an einem ec-Kartenlesegerät wird eine Nummer eingetippt
Bildrechte: IMAGO

Bezahlen mit EC-Karte Mal mit PIN, mal mit Unterschrift?

Wer mit EC-Karte bezahlen will, muss meistens seine PIN eingeben. Manchmal muss man aber auch unterschreiben. Das wundert unseren Hörer Franz Kunze aus Halle: "Wieso werden beim Bezahlen mit einer EC-Karte verschiedene Abrechnungssysteme angewendet? Die PIN ist doch sicherer. Unterschriften kann man fälschen."

von Manuela Lonitz, MDR INFO

an einem ec-Kartenlesegerät wird eine Nummer eingetippt
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PIN-Verfahren: Banken kassieren Gebühren

Beim Zahlen mit PIN oder Unterschrift handelt es sich tatsächlich um zwei völlig verschiedene Systeme. Das PIN-Verfahren wird von den Banken bereitgestellt, erklärt Tanja Beller vom Bankenverband: "Wenn Sie Ihre PIN am Terminal an der Kasse eingeben, wird eine Online-Anfrage zur Autorisierung an die Bank gestartet. Indem die Bank diese Anfrage frei gibt, gibt sie auch eine Zahlungsgarantie gegenüber dem Händler ab und Ihr Konto wird mit dem Betrag belastet." Doch diese Sicherheit kostet den Händler Geld - wie viel genau ist unklar, weil die Händler die Gebühren individuell mit den Banken verhandeln.

Unterschrift: Händler nehmen Risiko in Kauf

Um sich dieses Geld zu sparen, ermöglicht der Handel auch das Bezahlen mit Unterschrift. Dahinter steckt ein Lastschriftverfahren. In dem Moment, wo ich unterschreibe, erlaube ich, dass der Händler den Betrag von meinem Konto abbucht. Hierbei trägt allerdings der Handel ein gewisses Risiko, denn eine Lastschrift kann ein Kunde ohne Angabe von Gründen innerhalb von acht Wochen zurückbuchen, sagt Sven Kretzschmar von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt. Wurde die Karte gestohlen, hat man sogar noch mehr Zeit: "In den Fällen, wo es sich um eine nicht autorisierte Zahlung, also eine fehlerhafte Abbuchung, handelt, beträgt die Frist 13 Monate. Man sollte jeden Kontoauszug genau darauf prüfen, ob vielleicht Lastschriften dabei sind, die man nicht zuordnen kann."

Beide Methoden: Mehr Sicherheit durch Zufall

Trotzdem hält der Handel am Lastschriftverfahren fest - obwohl es schon zahlreiche Bestrebungen der Banken gegeben hat, das Bezahlen mit Unterschrift abzuschaffen. Über 13 Prozent des gesamten Einzelhandels-Umsatzes werden per Unterschrift bezahlt, sagt Knut Bernsen, der Geschäftsführer des Handelsverbandes in Sachsen-Anhalt und Thüringen: "Ein System, das von so vielen Kunden genutzt wird und an der Kasse manchmal noch ein bisschen schneller als das PIN-Modell geht, ist für den Kunden nicht unattraktiv. Deshalb glauben wir, dass es eine Zukunft hat." Dass beide Zahlungsarten mitunter im selben Kaufhaus eingesetzt werden, hat auch einen Grund: "Man hat bestimmte Sicherheitslinien eingezogen, mit denen man Zufälle generiert - mal wird das eine, mal das andere System verwendet."

Welche Methode ist sicherer?

Wenn MDR-INFO-Hörer Franz Kunze meint, das PIN-Verfahren sei sicherer als das Bezahlen mit Unterschrift, dann irrt er: Die bundesweite Kriminalstatistik zeigt, dass es deutlich mehr Betrügereien mit der PIN als mit der Unterschrift gibt. 2014 waren es 16.069 Fälle mit Unterschrift und 23.670 Fälle mit PIN - auch wenn man bedenken muss, das inzwischen häufiger die PIN-Methode verwendet wird.

Bei Verlust: Karte am besten bei der Polizei sperren lassen

Um sich bei Verlust der EC-Karte abzusichern, kann man diese schnell und unkompliziert bei der Bank sperren lassen. Doch was viele nicht wissen: Damit wird nur die PIN-Funktion gesperrt - mit Unterschrift kann weiter abgebucht werden. Deshalb hat die Polizei gemeinsam mit dem Handel ein weiteres Sperrsystem entwickelt: "KUNO ist noch ein zusätzliches Sicherheitssystem, dass Kunden und Händler im Bereich der Unterschriften besser schützen soll." Die Sperrung im KUNO-System läuft über die Polizei, die deshalb dazu rät, möglichst schnell Anzeige zu erstatten. Die Ängste sind also nicht ganz unbegründet - aber dramatisieren muss man es auch nicht. Bedenkt man, wie oft jeden Tag mit EC-Karte bezahlt wird, sind die Betrügereien insgesamt verschwindend gering.

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2016, 05:00 Uhr

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