Der Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein (Zweigstelle Rosenheim), Jürgen Branz (l), und der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, informieren am 16.02.2016 in Bad Aibling (Bayern) während einer Pressekonferenz zum Bahnunglück von Bad Aibling über die Unfallursachen.
Oberstaatsanwalt Jürgen Branz (l) und der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, zu den Erkenntnissen der Ermittler Bildrechte: dpa

Bad Aibling Ermittler geben Fahrdienstleiter Schuld am Zugunglück

Der Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein (Zweigstelle Rosenheim), Jürgen Branz (l), und der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, informieren am 16.02.2016 in Bad Aibling (Bayern) während einer Pressekonferenz zum Bahnunglück von Bad Aibling über die Unfallursachen.
Oberstaatsanwalt Jürgen Branz (l) und der Leitende Oberstaatsanwalt der Staatsanwaltschaft Traunstein, Wolfgang Giese, zu den Erkenntnissen der Ermittler Bildrechte: dpa

Das Zugunglück von Bad Aibling mit elf Todesopfern geht nach Angaben der Ermittler auf menschliches Versagen zurück. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in dem oberbayerischen Kurort mitteilte, wurde gegen den Fahrdienstleiter für die Strecke ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet. Der 39-Jährige habe sich nach anfänglicher Aussageverweigerung inzwischen ausführlich geäußert. "Hätte er sich regelgemäß - also pflichtgerecht verhalten - wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen", sagte Giese.

Alkohol war nicht im Spiel

Es gehe in dem Verfahren nicht um vorsätzliche Herbeiführung des Zugunglücks, erläuterte Giese. Es gebe auch keine Anhaltspunkte für ein technisches Versagen der Züge oder der Signal- und Bremsanlagen. Staatsanwalt Jürgen Branz sprach von einem "furchtbaren Einzelversagen". Nach Angaben von Rosenheims Polizeipräsidenten Robert Kopp spielte Alkohol bei der Katastrophe am Faschingsdienstag keine Rolle. Eine Atemalkoholanalyse bei dem Fahrdienstleiter habe 0,0 ergeben.

Viele Tote und Verletzte

Die beiden Nahverkehrszüge der zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privaten Bahn waren am Dienstag vergangener Woche bei Bad Aibling frontal zusammengestoßen. Elf Menschen kamen ums Leben, mehr als 80 Insassen wurden teils schwer verletzt. Der Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn hatte beide Züge auf der eingleisigen Strecke passieren lassen. Schon kurz nach der Katastrophe hatten Zeitungen berichtet, dass der Mann das automatische Bremssystem ausgeschaltet haben soll, um einen verspäteten Zug passieren zu lassen.

PZB-Stoppssystem auf eingleisigen Strecken In Deutschland wird die "Punktförmige Zugbeeinflussung" (PZB) als Sicherungssystem eingesetzt - so auch auf der eingleisigen Strecke in Bayern.

Beim PZB-System empfängt ein Gerät im Zug Signale von Magneten im Gleisbett - diese sind mit einem ersten Vorsignal und dem 1.000 Meter weiter stehenden Hauptsignal verkabelt. Steht das Hauptsignal auf Rot, zeigt dies auch bereits das Vorsignal an. Der Lokführer muss mit einer Taste bestätigen, dass er dies bemerkt hat, sonst bremst ihn die Technik ab. Rollt der Zug über das rote Hauptsignal, wird ebenfalls eine Zwangsbremsung ausgelöst.

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2016, 21:58 Uhr

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7 Kommentare

17.02.2016 14:11 ascanier 7

Eigentlich ist es unmöglich das auf eingleisiger Strecke beide Signale auf Grün stehen. Das ist ja quasie die Eigensicherung vor Fehlern des Bedienpersonals. Enweder es gab ein Ersatzsignal, oder der Triebfahrzeugführer ist auf Befehl am Halt/Rot zeigenden Signal vorbeigefahren. Anders geht es eigentlich nicht, ich bin selber Jahrelang als TFZ gefahren. Aber um DAS zu ermitteln hätte es zu Reichsbahnzeiten keine Stunde gebraucht. Gute Nacht deutschland!!!

17.02.2016 09:30 Fernando Zeymer 6

Ich bin Lokführer und kenne leider diese Strecke nicht. Aber wenn zwei Züge gleichzeitig in eine eingleisige Strecke einfahren können, dann liegt das mit Sicherheit an der Technik. Ich bin der Meinung, hier wird wieder mal nicht alles gesagt!

17.02.2016 01:10 M. Brückner 5

@4: "Warum soll auch immer Alkohol im Spiel sein? " - es war Faschingsdienstag.
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@1:"Früher währe dieses Unglück, innerhalb von 12 Stunden, aufgeklärt worden." - früher wurde auch viel Mist ermittelt.
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@2: "... total versagt. " - dieser Mann hat gute 20 (!) Jahre eine ordentliche Arbeit gemacht. Dann ein schlechter Tag, ein unkonzentrierter Moment, ein schwacher Augenblick mit fatalen folgen. Von totalem Versagen hier bitte nicht sprechen.


16.02.2016 21:53 Morchelchen 4

Warum soll auch immer Alkohol im Spiel sein? Jeder Mensch macht mal einen Fehler, aber hier hat der eine schreckliche Nachwirkung gehabt. Trotzdem - wer wirft den ersten Stein? Ich möchte niemals in der Haut des Unfallverursachers stecken und jeder Kritiker sollte sich glücklich schätzen, dass er es ebenfalls nicht muss...

16.02.2016 21:42 Restrisiko 3

Dass der Fahrdienstleiter falsch gehandelt hatte, war eigentlich bereits klar. Unklar bleibt noch, was ihn zu seinem Tun veranlasst hatte und wie schwer dabei seine Schuld wiegt, welche Schwachstellen beim Sicherungssytem der Bahn zu finden sind. Denn normalerweise soll ja gerade verhindert werden, dass menschliches Versagen und Versehen, dass nie auszuschließen ist, gleich in eine Katastrophe mündet. Wobei die Bahn um ein Vielfaches sicherer als der Straßenverkehr ist!

16.02.2016 20:13 Reinhard Schmidt 2

Als Sklave, seiner Arbeit, ein armer Wicht.
Als Angestellter , der Sicherheit ein Ihm bekannter Strecke, hat er doch wohl der Fahrdienstleiter, total versagt.

16.02.2016 19:54 Reinhard Schmidt 1

Leider leben wir 26 Jahre weiter.
Wir leben im Rechtsstaat.
Früher währe dieses Unglück, innerhalb von 12 Stunden, aufgeklärt worden.
Der Rechtsstaat, braucht eine Woche!
Ich geh jetzt mal aufs Klo.
Den Angehörigen, alle Kraft.