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Im Internet vertrauen viele Nutzer lieber seriösen Nachrichtendiensten als Twitter oder Facebook. Bildrechte: colourbox.com

Studie zur Nachrichtennutzung Deutsche Onliner vertrauen herkömmlichen Medien

Die große Mehrheit der Internetnutzer äußert sich nicht in den Kommentarspalten. Sie vertraut außerdem eher den herkömmlichen Medien und misstraut Facebook oder Twitter. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie zum Thema Nachrichtennutzung im Internet.

von Uwe Jahn, MDR AKTUELL

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Im Internet vertrauen viele Nutzer lieber seriösen Nachrichtendiensten als Twitter oder Facebook. Bildrechte: colourbox.com

Von wegen: Das Internet läutet das Ende für das Fernsehen, das Radio und die Tageszeitungen ein. Eine aktuelle Studie über Nachrichtennutzung im Internet hat etwas anderes herausgefunden. Insgesamt 2.000 Onliner über 18 Jahre sind dafür befragt worden.

Der Medienforscher Sascha Hölig vom Hans-Bredow-Institut der Universität Hamburg erklärt: "Wir sehen, dass gerade das Vertrauen in die traditionellen Medien, im Sinne von Printmedien oder auch dem Rundfunk wie Fernsehen und Radio und insbesondere den öffentlich-rechtlichen Medien, deutlich größer ist als in die sogenannten alternativen Quellen, die immer herangezogen werden."

Fernsehen wichtigste Nachrichtenquelle

Erstaunlich daran: Die am weitesten verbreitete Nachrichtenquelle für Internetnutzer in Deutschland ist das Fernsehen. 77 Prozent der Onliner über 18 Jahren sehen mindestens einmal pro Woche Nachrichten im linearen Fernsehen, das heißt also eins zu eins und nicht zeitversetzt. Für mehr als die Hälfte ist das Fernsehen nach wie vor die wichtigste Nachrichtenquelle. Dagegen räumen nur sieben Prozent diese Bedeutung den sozialen Medien ein. Schon vergangenes Jahr war man zu solchen Ergebnissen gekommen.

Dennoch hat Hölig im letzten Jahr einen Vetrauensrückgang festgestellt: "Das hängt zusammen mit der Berichterstattung über die Flüchtlinge und die Ukraine usw. Da haben wir schon gemerkt, dass das Vertrauen tendenziell zurückgegangen ist. Allerdings ist das nicht in dem großen Maße geschehen, wie man den Eindruck haben könnte."

Nur eine extreme Minderheit kommentiert

Insbesondere, wenn man die Kommentarspalten liest. Auch hier haben Sascha Hölig und seine Kollegen vom Hans-Bredow-Institut gefragt, wer denn da überhaupt kommentiert?

Hölig sagt: "Wir stellen immer wieder fest, dass der Anteil der Bevölkerung, der in sozialen Medien oder auch auf den Webseiten von Nachrichtenangeboten kommentiert, zum einen sehr sehr klein ist. Und zum anderen ein Teil ist, der sich politisch eher weiter rechts oder eher weiter links verorten lässt. Diese Anteile sind überproportional im Internet aktiv, als sie in der Normalgesellschaft vorhanden sind."

Vertrauen geht schnell verloren

Lediglich acht Prozent der Onliner über 18 Jahre schreiben überhaupt Kommentare im Internet. Das heißt, die Stimmung, die in den Kommentarspalten bisweilen tobt, ist keineswegs repräsentativ. Nichtsdestotrotz dauert es, einmal verlorenes Vertrauen wieder zurückzuerobern. Wie? Mit Qualität, also Ausgewogenheit und fundierter Recherche findet Medienforscher Sascha Hölig.

Er sagt: "Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Die große Frage ist nur, wie das Ganze refinanziert werden kann und wir sehen schon, dass nur bestimmte kleine Anteile in der Bevölkerung bereit sind, für Journalismus im Internet Geld auszugeben."   

Der Anteil von Menschen, die Nachrichten generell oder wenigstens ab und zu aus dem Wege gehen, ist in Deutschland übrigens vergleichsweise klein. Die Bundesrepublik befindet sich unter den zehn Ländern mit den wenigstens "Nachrichtenmeidern".

