Eine Amsel trägt mehrere Würmer in ihrem Schnabe
Im Raum Leipzig macht ein Virus den Amseln zu schaffen. Ihre Zahl verringert sich rapide. Bildrechte: dpa

Von Virus bedroht Stirbt die Amsel in Leipzig aus?

Die Amsel wird von einem Virus bedroht, das den Bestand in Süddeutschland bereits dramatisch dezimiert hat. Dem Usutu-Virus, das von Stechmücken übertragen wird, sind laut NABU allein im Jahr 2011 in Deutschland 300.000 Amseln zum Opfer gefallen. Aktuell schlägt das Virus wieder zu - und zwar in Leipzig.

von Lily Meyer, MDR AKTUELL

Eine Amsel trägt mehrere Würmer in ihrem Schnabe
Im Raum Leipzig macht ein Virus den Amseln zu schaffen. Ihre Zahl verringert sich rapide. Bildrechte: dpa

Die Amsel ist eine der am weitesten verbreiteten Vogelarten in ganz Europa. 2011 wurde sie in Deutschland zum ersten Mal vom Usutu-Virus heimgesucht. Das Virus stammt aus Afrika, der Name leitet sich vom Fluss Usutu in Swasiland ab. Durch Stechmücken kann es auf Vögel, aber auch auf Säugetiere übertragen werden - also auch auf den Menschen. In diesem Jahr tritt das Virus in einigen Regionen Deutschlands wieder vermehrt bei Amseln auf, erklärt Vogelschutz-Experte Lars Lachmann vom Naturschutzbund (NABU):

Eines dieser Konzentrationsgebiete liegt im Raum Leipzig. Wir haben insgesamt in Sachsen 81 Meldungen von toten oder kranken Amseln bekommen, davon mehr als die Hälfte aus der Stadt Leipzig.

Lars Lachmann, Artenschutzreferent des NABU

Deutschlandweit seien seit Mitte September 1.200 Meldungen von toten Vögeln beim NABU eingegangen. Die Naturschützer sind auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen, denn nur so können die erkrankten Amseln ausfindig gemacht werden.

Wie man helfen kann

 Amsel auf Pfaffenhütchen
Ist der Virus erst ausgebrochen, kann eine Amsel nicht mehr gerettet werden. Helfen kann man den Vögeln trotzdem. Bildrechte: dpa

Vor ihrem Tod torkeln die Vögel oder sitzen über lange Zeit apathisch an der gleichen Stelle, einige plustern ihr Gefieder auf. Präventiv könne nichts gegen das Virus unternommen werden, sagt Lars Lachmann. Wird eine tote Amsel auf der Terrasse oder im Wald gefunden, empfiehlt er folgendermaßen vorzugehen: "Als erstes muss so ein Vogel gleich doppelt in Plastiktüten gepackt und unbedingt eingefroren werden." Dann sollte man den eingefrorenen Vogel gut verpackt an das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg schicken.

Dort untersucht Renke Lühken die toten Vögel. Wozu das gut ist: "Wir wollen verstehen, wie die Verbreitung in Deutschland ist, wie stark der Einfluss auf die Vogelpopulation ist und wie hoch das Risiko für Infektionen beim Menschen ist." Denn Menschen können infiziert werden, zeigen aber meistens keine oder sehr schwache Symptome. In Deutschland sei bislang ein einziger Fall bekannt, bei dem das Virus durch eine Stechmücke auf einen Menschen übertragen wurde. Von einer Gefahr für gesunde Menschen geht Renke Lühken aber nicht aus.

Die Amsel stirbt nicht aus

Auch für die Amsel sei das Usutu-Virus nicht existenzbedrohend, bestätigt auch Lars Lachmann vom NABU: "Unsere bisherigen Ergebnisse sind, dass es lokal zu sehr starken Rückgängen bei der Amsel kommen kann - und zwar bei den Erstausbrüchen, wie jetzt in Leipzig. Die überlebenden Vögel werden allerdings immun gegen das Virus." Ein nächstes Mal breche das Virus daher erst in der nächsten Generation aus und dann schwächer als bei der ersten Erkrankung. Daher vermutet Lars Lachmann, dass die kommenden Amselgenerationen sehr gut mit dem Virus zurechtkommen werden.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL auch im: Nachrichtenradio | 05.11.2016 | 8:53 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2016, 16:23 Uhr

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