Lesbische Hochzeit
Ab 1. Oktober dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Der Andrang hält sich in Mitteldeutschland bislang in Grenzen. Bildrechte: dpa

Ehe für alle In Mitteldeutschland bisher geringes Interesse an der Ehe für alle

Im Juli beschlossen Bundestag und Bundesrat: Heiraten sollte auch für homosexuelle Paare möglich sein. Seit dem 1. Oktober ist die Gesetzesänderung in Kraft. Sprich: Gleichgeschlechtliche Paare dürfen jetzt mit allen Rechten und Pflichten heiraten. Damit Interessierte gleich am ersten Tag heiraten können, werden in einigen Städten die Standesämter ausnahmsweise an diesem Sonntag öffnen. Wie sieht es in Mitteldeutschland aus?

von Christine Warnecke, MDR AKTUELL

Lesbische Hochzeit
Ab 1. Oktober dürfen gleichgeschlechtliche Paare in Deutschland heiraten. Der Andrang hält sich in Mitteldeutschland bislang in Grenzen. Bildrechte: dpa

Einen offenen Sonntag für Hochzeiten wird es in Mitteldeutschland wohl nicht geben. Da machen die Standesämter an diesem 1. Oktober keine Ausnahme. Das ergab eine Umfrage von MDR AKTUELL in den neun größten Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Nur wenige Anmeldungen in Mitteldeutschland

Auch jenseits dieses Datums: Von einem Ansturm will keines der Standesämter sprechen. In Dresden haben sich 20 homosexuelle Paare zur Eheschließung angemeldet, 34 weitere Paare wollen ihre Lebenspartnerschaft in eine Ehe umwandeln lassen. In Leipzig werden demnächst acht Paare heiraten und 25 sind bereits zur Umwandlung einer Lebenspartnerschaft angemeldet. Damit sind die beiden sächsischen Städte Spitzenreiter in Mitteldeutschland.

In Erfurt gibt es immerhin vier Anmeldungen, in Magdeburg haben zwei homosexuelle Paare einen Hochzeitstermin, in Halle eines. In Weimar und Chemnitz hingegen können Anmeldungen zu Eheschließungen überhaupt erst ab Montag angenommen werden.

Ein Erfolg mit Kratzern

Für Mathias Fangohr vom Schwulen- und Lesbenverband (LSVD) in Sachsen-Anhalt ist es aber unerheblich, wie viele homosexuelle Paare nun eine Ehe eingehen wollen. Ihm ist nur wichtig, dass es die Möglichkeit gibt.

Wenn Diskriminierung stattfindet, ist es egal, ob es eine Diskriminierung gegenüber einer, hundert oder tausend Personen ist.

Mathias Fangohr, LSVD Sachsen-Anhalt

Die Standesämter erwarten, dass sich die Zahlen ähnlich entwickeln werden, wie bisher bei den Lebenspartnerschaften. Zusätzliches Personal sei nicht nötig.

Für den LSVD ist das neue Gesetz ein Erfolg, wenngleich es noch offene Baustellen gebe. So könnten intersexuelle Menschen immer noch nicht heiraten, weil sie nicht eindeutig als männlich oder weiblich vermerkt werden können. Und auch bei den Kosten für die Heirat sieht der Schwulen- und Lesbenverband Ungerechtigkeiten, so Fangohr: "Wir fordern von der Landesregierung ganz klar, dass die Umschreibung gebührenfrei sein muss." Es könne nicht sein, dass homosexuelle Paare noch einmal zahlen müssen. "Schließlich haben sie schon bezahlt, als sie die eingetragene Lebenspartnerschaft eingegangen waren."

Homophobe Software

Und es müssen noch technische Hürden genommen werden. Bislang können die Standesämter die Partner im Eheregister nur als "Ehefrau" oder "Ehemann" führen. Zwei  Männer oder zwei Frauen können nicht als Paar eintragen werden. Somit muss ein Partner formal erst mal mit einem falschen Geschlecht registriert werden. Ein Software-Update zur Korrektur ist in Arbeit. Da dies aber mehrere Monate dauert, wird es erst 2018 möglich sein, die bisher zwingenden Bezeichnungen "Ehemann/Ehefrau" anders darzustellen. Eine nötige Formalität, obwohl auf den Urkunden ohnehin nur "Ehegatten" stehen wird.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 01.10.2017 | 10:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2017, 13:30 Uhr

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20 Kommentare

02.10.2017 16:39 Horst 1 20

dieses Thema ist ja so wichtig für unseren Staat! Wir haben so viele Baustellen abzuarbeiten, da gibt es viel wichtigere Sachen als so etwas! Wer von denen unbedingt heiraten will soll es doch machen ,aber die Leute damit bitte in Ruhe lassen!