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 06.07.2017 | 09:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juli 2017, 17:48 Uhr

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9 Kommentare

07.07.2017 16:23 Wolfgang 9

@4 Zitat: "Vielleicht ist aber auch der Teil, der die Meldungen dort liest auch dementsprechend klein? Und wenn man so seine Erfahrungen mit eigenen Kommentaren gesammelt hat, weiss auch hier fast jeder User, wieviel es gar nicht erst in den Kommentarbereich schaffen. "
Dem möchte ich zustimmen und auch zu diesem Beitrag wird weggelassen wie ein Beitrag von mir gleich am Anfang. So kann man sich jetzt durch das neue Maasgesetz Meinungen schönrechnen und ja, ich sage es noch einmal "selbstbeweihräuchern".

07.07.2017 14:13 Werner 8

Von einer Anti-Kriegs-Seite einer mehr oder weniger linken Gruppe der Linken bei VK, die Sahra Wagenknecht oft für Statements benutzt: "DEUTSCHE WAHRHEIT GIB LÜGEN KEINE CHANCE - yesterday at 7:52 am - Lügen, Propaganda, Manipulation der Massen - Dr. Andreas von Bülow spricht in Dresden (13. Juni 2017 - Der Wahrheitsgehalt der Medienberichterstattung wird unter 10% eingeschätzt."). "Andreas von Bülow (* 17. Juli 1937 in Dresden) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD) und Autor mehrerer politischer Sachbücher. Von 1976 bis 1980 war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverteidigungsminister..Von Bülow nahm im April 1978 an der Bilderberg-Konferenz in Princeton (USA) teil...1983: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland...Bülows Thesen wurden verschiedentlich als Verschwörungstheorien bezeichnet...Bülow selber erklärte in einem Interview mit der Online-Zeitschrift Telepolis, er sehe sich einer Kampagne ausgesetzt..." Wikipedia

07.07.2017 07:35 bentin 7

Ich kommentiere nur noch selten, weil es eh sinnlos ist. Ich habe meine eigene Meinung - aber wen bitte scherts? So wichtig kann man gar nicht sein als nicht-Politiker und nicht-Konzernbesitzer. Ansonsten halte ich höchstens 20% der in Medien verkündeten News für tatsächlich objektiv und ungeschönt ...

06.07.2017 20:47 Extreme Minderheit 6

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. (...) Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, dass wir diesen Quellen nicht trauen können“ (Niklas Luhmann).
Oder um es mit Gerhard Schröder zu sagen: "Zum Regieren brauche ich BILD, BAMS und Glotze."

06.07.2017 16:23 Fragender Rentner 5

Zitat von Oben: Deutsche Onliner vertrauen herkömmlichen Medien

Wieder mal so eine Umfrage, die nur Geld kostet und keinen Nutzen bringt.

Oder trauen sich so einige nicht mehr die Wahrheit zu sagen?

06.07.2017 16:22 Wo geht es hin? 4

Zitat aus dem Artikel: "Hölig sagt: "Wir stellen immer wieder fest, dass der Anteil der Bevölkerung, der in sozialen Medien oder auch auf den Webseiten von Nachrichtenangeboten kommentiert, zum einen sehr sehr klein ist." Zitat Ende. Vielleicht ist aber auch der Teil, der die Meldungen dort liest auch dementsprechend klein? Und wenn man so seine Erfahrungen mit eigenen Kommentaren gesammelt hat, weiss auch hier fast jeder User, wieviel es gar nicht erst in den Kommentarbereich schaffen. Sprich - die werden einfach nicht veröffentlicht. Und was nicht veröffentlicht wird, kann man auch nicht bewerten oder einordnen. Der Herr Hölig aber wohl schon, der Fuchs!

06.07.2017 16:00 Der Neffe von Winston Churchill 3

Trau keiner Statistik, wenn 2000 zu 82,8 Millionen
gleich 8% sind...

06.07.2017 16:00 m.g. 2

Selbst wenn ich die herkömmlichen Medien lese, heißt das noch lange nicht, dass ich diesen vertraue. Das hat was mit Vielfalt zu tun, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

06.07.2017 14:28 "Studien" die die Welt nicht braucht 1

Aha! Nur 8 % Kommentarschreiber sind also eine extreme Minderheit und daher nicht repräsentativ. Aber 2000 Befragte für die "Studie" sollen für die Bevölkerung repräsentativ sein? Oder wie?