Ausgewählte Moose und Flechten für den "City Tree".
Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Dresdner Startup Mit Moos gegen Feinstaub

Fast alle Großstädte haben ein Feinstaub-Problem. Die winzigen Partikel entstehen zum Beispiel als Abrieb beim Bremsen, beim Verbrennen von Diesel, Gas oder Öl aber auch durch die Benutzung von Kopierern. Zu viel Feinstaub in der Luft kann krank machen. Aber wie kann eine Stadt den Feinstaub reduzieren? Ein Startup aus Dresden verfolgt einen grünen Ansatz - im wahrsten Sinne des Wortes.

von Ralf Geißler, MDR INFO

Ausgewählte Moose und Flechten für den "City Tree".
Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Eine Parkbank klingt zunächst nach einer unspektakulären Erfindung. Doch die Parkbank, die sich vier junge Männer aus Dresden ausgedacht haben, bringt frische Waldluft in die Großstadt. Ihre Lehne ragt vier Meter nach oben – wie eine dicke Wand. Diese ist dicht bewachsen mit Moosen und Flechten. Eine ausgesuchte Mischung, sagt Miterfinder Victor Splittgerber: "Die Pflanzen, wir haben davon insgesamt 1.600 an einer Wand, filtern den Feinstaub aus der Luft. Die haben so eine wachsige Oberfläche und da halten sich die kleinen Feinstaubpartikel, die sonst in die Lunge eindringen und uns schädigen, an ihrer Oberfläche fest. Eine Wand ersetzt 275 Bäume in Bezug auf die Feinstaub-Bindung."

Pflanzen und Hightec

Dresdner StartUp-Unternehmer Splittgerber und Honus vor ihrer Erfindung.
Dresdner Startup-Unternehmer Splittgerber und Honus vor ihrer Erfindung. Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Ein enormer Wert. Doch das Potenzial von Flechten und Moosen konnte man in Großstädten bislang kaum nutzen. Sie wachsen dort schlecht. Die Erfinder haben sich deshalb etwas ausgedacht: Im Inneren der massiven Rückenlehne ihrer Bank haben sie alles versteckt, was das Grünzeug zum Leben braucht. Es gibt einen Wassertank, eine elektronische Überwachung und obendrauf eine kleine Solaranlage, die den Strom liefert. Und einen WLAN-Zugang ins Internet bietet die futuristische Parkbank auch, verrät Splittgerber: "Wenn man sich jetzt einen schönen Sommertag vorstellt, dann hat man auf der Bank im Rücken die kühle frische Luft, man hat die saubere Luft und auch noch ein WLAN zur Verfügung, wo man sich dann hinsetzen kann und informieren, was man da Tolles hinter sich hat."

Asien als Zukunftsmarkt

Die Dresdner haben ihre Parkbank "City-Tree" getauft, weil der Bewuchs auch CO2 schluckt – so viel wie 20 Straßenbäume. Das Erfinder-Team besteht aus einem Informatiker, einem Architekten, einem Biologen und einem Maschinenbauer. Gemeinsam bieten sie ihre Erfindung großen Metropolen an. Pro Parkbank verlangen sie mehr als 20.000 Euro. Oslo hat zwei bestellt, auch andere Städte zeigen Interesse, sagt Geschäftsführer Dénes Honus. Denn andere Maßnahmen zur Luftreinhaltung seien teurer: "Wir sind gerade dabei, ein temporäres Büro in Hongkong zu eröffnen, weil wir glauben, dass der Schritt nach Asien besser früher als später gemacht werden sollte. Jeder kennt vielleicht die Bilder aus Neu Delhi oder aus Peking, wo man dann nicht mehr so viel sieht außer grauen Smog. Und da möchten wir hin. Da liegen für uns als Unternehmen die großen Zukunftsmärkte."

Die Lösung eines weltweiten Problems?

Das Forbes-Magazin war von den Dresdnern so beeindruckt, dass es Geschäftsführer Honus zu einem von 30 Gründern unter 30 wählte, die imstande sind, die Welt zu verändern. Tatsächlich ist das Problem, das die vier angehen, enorm. Weltweit sterben laut WHO jährlich mehr als zwei Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. "Das Ziel am Ende ist natürlich, eines der ganz großen Probleme in den Städten unserer Zeit zu lösen. Und auf der anderen Seite ein Unternehmen zu bauen, das einen nachhaltigen Erfolg vorweist. Und das weltweit", sagt Dénes Honus und lehnt sich zurück. Fünf seiner futuristischen Bänke stehen schon. 100 will er in diesem Jahr verkaufen.

Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2016, 05:00 Uhr