Erreger in Mücken nachgewiesen Durch Mückenstiche mit Borreliose infizieren?

Borreliose wird hauptsächlich durch Zecken übertragen. Lange hat man vermutet, dass Menschen sehr selten auch durch Mückenstiche mit der Krankheit infiziert werden können. Das haben Forscher nun nachgewiesen. Ein Grund zur Sorge?

von Stephan Zimmermann, MDR INFO

Forscher der Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung untersuchen alle möglichen Blutsauger in Deutschland. Sie wollen wissen, welche Krankheiten die Insekten übertragen. Und der Frankfurter Parasiten-Experte Sven Klümpel hat dafür in ganz Deutschland Mücken einfangen lassen: "Momentan nutzen wir bei unserem Mücken-Monitoring unterschiedliche Einrichtungen, Privatpersonen, die Bundeswehr, Schulen, Junior-Ranger zum Beispiel, die dann auch an bestimmten Stellen gezielt über einen bestimmten Zeitraum Mückenfallen einsetzen."

Und in vielen der gefangenen Mücken wurden dann Borreliose-Erreger nachgewiesen. Regionale Unterschiede haben die Forscher dabei nicht gefunden. Aber je nach Mückenart kommen die Borrelien mehr oder weniger häufig vor: "Die Befallshäufigkeit von Borrelien in den Mücken lag zwischen 0,35 bis hin zu elf Prozent, vergleichbar mit Zecken. Da haben wir ähnliche Befallszahlen."

Dass Zecken die Borreliose auf den Menschen über tragen, ist bekannt. Aber wie ist es mit den Mücken? In Einzelfällen gab es auch da schon Infektionen: "Ja, solche gibt es in der Literatur. Mir sind derartige Fälle aus meiner Arbeitszeit nicht bekannt. Aber es gibt Nachweise, wo es heißt, dass tatsächlich über einen Mückenstich oder über einen Bremsenstich Borrelien übertragen wurden und das zu einer Borreliose geführt hat", so Sven Klümpel.

Einzelfälle oder flächendeckende Gefahr?

Ob es bei Mücken mehr als Einzelfälle gibt, ist allerdings fraglich. Sie saugen das Blut anders als Zecken. Denn Zecken hängen viel länger an ihrem Wirt. Klümpel: "Hinzu kommt auch noch, dass bestimmte Proteine von Zecken zur Unterdrückung der Immunabwehr in den Wirt abgegeben werden. Und die werden von den Borrelien benutzt, als Träger benutzt, um sich selber zu maskieren, um der Immunantwort zu entgehen. Diesen Mechanismus haben wir bei den Mücken eben noch nicht nachweisen können. Und vielleicht gibt es den auch gar nicht. Aber das sind weitere Forschungsarbeiten."

Und der Parasitenforscher Sven Klümpel und seine Kollegen werden daran weiter arbeiten. "Das sind zukünftige Forschungsarbeiten, wo wir uns diese Mechanismen anschauen. Da werden Laborarbeiten gemacht, Infektionstests durchgeführt, und, und, und. Aber momentan sehen wir keinerlei gesteigerte Gefahr die von Mücken ausgeht, Borrelien zu übertragen." Die Blutsauger sind ja auch so schon lästig genug.

Was ist Borreliose? Borreliose ist ein Sammelbegriff für verschiedene Infektionskrankheiten. Übertragen wird sie hauptsächlich zurch Zecken. Ist man infiziert, merkt man dies in der Regel erst dann, wenn die ersten Symptome auftreten. Im schlimmsten Fall kann die Krankheit zu Gelenkschmerzen, Nervenentzündungen und Lähmungen führen. Einen Impfschutz gibt es nicht.

Zuletzt aktualisiert: 24. März 2016, 16:29 Uhr