in Kauf nehmen und tolerieren, beim Auto tut man es doch auch.

07.10.2017 15:22 Pattel 6

Deutschland Meckerland!
Mehr gibt es da nicht zusagen.
Zitat von3:...Statt sich s aus dem Fenster zu lehnen, können sich die Mitglieder des Fahrgastverbandes an solchen Tagen gerne auch in die Leitstellen und vor Ort begeben und das Krisenmanagement selbst in die Hand nehmen. Der nächste Sturm kommt gewiss, dann dürfen sie gerne bereitstehen........

Diese Meinung kann ich nur unterstützen!!!

07.10.2017 15:22 ach so 5

Früher waren die Chefs Eisenbahner, heute sind sie Manager!

07.10.2017 12:39 Markus 4

Kann man die Strecke nicht so bauen, dass kein Baum so nah steht, dass es eine Behinderung sein kann? So macht man z.B. in Russland. Rechts und linkst vom Gleis zuerst Wassergraben, dann ein paar Meter frei, erst dann die Bäume als Schutz gegen Schnee. Das funktioniert in Russland gut. Bei uns in Deutschland werden leider alle Schutzmaßnahmen einfach ignoriert. Ergebnis: was wir an diesen Tagen haben. Die Natur ist so wie sie ist. Anderes Land haben wir ja nicht. Die Bahnleitung muss so machen, dass die Natur keine Schaden bringt. Ohne Schutz gegen Schnee und Wind ist Bahn nur Geldverschwendung.

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