02.10.2017 12:34 @16 19

Ach? Hat man Ihnen seit Reichsgründung den Zugang zu Meldestellen verboten? So könnte man Ihren Vergleich ja nachvollziehen.

P.S.: aus dem Text zu dem Sie sich unbedingt mal wieder maßlos empören möchten: "Einen offenen Sonntag für Hochzeiten wird es in Mitteldeutschland wohl nicht geben." *smiley*

01.10.2017 23:32 @15 18

"Ja mal die Frage, ist eventuell das Potential dafür gar ein geringes ... ?"

Mmmh. In NRW ist durchaus eine hohe Nachfrage zu beobachten. Evtl. ist Mitteldeutschland ja eine Region, in der man sich eher weniger gern öffentlich zu seiner Homosexualität bekennt. Wenn ich mir manchen Kommentar hier so ansehe, wundert mich das wenig...

01.10.2017 23:26 Mensch Markus 17

Das Wikipedia-Zitat war augenscheinlich zu kompliziert. Nochmal für Sie in einfachen Worten: Intersexualität ist sehr wohl auch biologisch bedingt - also auch in Chromosomenanalysen nachweisbar. Da ist halt mehr als XX und XY.

Was wollen Sie also? Zumal Sie mit Ihrem gefährlichen Halbwissen offenkundig nicht betroffen sind.

01.10.2017 22:40 Wachtmeister Dimpfelmoser 16

Für diesen Mummenschanz haben sogar die Standesämter am heutigen Sonntag außerplanmäßig die Pforten aufgemacht. Aber wehe, der Bürger würde mal den Vorschlag machen, die vielerorts monatelangen Wartezeiten in Meldestellen oder anderen Abteilungen durch einen zusätzlichen Tag wenigstens etwas abzubauen.

01.10.2017 19:36 Jens der Lausitzer 15

Mit diesem Thema hat sich unsere bisherige Regierung samt gleichgeschalteter Oposition, allen voran den Grünen, nun Wochen und Monate befasst und rumgeseiert. Es kam einen so vor, als gäbe in den Monaten nichts wichtigeres zu lösen und auf den Weg zu bringen. Der Wahlausgang gab eine Antwort, wenn man falsche Prioritäten setzt.

Nun bekommen wir die Bestätigung vom Öffentlich-Rechtlichen: "In Mitteldeutschland bisher geringes Interesse an der Ehe für alle"

Ja mal die Frage, ist eventuell das Potential dafür gar ein geringes ... ?

01.10.2017 18:30 Ptopolus 14

Ich glaube, das es zumindest in Sachsen, mehr vernünftige Homosexuelle gibt, als man entgegen dieses Theaters in den Medien vermuten könnte. Sie leben ihre Neigung aus und können auf das propagandistische Gedöns der scheinheiligen Aktivisten gut und gerne verzichten.

01.10.2017 17:44 Markus 13

@9 nach deutschem Gesetz muss man für eine Ehe so viel alles nachweisen, dass noch eine zusätzliche Analyse von Chromosomen nicht viel ändert. Ordnung muss sein!

01.10.2017 17:11 @10 12

"es scheint ja nichts wichtigeres zu geben in Deutschland 2017"
Super Argument geg. die "Ehe für alle". Es gibt wichtigeres. Kann man auch geg. Änderungen im Rentensystem anführen. Warum da was optimieren? Wo doch Millionen Menschen weltweit an Hunger, Seuchen und durch Krieg sterben...

Und wo Sie schon Fangohr nochmals zitieren, warum lassen Sie die wichtigste Passage weg. Die ist doch extra fett und groß:
"Wenn Diskriminierung stattfindet, ist es egal, ob es eine Diskriminierung gegenüber einer, hundert oder tausend Personen ist."
Sad!
Aber Ihre Antwort auf dieses Argument scheint mir ohnehin eher "in die Fresse" zu sein.

01.10.2017 16:46 Normalo 11

@ 10 War doch kein großer Aufwand, also keine Panik ;-)