BASF - Werbekampagne Sächsisches Brandenburg
Beim Chemieriesen BASF ist ein Fehler passiert. Bildrechte: MDR/Rico Herkner

In Matratzen und Autositzen Fehler bei BASF: Schaumstoff für Matratzen kann krebserregend sein

Der Chemieriese BASF hat einen Monat lang einen Fehler bei der Produktion der Chemikalie TDI gemacht. Die ist zum Beispiel der Grundstoff für Schaumstoff, der in Matrazen verarbeitet wird. Durch den Fehler gelangte zu viel eines möglicherweise krebserregenden Stoffes in das TDI. Nun müssen die Produkte gefunden werden, in denen die belastete Chemikalie verarbeitetet wurde – und das ist nicht einfach.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

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Beim Chemieriesen BASF ist ein Fehler passiert. Bildrechte: MDR/Rico Herkner

Der Chemieriese BASF hat einen Fehler eingeräumt und zwar bei der Herstellung einer Chemikalie, die für Schaumstoffe gebraucht wird. TDI heißt das Produkt. Und durch den Fehler  war zu viel von einem Stoff drin, der Krebs verursachen kann: Dichlorbenzol. Die Produktion ist einen Monat lang schief gelaufen, bevor es auffiel. 7.500 Tonnen belastetes TDI wurden ausgeliefert - zunächst an Schaumstoffhersteller. Und die haben bereits 2.500 Tonnen weiterverarbeitet und dann zum Beispiel die Produzenten von Autositzen und Matratzenhersteller beliefert. 5.000 Tonnen wurden laut BASF nicht verarbeitet.

Dichlorbenzol Dichlorbenzol kann Haut, Atemwege und Augen reizen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Normalerweise liegt der Anteil der Chemikalie in dem von BASF hergestellten Schaumstoff-Grundprodukt TDI bei drei ppm (parts per million - Anteile pro Million). Gemessen wurden nun mehrere hundert ppm.

Große Unsicherheit für Kunden

Und was ist mit Kunden, die gerade eine Matratze gekauft haben - können die sich jetzt noch beruhigt schlafen legen? Ulrich Leifeld vom Matratzenverband zuckt da bedauernd mit den Schultern. Die Hersteller wissen gar nicht, ob der giftige Stoff im fertigen Produkt überhaupt noch drin ist. "Da kann es sein, dass wir mit glücklichen Umständen vielleicht mit einem blauen Auge davonkommen", sagt er. Aber es könne eben auch sein, dass sich eine Gesundheitsgefahr ergebe – was zu prüfen sei.

Aber wer prüft das nun? BASF verspricht in einer Mitteilung: "Ein Team von rund 75 Spezialisten unterstützt die Kunden zum Beispiel bei Tests, um eine Gefährdung auszuschließen." Die direkten Kunden von BASF sind die Schaumstoffhersteller. Aber was da bis jetzt getestet wurde und mit welchem Ergebnis, ist offen, sagt Ulrich Leifeld vom Matratzenverband: "Wir haben leider diese Tests noch nicht vorliegen, weil die Vorlieferanten da nicht aktiv sind. Wir selber als Industrie bemühen uns jetzt darum und geben das dann selbst in Auftrag."

Hotline: 0621 60 21919

Hotline: 0621 60 21919

BASF hat eine telefonische Hotline für Kunden und Verbraucher eingerichtet. Laut Unternehmen ist sie zwischen 08.00 Uhr und 18.00 Uhr zu erreichen unter 0621 60 21919.

Unklar, wo belasteter Schaumstoff gelandet ist

Aber erst wenn es Testergebnisse gibt, die belegen, welche Produkte belastet sind, könnten die Hersteller Matratzen zurückrufen. Und dann kommt noch etwas dazu: Es sind nur bestimmte Schaumstoffe betroffen – nämlich die, die zu einer bestimmten Zeit mit der Chemikalie von BASF hergestellt wurden. Aber wo die nun gelandet sind, ist schwer nachzuvollziehen. Aus dem gleichen Schaumblock könnte theoretisch ein Autositz und ein anderer Teil zu einer Matratze gemacht worden sein, sodass die Rückverfolgung der Lieferketten eine Schwierigkeit sei.

So kann bis jetzt auch keiner sagen, welche Matratzen aus dem belasteten Grundstoff von BASF und welche bestimmt sauber sind, weil ein anderer Hersteller das TDI geliefert hatte. Immerhin: Die Verbände der Schaumstoffindustrie haben jetzt eine Informationsplattform eingerichtet. In einer gemeinsamen Erklärung heißt es: "Dadurch können Schaumstofferzeuger miteinander kooperieren, um ihren Kunden in den nachgelagerten Industrien die Informationen zu liefern, die sie im Falle einer Verunreinigung ihrer Produkte benötigen."

Fazit: Es dauert ganz schön lange, bis klar ist, wo so ein giftiger Stoff überall hingewandert ist und wie er sich in fertigen Produkten auswirkt.  Für die Matratzenhersteller heißt das: sie müssen ihre Produktion zum Teil anhalten, bis alle Fragen geklärt sind. Wer dafür aufkommt, ist noch unklar. Und die Verbraucher? Die können offenbar schon froh sein, dass es hier um kein schnell wirkendes Gift ging, sondern "nur" um einen Stoff, der möglicherweise krebserregend ist.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.10.2017 | ab 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2017, 19:12 Uhr

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2 Kommentare

12.10.2017 00:08 Queerboy85 2

Es bei Fakten belassen? Dass DCB Krebs verursachen kann, IST EIN FAKT. Aber wieder typisch BASF. Mist bauen, alles kleinreden und Gewinn scheffeln.

12.10.2017 19:05 Schneider 1

Sehr geehrte Presse,
Ja es ist ein Skandal das diese Stoffe wie Di Chlor Benzol erst ca 5 Wochen an die verarbeitende Industrie geliefert wird. Bevor diese am 6.10.2017 morgens informiert wird.
ice bemängle die vorgensweise der BASF Ludwigshafen es gibt ein Expertenteam das nach 5 Arbeitstagen noch keine vorläufigen Ergebnisse veröffentlichen um für etwas Beruhigung im Markt zu sorgen.
Ich verstehe auch die Presse nicht die über mögliche Krebseregung spricht und es nicht bei Hautreizungen und Augenbrennen belässt bis Fakten vorliegen.
Die es wohl am Montag oder Dienstag nächster Woche geben wird.
Schlagzeilen sind wichtig diese könnten meiner Meinung nach in diesen Situationen mehr mit bedacht gewählt werden.
Wenn Fakten da sind . Sollte alles offen geschrieben und auch veröffentlicht werden.
Mit freundlichen Grüßen
Schneider
Diese Presse Mitteilung verunsichern unsere Kunden
und Endkunden.

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