Gummistiefel für Kinder
Der Anteil an Kindheitspädagogen in Sachsens Kitas beträgt 1,5 Prozent. Bildrechte: dpa

Sachsen Wenige Hochschulabsolventen in den Kitas

In Kindergärten wird nur ein bisschen getobt und gespielt? Von wegen. Spätestens mit den ernüchternden Ergebnissen der ersten PISA-Studie im Jahr 2000 sind die Kitas als Bildungseinrichtungen in den Fokus gerückt. Die Erziehung in den Kitas sollte deshalb professioneller werden. Zum Beispiel durch mehr Akademiker in der Belegschaft. Viele Hochschulen führten deshalb sogenannte kindheitspädagogische Studiengänge ein.

von Lydia Jakobi, MDR AKTUELL

Gummistiefel für Kinder
Der Anteil an Kindheitspädagogen in Sachsens Kitas beträgt 1,5 Prozent. Bildrechte: dpa

Die Caritas betreibt in Dresden fünf Kitas. Die Teams sind gemischt, Erzieher und studierte Kindheitspädagogen arbeiten Hand in Hand. Die Kindheitspädagogen bringen häufig Fähigkeiten mit, die die anderen nicht in dem Maße haben, schildert Lucia Alsch, die die Kita Sankt Clara leitet.

Lucia Alsch sagt: "Spontan fällt mir die Gesprächsführung ein. Elterngespräche, Konfliktgespräche, Teamgespräche, auch Teams zu leiten – da ist eine größere Sicherheit da. Die Erzieher hingegen sind eher ausgebildet in Bastelsachen oder Lieder singen. Sie haben schneller ein Fingerspiel zur Hand, oder so."

Nur 1,5 Prozent Kindheitspädagogen in Sachsen

Rund 500 Kindheitspädagogen sind dem Kultusministerium zufolge in den sächsischen Kitas tätig – von über 33.000 Pädagogen und Erziehern insgesamt. Ihr Anteil beträgt also bislang nur 1,5 Prozent. Und das wird sich auch erstmal nicht ändern, erklärt Dagmar Jenschke, Referentin für Kindertagesbetreuung am Kultusministerium. Weil derzeit so viele Kitas neu gebaut würden, dass sich die wenigen Hochschulabsolventen weit verteilen.

"80 Prozent der pädagogisch Tätigen in den Kitas sind staatlich anerkannte Erzieher. Und bei dem Ausbaugeschehen wird das auch noch eine ganze Weile so bleiben und das ist auch nicht schlecht. Wichtig ist, dass an Hochschulen ausgebildetes Personal mit in die Teams kommt, dort zur Verfügung steht und man zusammen arbeitet", so Jenschke.

Skepsis bei Kitas

Ivonne Zill-Sahm, die an der Evangelischen Hochschule in Dresden Kindheitspädagogik lehrt, sieht in gemischten Kita-Teams aus Erziehern, Kindheitspädagogen, Sozialarbeitern und anderen Professionen ein großes Potential. Der Eine bringe zum Beispiel mehr Theorie, der Andere mehr Praxis mit.

Trotzdem reagiere manche Kita skeptisch: "Ich hatte kürzlich ein Telefonat mit einer Leiterin, die sagte, wir haben jetzt eine Kindheitspädagogin, aber wir wissen gar nicht so richtig, wo wir sie einsetzen können. Und da fängt für mich das Problem an. Es braucht eine gewisse Offenheit dafür, was die Kindheitspädagoginnen können und auch eine Vision zur Weiterentwicklung."

Nur ein Drittel der Absolventen will in Kitas

Aber: Nicht alle Absolventen des Mitte der 2000er Jahre eingeführten Bachelor-Studiums wollen auch tatsächlich in die Kitas. Einer Studie mehrerer Unis und des Bildungsministeriums zufolge interessiert sich nur rund ein Drittel für die Arbeit im Kindergarten. Andere wollen in die Beratung, die Erziehungshilfe oder Forschung.

Liegt es daran, dass studierte Erzieher nicht mehr Geld bekommen als diejenigen mit einer Fachschul-Ausbildung? Das sei tatsächlich ein Problem, bestätigt Zill-Sahm: "Dieses Phänomen der tätigkeitsbezogenen Eingruppierung und nicht der abschlussbezogenen Eingruppierung, ist natürlich etwas, was Zahlen rückläufig werden lässt."

Weniger Bewerber an Hochschulen

So hatte die Hochschule, als sie den Studiengang 2009 erstmals anbot, 240 Bewerbungen. Jetzt sind es nur noch 110. Aber, so betont Zill-Sahm, die Kindheitspädagogik sei jung. Da könne noch viel passieren.

Über dieses Thema berichtet MDR auch im: Radio | 10.10.2017 | 08:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2017, 09:27 Uhr

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5 Kommentare

10.10.2017 20:58 part 5

Na hoffentlich haben Bund, Länder und Kommunen dann auch die nötigen Mittel die Akademiker entsprechend zu bezahlen, bei immer mehr Steuervermeidung- und Verschwendung in diesem Land, gespart wird schließlich immer bei den Schwächsten der Gesellschaft.

10.10.2017 19:50 Anna.Jurischka 4

Entschuldigen sie bitte meine Groß und Kleinschreibung im letzten Kommentar... vor Entsetzen und Wut habe ich wild drauf losgetippt ohne zu schauen.

10.10.2017 19:44 Anna Jurischka 3

Ich bin fassungslos , die Erzieher sind im Basteln und Fingerspielen ausgebildet? Das ist ja von Vorgestern! Ich hatte Pädagogig mit psychologischen Aspekten , Entwicklungspsychologie , Resilienz, Sozialwissenschaft..wurde in meiner Ausbildung drei Jahre lang bei jedem Praktika beobachtet und geprüft ... Ob ich theorie und praxi verknüpfen kann... völlig unqualifizierte Aussage. Ich hatte all das in meiner Ausbildung was Kinderpädagogen haben.... Und in Fortbildungen zusätzlich angeeignet... wozu bitte, damit man meinen Berufstand als Basteltante bezeichnet? Bei Wikipedia steht unter Erzieher Pädagogische Fachkraft... Also bitte !!!

10.10.2017 16:56 Gute Frage! 2

Sind nicht auch Helikoptereltern Schuld, dass niemand mehr "Kindheitspädagoge" (was für ein Wortungetüm!!) werden will?

10.10.2017 15:35 Atheist aus Mangel an Beweisen 1

Da kann man noch so viel neue Namen für die Erziehung entwickeln an die Kitas der DDR kommen die heute Qualitativ wie Quantitativ nie ran - mir ist doch eine Krippenerzieherin in der Kita wichtiger die eine Zusatzausbildung in der Säuglingspflege hat als jemand mit einer Kirchlichen Ausbildung.