BASF - Werbekampagne Sächsisches Brandenburg
BASF gibt nach Fehler in der Produktion Entwarnung Bildrechte: MDR/Rico Herkner

Dichlorbenzol BASF: Keine Gesundheitsgefahr in belastetem Schaumstoff

Eine deutliche Belastung eines von BASF hergestellten Kunststoffes mit Dichlorbenzol hat in den vergangenen Tagen unter anderem bei Matratzen-Herstellern und -käufern für Aufregung gesorgt. Nun erklärte das Unternehmen, eine Gesundheitsgefahr bestehe nicht. Der Stoff verflüchtige sich.

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BASF gibt nach Fehler in der Produktion Entwarnung Bildrechte: MDR/Rico Herkner

Von den Schaumstoffen, die mit einem belasteten BASF-Kunststoffprodukt hergestellt wurden, geht nach Einschätzung des Unternehmens keine Gesundheitsgefahr aus. Das hätten erste Untersuchungen an verunreinigten Schäumen und weitergehende Berechnungen gezeigt, teilte das Chemieunternehmen am Donnerstag mit. Der Schaumstoff Toluoldiisocyanat (TDI) wird unter anderem zur Herstellung von Matratzen und Autositzen verwendet.

Erleichterung in der Branche – Vorsorge bleibt

Der Fachverband Matratzen-Industrie e.V. nahm die Messergebnisse mit großer Erleichterung auf. "Das ist für uns alle eine super-erlösende Nachricht", sagte Geschäftsführer Ulrich Leifeld. Der Betten- und Möbelhändler Dänisches Bettenlager nahm dennoch "vor den abschließenden Prüfergebnissen der Hersteller" vorsorglich "eventuell belastete" Matratzenmodelle aus dem Verkauf und bot eine Rücknahme oder einen Umtausch an. Der Hersteller Dunlopillo hatte bereits am Dienstag eine bundesweite Rückrufaktion für Matratzen gestartet, die in den vergangenen 14 Tagen an Handel oder Endkunden gegangen waren.

Hotline: 0621 60 21919

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BASF hat eine telefonische Hotline für Kunden und Verbraucher eingerichtet. Laut Unternehmen ist sie zwischen 08.00 Uhr und 18.00 Uhr zu erreichen unter 0621 60 21919.

BASF räumte Fehler ein

BASF hatte eingeräumt, dass wegen eines technischen Fehlers in der Produktion zwischen dem 25. August und dem 29. September 7.500 Tonnen TDI hergestellt zu haben, die eine deutlich erhöhte Konzentration an Dichlorbenzol aufwiesen. 2.500 Tonnen seien bereits weiterverarbeitet und dann zum Beispiel an Produzenten von Autositzen und Matratzenhersteller geliefert worden. 5.000 Tonnen wurden laut BASF nicht verarbeitet.

Dichlorbenzol Dichlorbenzol kann Haut, Atemwege und Augen reizen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen. Normalerweise liegt der Anteil der Chemikalie in dem von BASF hergestellten Schaumstoff-Grundprodukt TDI bei drei ppm (parts per million - Anteile pro Million). Gemessen wurden nun mehrere hundert ppm.

Entwarnung nach Tests - BASF sammelt TDI trotzdem ein

Nach Tests von BASF-Fachleuten gab der Leiter des BASF-Unternehmensbereichs Monomers, Stefano Pigozzi, Entwarnung. "Eine Risikobewertung unserer Experten hat ergeben, dass nicht von einer Gesundheitsgefährdung auszugehen ist", sagte er. Der Stoff verflüchtige sich. Nach Angaben eines BASF-Sprechers lagen die in den Schäumen gemessenen DCB-Werte deutlich unter dem Referenzwert von einem ppm.  

Das Unternehmen will das ausgelieferte TDI mit den hohen DCB-Werten nach wie vor einsammeln, sagte der BASF-Sprecher.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 12.10.2017 | ab 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Oktober 2017, 12:12 Uhr

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3 Kommentare

13.10.2017 20:45 HERBERT WALLASCH, Pirna 3

Was wurde uns schon alles erklärt von Konzernen, von Fachleuten, von der Regierung, wie wurden die Fakten manipuliert und geschönt, was heute leider das Maß zu sein scheint. Notfalls kann man diese mit Hilfe von staatlicher Stellen auch auf 117 Jahre sperren lassen, wie in Hessen. Glaubwürdigkeit wurde schon vor Jahren verspielt.

13.10.2017 20:05 Querdenker 2

Zitat: „Der Stoff verflüchtige sich.“

Dichlorbenzol ist ja ein in der Umwelt schlecht abbaubarer Stoff. Wo flüchtet der Stoff sich denn hin? Unters Bett? Und wie viele Jahre dauert das, bis der besondere „Milbenschutz“ der Matratze nachlässt? Und gibt es bei einer eventuellen Krebstherapie dann einen Rabatt, wenn man auf solch einer Matratze jahrelang geschlafen hat? Kostenlose „Spuckbeutel“ sollten bei einer Chemo aber wenigstens drin sein? Wenigstens riecht Dichlorbenzol angenehm nach Himbeere.

13.10.2017 10:58 Lederknopf 1

Ich fasse mal zusammen: Ein Milliardenkonzern ist dabei erwischt worden, dass er ausversehen einen Monat lang gesundheitsschädlichen Schaumstoff produziert hat und musste es öffentlich zugeben.
Derselbe Konzern, der nun einen Millionenschaden erwartet hat jetzt "berechnet", dass der Stoff sich verflüchtigt und alles kein Problem ist, nimmt aber dennoch den Stoff zurück.
Alles klar!

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